Archiv
Im Archiv finden Sie alle Ausgaben der ZFA übersichtlich nach Jahrgang sortiert. Die Themen der aktuellen Ausgabe können Sie direkt anwählen. Mit einem Klick auf das Cover der jeweiligen Ausgabe des aktuellen Jahrgangs gelangen Sie zum entsprechenden Inhaltsverzeichnis. Ältere Jahrgänge können Sie über die entsprechende Schaltfläche aufrufen. Das Nachrichten-Archiv bietet Ihnen Zugang zu allen auf der Webseite veröffentlichten Meldungen.

Inhaltsverzeichnis 05/2012
Editorial - Editorial
Wie werde ich Allgemeinmediziner?
Es grüßt Sie sehr herzlichIhr Andreas Sönnichsen
DEGAM-Benefits - DEGAM Benefits
Akademische Lehrpreise und Auszeichnungen für Innovationen und Verbesserung der Hochschullehre
Synkope – wie soll der Hausarzt mit betroffenen Patienten umgehen?
US Preventive Services Task Force spricht sich gegen PSA-Screening aus
Fettleber: Ein Mythos wird beerdigt
Kleiner Ausflug in die Schweiz …
„Deprescribing“ – Absetzen unnötiger Arzneimittel bei älteren Patienten
Major Depression: Langfristige Prognose eines Rückfalls
Schrittmacher-Recycling hilft Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen in Drittwelt-Ländern
Schwangerschaftshypertonie: Wie behandeln?
Zusammenhang von Citalopram und Escitalopram (Cipralex®) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung
Sonstiges - Miscellaneous
37. GHA-Symposium„Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung – Fokus Allgemeinmedizin“16./17. Juni 2012Anmeldung unter www.gha-info.de
DEGAM-Nachrichten - DEGAM-News
Endlich eine Ausbildung für Allgemeinmedizin in Sicht!
Christoph Dachs und Andreas Sönnichsen
Hausärztliche Praxen für Varizella-zoster-Virus-Sentinel gesucht
Die Allgemeinmedizin stärken! Mitglieder werben Mitglieder
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)Beitrittserklärung
Beginn der allgemeinmedizinischen Verbundweiterbildung in Bremen
Günther Egidi, Jürgen Biesewig-Siebenmorgen, Guido Schmiemann
Zusammenfassung: Am 15. Februar 2012 wurde durch die Bremer Gesundheitssenatorin öffentlich der Start der Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Bremen verkündet. Besonderheiten des Konzeptes sind der Einschluss aller versorgenden Kliniken sowie Etablierung und Finanzierung eines begleitenden, hausärztlich verantworteten Fortbildungs-Curriculums. Damit wird die spezifische hausärztliche Perspektive während der gesamten Weiterbildung gewährleistet. Die Kliniken bieten eine Versorgung in nahezu allen klinischen Fächern an. Aktuell wird geklärt, welche klinische Weiterbildungsabschnitte neben der obligatorischen Inneren Medizin abgeleistet werden können. Wichtige Voraussetzungen für den Erfolg waren ein sehr langer Atem der Initiatoren, die Anerkennung der Hausärzte als kompetente Fort- und Weiterbilder, die Unterstützung der Politik sowie eine gewisse Kompromissfähigkeit.
Originalarbeit - Original Papers
DMP Depression? Die Hausarztperspektive
Laura Maria Dickmann, Julian Robert Dickmann, Andreas Broocks
Hintergrund: Für psychische Erkrankungen existiert in Deutschland noch kein landesweites Disease-Management-Programm (DMP), lediglich eine Vielzahl von Modellversuchen der Integrierten Versorgung (IV) auf regionaler Ebene. Bisher ist die Praktikabilität einer Leitlinienimplementierung als Teil eines möglichen DMP Depression in Deutschland nur an kleinen Gruppen hochmotivierter Haus- und Fachärzte untersucht worden. Die Ergebnisse fielen positiv aus. Zielsetzung: Diese Arbeit untersucht die Erfahrungen einer unselektierten Gruppe von Hausärzten mit existierenden DMP, den Kenntnisstand über Depressionen sowie die Einschätzung existierender Kooperation mit Spezialisten. Erfragt wurden Einstellungen und Erwartungen gegenüber einem möglichen DMP Depression. Aus den Ergebnissen sollen Schlussfolgerungen für die Ausgestaltung eines künftigen DMP Depression gezogen werden. Methoden: Im August 2011 wurden alle Allgemeinärzte und hausärztlichen Internisten der Stadt und des Landkreises Oldenburg (158 Ärzte) sowie 27 zufällig ausgewählte Hausärzte aus dem angrenzenden Landkreis Ammerland angeschrieben. Der Fragebogen umfasste 39 Fragen, davon 19 im Likert-Format. Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug 78%. 10% der Befragten nahmen bisher an keinem DMP teil. 89% partizipierten an zwei oder mehr DMPs. 36% bewerteten ihre Erfahrungen mit den laufenden DMP als positiv, 27% negativ und 37% neutral. Die Einführung eines DMP Depression begrüßten 23% der Befragten, 61% lehnten dies ab. 61% wünschten im Rahmen eines möglichen DMP Depression eine konsequente Übertragung ärztlicher Behandlungskompetenz auf nichtärztliche Fallmanager, weil sie sich nicht in der Lage fühlten, die zeitliche DMP-Inanspruchnahme zu leisten. Nur 17% lehnten eine Verlagerung ärztlicher Kompetenzen auf Pflegekräfte ab. 34% beurteilten ihren Kenntnisstand zur Behandlung von Depressionen als ausreichend, 40% als unzureichend. 47% war die Existenz der S3-Leitlinie Depression nicht bekannt. Die Kooperation mit Psychiatern bezeichneten 32% als gestört, die mit psychologischen Psychotherapeuten 47%. Schlussfolgerungen: Unter den Hausärzten scheint es zwei Gruppen zu geben: Die einen sehen sich als potenzielle Fallmanager in einem DMP Depression, die anderen eher als Verteiler und „Überweiser“. Die Mehrheit steht einem DMP mit intensiver Schulung und hoher zeitlicher Inanspruchnahme ablehnend gegenüber. Die gegenwärtige Arbeitsweise der Hausärzte ist weit entfernt von der S3-Leitlinie Depression und durch Kurzschulung nicht zu überbrücken. Danach müssten für eine landesweite DMP-Einführung Fallmanagerteams gestützt auf Fachpflegekräfte nach britischem und australischem Vorbild geschult werden. Die Planer eines DMP Depression sollten immer im Auge behalten, dass jedes neue DMP mit bereits existierenden und weiteren eingeforderten qualitätssichernden Maßnahmen konkurriert. Erfolgreich könnte ein DMP sein, das zunächst wenig in die hausärztliche Arbeit eingreift, die sich an lange bestehende Zwänge im vertragsärztlichen System angepasst hat.
Warum nimmt ein Hausarzt an einer Interventionsstudie teil?
Kristina Stock, Heinz-Harald Abholz, Attila Altiner, Anja Wollny
Hintergrund: Bei der Durchführung von Studien, insbesondere Interventionsstudien, besteht immer die Frage, warum bestimmte Ärzte teilnehmen und andere wiederum nicht. Aus Studien wissen wir, dass es diesbezüglich fördernde und hindernde Faktoren gibt. Es bleibt offen, wie sich diese Faktoren beim einzelnen teilnehmenden Arzt auf sein reales Handeln auswirken. Methode: Aus dem Kreis der Ärzte, die an einer sehr erfolgreichen Studie zur Reduktion des Antibiotikakonsums (CHANGE) beteiligt waren, wurde jeder zweite im Nachhinein zu den Gründen seiner Teilnahme mittels offener Interviews befragt. Die aufgezeichneten 23 Interviews wurden auf zwei Weisen ausgewertet: inhaltsanalytische (kategoriale) Auswertung (nach Mayring) und Fallinterpretation (in Bezug auf jeweils einen Arzt). Die Ergebnisse der hier thematisierten zweiten Analyse werden anhand von fünf idealtypischen Interviews dargestellt. Ergebnisse: In den Fallinterpretationen finden sich zwar auch fördernde sowie hindernde Faktoren, wie sie aus Studien und der eigenen inhaltsanalytischen Auswertung der Gesamtgruppe bekannt sind. Jedoch zeigt sich in der Fallinterpretation – also der Auswertung, die nicht Gruppen, sondern Individuen verstehen will –, dass biografische Aspekte bei den Ärzten letztendlich die positive oder negative Entscheidung zur Teilnahme prägen. Schlussfolgerung: Man kann hindernde und fördernde Faktoren identifizieren und bei der Einwerbung nutzen, nur muss man sich im Klaren sein, dass am Schluss ein Individuum mit seiner Geschichte entscheidet, in der diese Faktoren auch unterschiedliche Bedeutung haben. Dies ist ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Studienteilnehmern.
Der besondere Artikel - Special Article
Probleme des Teams in der deutschen ambulanten Versorgung
Heinz-Harald Abholz
Einführung: Das Team, bestehend aus Personen meist unterschiedlicher Professionen, die in (gleichberechtigter) Zusammenarbeit an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, wird auch für den ambulanten Bereich in Deutschland zunehmend als Zukunftsorientierung gesehen. Die Idee der Überlegenheit des Teams ist einleuchtend, aber es ist auffällig, dass sich diese Überlegenheit noch nicht durchgesetzt hat. Methode: Es wird zunächst eine konzeptionelle Analyse zu den Stärken und den Schwächen des Teams in der ambulanten hausärztlichen Versorgung vorgenommen. Fragestellung ist hierbei, inwiefern diese Teamkonzepte die Kernkompetenzen der Allgemeinmedizin verbessern oder schwächen würden. Anschließend wird eine historisch-politische Analyse zu den Gründen des Scheiterns derartiger Teamkonzepte sowohl in den 70er- und 80er-Jahren (Gruppenpraxis) als auch den beginnenden 90er-Jahren (Ärztenetze) vorgenommen. Ergebnisse: Teamkonzepte sind bisher immer gescheitert – an der Finanzierung , den strukturellen Problemen des deutschen Gesundheitssystems und den mentalen Schwierigkeiten, die Ärzte mit ihrem Selbstbild im Verhältnis zu anderen Gesundheitsberufen haben. Zudem gibt es zahlreiche konzeptionelle Gründe, die bezweifeln lassen, dass ein Team die spezifische Arbeit der Allgemeinmedizin mit dem generalistischen Ansatz verbessern würde. Schlussfolgerung: Sieht man die Zukunft der Allgemeinmedizin im Team, so wären immer zuerst die strukturell-finanziellen Grundbedingungen dafür zu schaffen. Dabei erscheint eine solche Voraussetzung nur in einem verstaatlichten/vergesellschafteten System vorstellbar.
Originalarbeit - Original Papers
Konzeptentwicklung und Pilotierung eines Doktorandenkolloquiums in der Allgemeinmedizin
Juliana J. Petersen, Monika Sennekamp, Corina Güthlin, Barbara Hoffmann, Jutta Will, Tatjana Blazejewski, Hans-Michael Schäfer, Birgit Schorsch, Antje Erler, Zeycan Albay, Carolin Lilienkamp, Birgit Fullerton, Ferdinand M. Gerlach, Christiane Muth
Hintergrund: Die Humanmedizin weist mit ca. 60% eine sehr hohe Promotionsfrequenz auf. Die wissenschaftliche Qualität ist jedoch wiederholt kritisiert worden. Daher werden an medizinischen Fakultäten zunehmend Doktorandenkolloquien zur Strukturierung der wissenschaftlichen Grundausbildung eingerichtet. Am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt wurde ein Kolloquium für medizinische Doktoranden konzipiert und pilotiert. Ziel dieser Arbeit ist es, den Aufbau des Kolloquiums sowie die Ergebnisse der Pilotierung (Umsetzbarkeit, Adressierung der Bedürfnisse der Doktoranden und Optimierung der Module) darzustellen. Methoden: Das Kolloquium wurde zwischen 2007 und 2009 entwickelt, die Pilotierung fand zwischen 2009 und 2010 statt. Im Rahmen einer Eingangsbefragung wurden die Doktoranden zur Selbsteinschätzung ihrer Vorkenntnisse sowie zur wahrgenommenen Relevanz von einzelnen Themen befragt. Auch die einzelnen Kursveranstaltungen wurden begleitend evaluiert. Ergebnisse: Das Konzept sieht elf Module zu Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens vor (z.B. Literaturrecherche). In fakultativen Modulen können spezielle Methoden (z.B. Erstellung eines systematischen Reviews) erlernt werden. An der Pilotierung nahmen 15 Doktoranden (Durchschnittsalter 27 J.) teil. In der Eingangsbefragung gaben sie mangelnde Kenntnisse in weiten Bereichen von Literaturrecherche bis zu wissenschaftlichen Schreiben an. Die einzelnen Kursveranstaltungen wurden sehr positiv bis positiv bewertet. Als wichtig wurde die aktive Selbstbeteiligung erachtet, vereinzelt wurde das nicht zeitgerechte Angebot kritisiert. Das Kolloquium wurde auch von den Betreuern positiv wahrgenommen. Seit 2011 wird es fachbereichsweit allen medizinischen Doktoranden angeboten. Schlussfolgerung: Das hier vorgestellte Kolloquium bietet eine strukturierte Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens – in Ergänzung zur individuellen Betreuung. Die fachbereichsweite langfristige Implementierung wird prospektiv evaluiert.
Leserbriefe - Letters to the Editor
Baum E, Maisel P, Dörr C, Donner-Banzhoff N. Aktualisierung der DEGAM-Leitlinie Müdigkeit. Z Allg Med 2012; 88: 133–137
