Beiträge

Unter Beiträge finden Sie alle Rubriken der ZFA mit chronologisch sortierten Inhalten. Ältere Jahrgänge können Sie über die entsprechende Schaltfläche aufrufen. Alternativ können Sie die Beiträge nach dem Titel sortieren.

Jahrgang: 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | vor 2009
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Originalarbeit - Original Papers
Ausgabe: 01/2012
Telebiometrie und telefonische Kurzschulungen bei arterieller Hypertonie
Mascha Bethke, Franca Pirovino, Gerhard Gillmann, Jan von Overbeck, Eva Blozik

Einleitung: Disease Management Programme (DMPs), die Telebiomonitoring des Blutdrucks (Messung der Blutdruckwerte zu Hause und Übermittlung an ein telemedizinisches Zentrum) sowie Patientenschulungen über das Telefon umfassen, können die hausärztliche Betreuung von schwer einstellbaren Patienten ergänzen. Diese Evaluation untersucht, inwieweit solche DMPs bei der hausärztlichen Einstellung des Blutdrucks helfen können.

Methoden: Die Analysen beruhen auf einer Fallserie mit 74 Hypertoniepatienten. Die Mittelwerte der übertragenen systolischen und diastolischen Blutdruckwerte im Programmverlauf wurden berechnet. Zusätzlich wurde der Anteil der Programmteilnehmer mit mittlerem systolischem bzw. diastolischem Blutdruck im therapeutischen Bereich erhoben.

Ergebnisse: Der mittlere systolische Blutdruck lag bei Programmeintritt bei 151 ± 17,2 mmHg. Nach einem Monat betrug der Mittelwert der mit Telebiometrie übertragenen Werte 135,5 ± 10,9 mmHg und sank bis zum siebten Programmmonat auf 129,9 ± 7,8 mmHg (p-Wert für Trend 0,001). Die mittleren diastolischen Blutdruckwerte waren bei Programmstart bei 97,6 ± 7,0 mmHg, sanken nach einem Monat auf 87,2 ± 8,6 mmHg und nach sieben Monaten auf 83,2 ± 6,9 mmHg (p 0,001). Gleichzeitig stieg der Anteil der Teilnehmer, deren systolische bzw. diastolische Druckmittelwerte im gewünschten Bereich lagen, klinisch und statistisch hochsignifikant an.

Schlussfolgerung: Unsere Daten zeigen, dass ein telebiometrisch unterstütztes und auf kurzen Patientenschulungen basierendes DMP unter Alltagsbedingungen wirksam ist und die Blutdruckwerte von Patienten mit arterieller Hypertonie senken kann. Ausschlaggebend ist hierbei, dass das DMP in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Hausarzt durchgeführt wird.

Ausgabe: 01/2012
Zuversicht? Einblicke in den hausärztlichen Versorgungsalltag in zwei ländlichen Gebieten NRWs
Vera Kalitzkus, Marcus Redaèlli, Paul Jansen, Iris Schluckebier, Stefan Wilm

Einführung: Die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung ist in ländlichen, strukturschwachen Gebieten Deutschlands bereits heute gefährdet (fehlender ärztlicher Nachwuchs, demografischer Wandel). Ziel dieser qualitativen Lokalstudie ist das Erkennen der konkreten Versorgungssituation und des Praxisalltags aus Sicht der beteiligten Akteure in zwei ländlichen Versorgungsregionen Nordrhein-Westfalens. Basierend auf Kenntnis der lokalen Gegebenheiten sollen bisher wenig diskutierte Lösungsmöglichkeiten zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung erkannt werden.

Material und Methode: Über strukturierte Telefoninterviews wurden die Versorgungsdaten von den Hausärzten erfragt. Anschließend erfolgte die Erhebung zur Sichtweise von an der gesundheitlichen Versorgung beteiligten Berufsgruppen über qualitative Interviews. Insgesamt wurden 14 Gespräche mit 16 Interviewpartnerinnen und -partnern geführt, darunter fünf der sieben in den beiden Regionen praktizierenden Hausärzte.

Ergebnisse: Die Hausärzte beider Regionen sehen die Sicherung der hausärztlichen Versorgung als bedroht, wenn der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklung nicht gegengesteuert wird. Kritisiert werden die ungenügende und unsichere Finanzierung und steigender Bürokratie- und Verwaltungsaufwand. Stark belastend wird auch die zunehmende Beschränkung hausärztlicher Handlungsspielräume gesehen, die einer Deprofessionalisierungstendenz gleichkommt. In den Interviews wird eine empfundene mangelnde Wertschätzung seitens des Gesundheitssystems respektive der Gesellschaft deutlich. Ihre Tätigkeit selbst schätzen die Hausärzte hingegen sehr positiv ein. Insbesondere die intensive Arzt-Patienten-Beziehung im hausärztlichen ländlichen Bereich sorgt für berufliche Zufriedenheit.

Schlussfolgerung: Unterschiedliche Kontextfaktoren zeigen sich bereits innerhalb eines regional eingeschränkten Kreises für die Versorgung der Patienten bedeutsam. Als zentral erweist sich das jeweilige professionelle Selbstverständnis, das sich entsprechend der neuen Formen der Kooperation wandeln muss. An der Basis zeigt sich die Notwendigkeit, eine Kultur des Dialogs zu schaffen, die sich jenseits der Professionsgrenzen um Konzepte einer patienten- und wohnortnahen Versorgung bemüht.

Ausgabe: 01/2012
Erfahrungen im 5. Professionalisierungs-Kurs der DEGAM: eine qualitative Studie
Susanne Grundke, Michael Thomas Becker, Kai Braun, Stefan Claus, Anja Frenzen, Jana Hummel, Claudio Jakasovic, Andreas Klement, Hans-Georg Ruhl, Guido Schmiemann, Ute Schnell, Albrecht Stein

Hintergrund: Die Teilnehmer des 5. Professionalisierungskurses der DEGAM („Profi-Kurs“ 5) hatten sich – neben der inhaltlichen Arbeit – auf ein gemeinsames Forschungsprojekt verständigt: Möglichkeiten der akademischen Professionalisierung durch Interviews mit erfahrenen Hochschullehrern (aufgezeichneter Diskurs) zu untersuchen. Ziel war es, herauszuarbeiten, wie die Teilnehmer vom Profi-Kurs als „Erfahrungsraum“ profitieren (persönlich und als „scientific community“) und wie hilfreich Experteninterviews für die Wissens- und Kompetenzentwicklung sind.

Methoden: Die qualitative Untersuchung im Anwendungsfeld der Professionsforschung wurde im Design einer Mehrebenenuntersuchung angelegt. Die erste Prozessebene (Expertenwissen Hochschullehrer, n = 4) wurde mittels leitfadengestützter Experteninterviews in Kombination mit ergänzenden Stegreiferzählungen untersucht. Die zweite Prozessebene (Professionalisierungserfahrungen „Profi-Kurs“, n = 12) wurde mittels Gruppendiskussionen (Kursteilnehmer) untersucht. Die Auswertung der Experteninterviews erfolgte mittels der Erkenntnislogik der Grounded Theory in Kombination mit der Narrationsanalyse; die Auswertung der Gruppendiskussion erfolgte diskursanalytisch.

Ergebnisse: Die besondere Gestaltung des 5. Profi-Kurses – Durchführung von Experteninterviews mit Hochschullehrern in Verbindung mit Gruppendiskussionen – erwies sich als förderlich für die akademische Professionalisierung. Über die biografischen Kommentarteile der Experteninterviews konnten die Teilnehmer– über die Schärfung des individuellen Kompetenzprofils hinaus – mehr für sich im Kurs erreichen als zuvor beabsichtigt: Die Auseinandersetzung mit den soziobiografischen Bedingungen der Professionalisierung der befragten Hochschullehrer regte im Profi- Kurs eine biografische Bilanzierung bis hin zur Neuorientierung der eigenen berufsbiografischen Schwerpunktsetzung an. Neben diesen „Mobilisierungsprozessen“ förderte der Profi-Kurs im Besonderen auch die diskursive Produktion von Expertenwissen.

Schlussfolgerungen: Um wissenschaftlichen Nachwuchs in der Allgemeinmedizin zu fördern, müssen neue Wege gefunden werden, um den Nachwuchs insbesondere bei der Bewältigung des Spagats zwischen Praxis und Hochschule bei gleichzeitiger Vereinbarkeit mit dem Familienleben besser zu unterstützten. Die (sehr unterschiedlichen) Zielvorstellungen und Ergebniserwartungen der Teilnehmer an den Profi-Kurs als „Erfahrungsraum“ stellen eine Spannungsquelle dar, die den Kurserfolg (persönlich und als Gruppe) gefährden kann.

Buchbesprechungen - Book Reviews
Ausgabe: 01/2012
Praxis der Psychosomatischen Grundversorgung
Heinz-Harald Abholz

Die Autorin ist Hausärztin und psychotherapeutisch sowie in der Balint-Ausbildung tätig. Dies merkt man an den zahlreichen, sehr illustrativen, aus der Hausarztpraxis stammenden Beispielen, die das ganze Buch sehr gut lesbar machen.

DEGAM-Benefits - DEGAM Benefits
Ausgabe: 01/2012
DEGAM-Benefits

Ausgabe: 01/2012
Früherkennung von Bronchialkarzinomen durch Massen-Screening?

Versuche einer Früherkennung von Bronchialkarzinomen durch Massen-Screening (z.B. Sputum-Zytologie oder Rö-Thorax) mit dem Ziel einer effektiveren Therapie sind bislang allesamt gescheitert. Aus den USA kommt jetzt eine Erfolgsmeldung.

Ausgabe: 01/2012
Barbara Starfield (†) und das amerikanische Gesundheitswesen

Barbara Starfield, die vor wenigen Wochen verstorbene Wissenschaftlerin (Johns Hopkins Universität, Baltimore/MD), die in vielen Büchern und Aufsätzen die Überlegenheit eines primärärztlichen über ein spezialistisches Gesundheitssystems zeigte, schrieb vor zehn Jahren im Journal of the American Medical Association (JAMA) ein Editorial mit dem Titel „

Ausgabe: 01/2012
COPD-Behandlung mit Corticosteroiden: Unerwünschte Wirkungen beachten!

Leitlinien zur Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) empfehlen für moderat bis stark ausgeprägte Krankheitsfälle den Einsatz von inhalierten Corticoiden in Verbindung mit langwirksamen Beta-2-Agonisten, um die Zahl der Exazerbationen zu verringern. Zu den systemischen Nebenwirkungen einer solchen Behandlung zählt das vermehrte Auftreten von Pneumonien.

Ausgabe: 01/2012
Protonenpumpeninhibitoren und Alendronat: Knochendichtewirkung reduziert!

Beim Thema Frakturen als unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) sollte man einen Blick auf eine offene Kohortenstudie aus Dänemark werfen. Die Autoren überprüften bei 38.088 Patienten, wie sich die Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPIs) auf die Wirksamkeit von neu verordnetem Alendronat auswirkte. Bei einer mittleren Nachverfolgungszeit von 3,5 Jahren ergab sich bei Personen, die (bei perfekter Compliance) Alendronat ohne PPIs bekamen, eine Verminderung des Frakturrisikos um 39%. Bei Einnahme von PPIs betrug die Reduktion nur 19%. Zwar „nur“ eine Beobachtungsstudie mit möglichen Verzerrungen, aber mit vielen Patienten und konsistente Ergebnisse mit ähnlichen UAW-Ergebnissen aus anderen Untersuchungen liegen vor.

Ausgabe: 01/2012
Moderne Antidepressiva sind besser verträglich als alte – ein Märchen …

Welche Antwort hätten Sie auf die Frage parat, ob bei älteren Patienten die „alten“ trizyklischen Antidepressiva (TZA; auch als nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer bezeichnet) oder die „neuen“ selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) häufigere bzw. ernsthaftere Nebenwirkungen haben? Wahrscheinlich würden viele Leser/innen sagen, die SSRIs seien besser verträglich. Dass diese Vermutung nicht ganz spekulativ ist, leite ich aus den verfügbaren Empfehlungen ab.

Ausgabe: 01/2012
Arzneimittelzulassung in Frankreich: Nach Skandalen wackelt das System

Frankreich plant nach Aussagen seines Gesundheitsministers Xavier Bertrand eine „völlige Neustrukturierung“ seines Arzneimittelzulassungssystems. Die Maßnahmen stehen offenbar im Zusammenhang mit dem Skandal um die jahrelang fortgesetzte Vermarktung des Antidiabetikums

Ausgabe: 01/2012
Ibuprofen, Paracetamol oder beide zusammen?

Bringt es relevante Vorteile, wenn man hausärztliche Patienten mit chronischen Knieschmerzen statt mit Ibuprofen oder Paracetamol mit einer Kombination beider behandelt? Die Daten einer randomisierten Doppelblindstudie aus dem britischen Nottingham – lassen eine ziemlich eindeutige Antwort zu: Nein!

Ausgabe: 01/2012
282 Typhus-Tote in Hannover

„Sechs lange Tage floss im August letzten Jahres aus den Wasserhähnen Tausender Haushalte in Hannover eine penetrant stinkende Brühe. Sechs lange Tage scherte sich keine der staatlichen Stellen darum – selbst das Ricklinger Wasserwerk nicht, aus dessen Brunnen die Brühe kam. Erst als die Proteste lauter wurden, ging die Werksleitung der Sache auf den Grund. […] Das Ricklinger Wasserwerk reagierte sofort, überprüfte die Anlage und erhöhte den Chlorgehalt. Schon am folgenden Tag war das Wasser wieder sauber. Damit war für alle Beteiligten die Sache erledigt. Weder die Stadtverwaltung, noch der Oberbürgermeister, noch das Wasserwerk oder die Gesundheitsbehörden hielten es für nötig, die Bevölkerung vor den möglichen Folgen zu warnen.

Ausgabe: 01/2012
Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut neu konstituiert

Die Mitglieder der neu zusammengesetzten Kommission (STIKO) sind einer Erwähnung wert. Darunter befinden sich nämlich unsere Kolleg/innen

DEGAM-Nachrichten - DEGAM-News
Ausgabe: 01/2012
Bewerbungsfrist für DEGAM-Nachwuchsakademie verlängert

Das Ende der Bewerbungsfrist für die neu gegründete DEGAM-Nachwuchsakademie wird vom 15. auf den 31. Januar 2012 verlängert. Medizinstudierende ab dem 5. Semester haben so noch bis Ende Januar die Möglichkeit, ihre Bewerbungsunterlagen an die DEGAM-Bundesgeschäftsstelle in Frankfurt zu senden.

Ausgabe: 01/2012
Fachtagung zur „Verbundweiterbildung plus“ in Baden-Württemberg: Wirksame Rezepte gegen den drohenden Hausärztemangel
Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi

Am 28. Februar 2012 wird in Heidelberg vorgestellt, wie in Baden-Württemberg in den letzten drei Jahren flächendeckend ein für Deutschland neues Programm entwickelt und umgesetzt wurde. Dem Beispiel Europäischer Nachbarländer wie Dänemark oder den Niederlanden folgend, aber doch eigene Akzente setzend, hat das Curriculum und die Verankerung der „Verbundweiterbildung plus“ bis in die kommunale Ebene hinein eine enorme Attraktivität bei jungen Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung. Fast 200 von ihnen nehmen inzwischen in 32 Klinikverbünden und zahlreichen Praxen daran teil. Und es werden kontinuierlich mehr. Weitere Informationen finden Sie unter

Ausgabe: 01/2012
Nachrichten aus der AG Diabetes

Der DEGAM-Kongress, der dieses Jahr in Salzburg stattfand, widmete sich insbesondere dem Thema Polypharmazie und der Frage, welche Therapie verzichtbar sei. Unter diesem Motto möchte ich Ihnen heute verschiedene neuere (und nicht mehr ganz neue) Erkenntnisse in der Diabetologie zusammenstellen.

Sonstiges - Miscellaneous
Ausgabe: 01/2012
Danksagung an die Gutachter/innen der ZFA

Die kompetente und zeitaufwendige Arbeit von Gutachterinnen und Gutachtern ist für die wissenschaftliche Qualität und Weiterentwicklung der ZFA – Zeitschrift für Allgemeinmedizin von unschätzbarem Wert. Die Herausgeber (die selbst nicht gutachten dürfen) möchten sich daher bei den nachfolgend genannten Kolleg/innen für ihr unermüdliches Engagement und ihre ehrenamtliche Unterstützung herzlich bedanken:

Übersicht-Review
Ausgabe: 01/2012
Soll ich meine antikoagulierten Patienten mit Vorhofflimmern auf Dabigatran umstellen?
Günther Egidi, Armin Mainz

Zusammenfassung: Am 4.8.2011 hat die EMA Dabigatran für Patienten mit Vorhofflimmern zugelassen. Im Pro- und Contra-Format werden Argumente aus einer Listserver-Diskussion zusammengefasst. Soll ich meine antikoagulierten Patienten (Warfarin bzw. Phenprocoumon) auf Dabigatran umstellen? Pro: Die Verordnung von Dabigatran kann bei leichtem Vorteil gegenüber Warfarin Kosten minimieren. Dabigatran ist eine echte Innovation und zumindest für die Hausarztpraxen komfortabler. Letztlich müssten die Krankenkassen entscheiden, ob sie für diesen Komfort ihrer Versicherten bezahlen wollen. Contra: Die Datenlage spricht gegen einen unkontrollierten Einsatz von Dabigatran. Verzerrungen in der RE-LY-Studie und die erheblichen Nachteile bei der praktischen Anwendung sind die Hauptgründe, um an der bisherigen Praxis der Antikoagulation mit Cumarinen festzuhalten. Die vorhandenen Ressourcen sollten eher für ein besseres INR-Monitoring eingesetzt werden.

Ausgabe: 01/2012
Heilen als Management?
Giovanni Maio

Zusammenfassung: Die moderne Medizin folgt immer mehr den Kategorien des Marktes. Damit wird das ärztliche Handeln zunehmend wie ein Produktionsprozess behandelt und bewertet. Der Wert und der Kern des Arztberufs liegen aber nicht in einer „Produktion“ von Gesundheit, sondern sie liegen in elementarer Weise darin, dass sich ein professioneller Helfer eines anderen Menschen in seiner Hilfsbedürftigkeit als ganze Person annimmt. Dieses persönliche Engagement wird durch die gegenwärtigen Anreizsysteme der Medizin komplett entwertet. Daher müssen neue Anreize entwickelt werden. Es müssen genau die Ärzte belohnt werden, die mit ihrer Einstellung dazu beitragen, die Medizin als personale Zuwendung erfahrbar zu machen. Das bedeutet auch, dass nicht nur das Resultat einer Maßnahme gemessen werden sollte, sondern auch die Persönlichkeit selbst als Kerngehalt der Therapie mit berücksichtigt werden muss. Dies jedoch wird nicht mit Zahlen gehen. So kommt es darauf an, den Stellenwert der Zahlen zu relativieren und damit zugleich die Vorstellung zu verabschieden, man habe über die Veröffentlichung von Zahlen bereits alles über die Güte einer Behandlung ausgesagt. Es gibt innerhalb der Medizin Werte, die auch im Zeitalter der Ökonomie nicht geopfert werden dürfen. Daher dürfen Ärzte die Realisierung der Medizin nicht der Ökonomie überlassen, sondern sie müssen darum kämpfen und werben, dass Medizin nicht zum Gewerbe herabgestuft wird, sondern eine soziale Form der Zuwendung bleibt.