Beiträge

Unter Beiträge finden Sie alle Rubriken der ZFA mit chronologisch sortierten Inhalten. Ältere Jahrgänge können Sie über die entsprechende Schaltfläche aufrufen. Alternativ können Sie die Beiträge nach dem Titel sortieren.

Jahrgang: 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | vor 2009
Sortieren nach: Datum | Titel
Originalarbeit - Original Papers
Ausgabe: 02/2012
„Ich möchte als Migrant auch nicht anders behandelt werden“
Heli Gerlach, Heinz-Harald Abholz, Güllü Koc, Mustafa Yilmaz, Nicole Becker

Hintergrund: 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland, wo ihre Versorgung in Hausarztpraxen zum Alltag gehört. Dennoch ist bisher kaum erforscht, welche Erfahrungen Menschen mit Migrationshintergrund in hausärztlichen Praxen machen.

Methode: Wir führten (in deutscher Sprache) drei Fokusgruppendiskussionen mit insgesamt 39 Teilnehmenden mit Migrationshintergrund aus der Türkei und unterschiedlicher sozialer bzw. migrationsgenerativer Zusammensetzung durch. Die Diskussionen wurden auditiv dokumentiert, transkribiert und in Anlehnung an Mayring inhaltsanalytisch ausgewertet. Im ersten Schritt wurde der Text durch die Autoren unabhängig voneinander codiert. Dann erfolgte in einem Konsensusprozess die Kategorienbildung. Das Auswertungsteam war bewusst multikulturell und multiprofessionell zusammengesetzt.

Ergebnisse: Missverständnisse, Vorurteile und Diskriminierung aufgrund des Migrationshintergrundes waren alltägliche Erfahrungen. Ungleichbehandlung wurde von fast allen Teilnehmern berichtet. Ein wichtiger Kritikpunkt war, dass es im Gespräch zwischen Arzt und Patient oft an Empathie fehle, woraus „mangelndes Vertrauen“ in die Arzt-Patientenbeziehung, Ängste und Unsicherheiten bei den Teilnehmern, aber auch Arztwechsel resultierten. Teilnehmer wollten mit ihren Anliegen als Individuen ernst genommen sowie gleichberechtigt „wie Deutsche“ behandelt werden. Ernsthafte kulturelle Unterschiede wurden als Problembereich nicht gesehen – es sei denn als Vorwand für Diskriminierung. Die Teilnehmer regten an, Inhalte von interkultureller Kommunikation in die medizinische Aus- und Fortbildung zu integrieren und die Allgemeinmedizin interkulturell stärker zu öffnen.

Schlussfolgerungen: In der ärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung wird hierzulande – im Gegensatz zu anderen Ländern – bisher keine interkulturelle Kommunikation und Kompetenz vermittelt, die sich zentral auf die Vielfältigkeit von Individuen bezieht und nicht auf Regeln über richtiges oder falsches Verhalten im Umgang mit Patienten aus „anderen“ Kulturen.

Ausgabe: 02/2012
E-Learning in der Allgemeinmedizin (ELA) – eine Standortbestimmung in Deutschland fünf Jahre nach der Netzwerkgründung
Cornelia-C. Schürer-Maly, Elisabeth Gummersbach, Uta-Maria Waldmann, Martin R. Fischer, Heinz-Harald Abholz, Horst C. Vollmar

Hintergrund: Seitdem 2005 das Netzwerk „E-Learning in der Allgemeinmedizin“ (ELA) von interessierten Allgemeinärzten verschiedener Universitäten gegründet wurde, zeigen Studien, dass E-Learning vor allem in der Lehre an Bedeutung gewonnen hat. Wir untersuchten den derzeitigen Umfang von allgemeinmedizinischen E-Learning Angeboten für Studierende, Weiterbildungsassistenten und Fachärzte für Allgemeinmedizin. Den Schwerpunkt dieser Erhebung bilden die Angebote zur Weiter- und Fortbildung.

Methoden: Es wurde im Internet und bei Bedarf telefonisch nach E-Learning-Angeboten zur allgemeinmedizinischen Weiter- und Fortbildung in Deutschland gesucht: bei 36 Universitäten mit Abteilungen/Lehrbereichen/Lehraufträgen für Allgemeinmedizin, bei den 18 Ärztekammern und bei freien Anbietern. Die Recherche erfolgte im August und September 2010 und wurde im Mai 2011 aktualisiert.

Ergebnisse: Interessenneutrale E-Learning-Angebote für die allgemeinmedizinische Weiter- und Fortbildung nehmen zu, sind aber momentan noch nicht sehr zahlreich. Wir beschreiben Angebote, die nicht nur auf die Allgemeinmedizin ausgerichtet sind, aber die entsprechenden Inhalte repräsentieren. An den Fakultäten gibt es außerhalb des Studentenunterrichts wenig Online-Angebote: In den Bereichen Weiter- und Fortbildung finden sich jeweils vier Offerten. Viele dieser Veranstaltungen werden im Verbund durchgeführt, wodurch sich die Zahl unterschiedlicher Angebote reduziert. Die Ärztekammern bieten ihren Mitgliedern verschiedene Online-Lernmodule an und bauen dieses Angebot weiter aus. Die wenigen interessenneutralen freien Anbieter sind aus Hochschulprojekten hervorgegangen oder Kooperationspartner von Hochschulen.

Schlussfolgerungen: Während sich die Universitäten in den Bereichen Weiter- und Fortbildung vergleichsweise wenig engagieren, bauen Bundesärztekammer und Landesärztekammern derzeit den Einsatz von E-/Blended-Learning in der Allgemeinmedizin aus, indem Sie entsprechende Richtlinien vorgeben und eigene Angebote verstärken. Der Markt von interessenneutralen Angeboten ist bisher klein.

Ausgabe: 02/2012
Anrufen ohne Ende? Über das Gewinnen hausärztlicher Praxen für ein Versorgungsforschungsprojekt
Jutta Bleidorn, Isabel Voigt, Jennifer Wrede, Marie-Luise Dierks, Ulrike Junius-Walker

Einführung: Das erfolgreiche Anwerben hausärztlicher Praxen zur Teilnahme an einem Forschungsprojekt stellt einen entscheidenden Faktor insbesondere bei versorgungsnahen Projekten dar. Bisher gibt es nur wenige Daten zur Praxisrekrutierung bei hausärztlichen Forschungsprojekten in Deutschland. Die vorliegende Arbeit stellt am Beispiel der cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudie PräfCheck Vorgehen und Ergebnisse einer Praxenrekrutierung dar. Das Rekrutierungsdesign ermöglicht die Beantwortung einer im praktischen Vorgehen häufig gestellten Frage, nämlich inwieweit zusätzlicher Aufwand durch weiteres Verfolgen der „Nichtantworter“ bei der Praxisrekrutierung lohnenswert ist. Weiterhin wird auf die Problematik der Repräsentativität der angefragten Praxen eingegangen.

Methode: Um Praxen für die Teilnahme an dem Projekt PräfCheck zu gewinnen, wurden an der kassenärztlichen Versorgung teilnehmende hausärztliche Praxen definierter Postleitzahlbereiche angeschrieben. Das weitere Vorgehen erfolgte in Stufen nach einem vorher festgelegten Rekrutierungsplan. Ziel war es, von allen angefragten Praxen eine definitive Zu- oder Absage zu erhalten. In zwei Rekrutierungswellen wurden zunächst insgesamt 167 Praxen angeschrieben. Eine dritte Rekrutierungswelle wurde unter 43 Lehrpraxen des Institutes für Allgemeinmedizin der MH Hannover durchgeführt.

Ergebnisse: Die vorgesehene Rückantwort per Fax ging nur in 23% (38/167) der angeschriebenen Praxen der ersten beiden Rekrutierungswellen ein. Bei den übrigen 77% (129/167) waren telefonische Nachfragen erforderlich. Insgesamt nahmen in den ersten beiden Rekrutierungswellen 14% (24/167) der angefragten Praxen teil. Die Teilnahmerate der „Antworter“ lag bei 47% (18/38), die der „Nichtantworter“ bei 5% (6/129). Bei der dritten Rekrutierungswelle unter Lehrpraxen der MHH lag die Teilnahmerate mit 35% (15/43) deutlich höher. Im Hinblick auf die Repräsentativität der teilnehmenden Praxen war ein Selektionseffekt zugunsten jüngerer Ärzte zu beobachten, der durch die Rekrutierung über das vorselektierte Lehrarztkollektiv verstärkt wurde.

Schlussfolgerung: In der Interventionsstudie PräfCheck lagen Rückmelde- und Teilnahmeraten hausärztlicher Praxen, die auf der Basis der KV-Liste angeschrieben wurden, insgesamt niedrig. Der Aufwand, von allen Praxen eine definitive Zu- oder Absage zu erhalten, lohnt sich nicht. Praxen, die die Rückantwortmöglichkeit nicht wahrnehmen, scheinen kein Interesse an einer Studienteilnahme zu haben. Selektionseffekte bei der Praxisrekrutierung können z.B. durch niedrige Teilnahmeraten oder vorselektierte Kollektive entstehen und sind bei der Übertragbarkeit der Studienergebnisse in die Versorgungsrealität zu berücksichtigen. Für die Schaffung von Evidenz durch versorgungsnahe Forschung wäre viel gewonnen, wenn Forschung vermehrt in deutschen hausärztlichen Praxen verankert werden könnte.

Ausgabe: 01/2012
Telebiometrie und telefonische Kurzschulungen bei arterieller Hypertonie
Mascha Bethke, Franca Pirovino, Gerhard Gillmann, Jan von Overbeck, Eva Blozik

Einleitung: Disease Management Programme (DMPs), die Telebiomonitoring des Blutdrucks (Messung der Blutdruckwerte zu Hause und Übermittlung an ein telemedizinisches Zentrum) sowie Patientenschulungen über das Telefon umfassen, können die hausärztliche Betreuung von schwer einstellbaren Patienten ergänzen. Diese Evaluation untersucht, inwieweit solche DMPs bei der hausärztlichen Einstellung des Blutdrucks helfen können.

Methoden: Die Analysen beruhen auf einer Fallserie mit 74 Hypertoniepatienten. Die Mittelwerte der übertragenen systolischen und diastolischen Blutdruckwerte im Programmverlauf wurden berechnet. Zusätzlich wurde der Anteil der Programmteilnehmer mit mittlerem systolischem bzw. diastolischem Blutdruck im therapeutischen Bereich erhoben.

Ergebnisse: Der mittlere systolische Blutdruck lag bei Programmeintritt bei 151 ± 17,2 mmHg. Nach einem Monat betrug der Mittelwert der mit Telebiometrie übertragenen Werte 135,5 ± 10,9 mmHg und sank bis zum siebten Programmmonat auf 129,9 ± 7,8 mmHg (p-Wert für Trend 0,001). Die mittleren diastolischen Blutdruckwerte waren bei Programmstart bei 97,6 ± 7,0 mmHg, sanken nach einem Monat auf 87,2 ± 8,6 mmHg und nach sieben Monaten auf 83,2 ± 6,9 mmHg (p 0,001). Gleichzeitig stieg der Anteil der Teilnehmer, deren systolische bzw. diastolische Druckmittelwerte im gewünschten Bereich lagen, klinisch und statistisch hochsignifikant an.

Schlussfolgerung: Unsere Daten zeigen, dass ein telebiometrisch unterstütztes und auf kurzen Patientenschulungen basierendes DMP unter Alltagsbedingungen wirksam ist und die Blutdruckwerte von Patienten mit arterieller Hypertonie senken kann. Ausschlaggebend ist hierbei, dass das DMP in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Hausarzt durchgeführt wird.

Ausgabe: 01/2012
Erfahrungen im 5. Professionalisierungs-Kurs der DEGAM: eine qualitative Studie
Susanne Grundke, Michael Thomas Becker, Kai Braun, Stefan Claus, Anja Frenzen, Jana Hummel, Claudio Jakasovic, Andreas Klement, Hans-Georg Ruhl, Guido Schmiemann, Ute Schnell, Albrecht Stein

Hintergrund: Die Teilnehmer des 5. Professionalisierungskurses der DEGAM („Profi-Kurs“ 5) hatten sich – neben der inhaltlichen Arbeit – auf ein gemeinsames Forschungsprojekt verständigt: Möglichkeiten der akademischen Professionalisierung durch Interviews mit erfahrenen Hochschullehrern (aufgezeichneter Diskurs) zu untersuchen. Ziel war es, herauszuarbeiten, wie die Teilnehmer vom Profi-Kurs als „Erfahrungsraum“ profitieren (persönlich und als „scientific community“) und wie hilfreich Experteninterviews für die Wissens- und Kompetenzentwicklung sind.

Methoden: Die qualitative Untersuchung im Anwendungsfeld der Professionsforschung wurde im Design einer Mehrebenenuntersuchung angelegt. Die erste Prozessebene (Expertenwissen Hochschullehrer, n = 4) wurde mittels leitfadengestützter Experteninterviews in Kombination mit ergänzenden Stegreiferzählungen untersucht. Die zweite Prozessebene (Professionalisierungserfahrungen „Profi-Kurs“, n = 12) wurde mittels Gruppendiskussionen (Kursteilnehmer) untersucht. Die Auswertung der Experteninterviews erfolgte mittels der Erkenntnislogik der Grounded Theory in Kombination mit der Narrationsanalyse; die Auswertung der Gruppendiskussion erfolgte diskursanalytisch.

Ergebnisse: Die besondere Gestaltung des 5. Profi-Kurses – Durchführung von Experteninterviews mit Hochschullehrern in Verbindung mit Gruppendiskussionen – erwies sich als förderlich für die akademische Professionalisierung. Über die biografischen Kommentarteile der Experteninterviews konnten die Teilnehmer– über die Schärfung des individuellen Kompetenzprofils hinaus – mehr für sich im Kurs erreichen als zuvor beabsichtigt: Die Auseinandersetzung mit den soziobiografischen Bedingungen der Professionalisierung der befragten Hochschullehrer regte im Profi- Kurs eine biografische Bilanzierung bis hin zur Neuorientierung der eigenen berufsbiografischen Schwerpunktsetzung an. Neben diesen „Mobilisierungsprozessen“ förderte der Profi-Kurs im Besonderen auch die diskursive Produktion von Expertenwissen.

Schlussfolgerungen: Um wissenschaftlichen Nachwuchs in der Allgemeinmedizin zu fördern, müssen neue Wege gefunden werden, um den Nachwuchs insbesondere bei der Bewältigung des Spagats zwischen Praxis und Hochschule bei gleichzeitiger Vereinbarkeit mit dem Familienleben besser zu unterstützten. Die (sehr unterschiedlichen) Zielvorstellungen und Ergebniserwartungen der Teilnehmer an den Profi-Kurs als „Erfahrungsraum“ stellen eine Spannungsquelle dar, die den Kurserfolg (persönlich und als Gruppe) gefährden kann.

Ausgabe: 01/2012
Zuversicht? Einblicke in den hausärztlichen Versorgungsalltag in zwei ländlichen Gebieten NRWs
Vera Kalitzkus, Marcus Redaèlli, Paul Jansen, Iris Schluckebier, Stefan Wilm

Einführung: Die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung ist in ländlichen, strukturschwachen Gebieten Deutschlands bereits heute gefährdet (fehlender ärztlicher Nachwuchs, demografischer Wandel). Ziel dieser qualitativen Lokalstudie ist das Erkennen der konkreten Versorgungssituation und des Praxisalltags aus Sicht der beteiligten Akteure in zwei ländlichen Versorgungsregionen Nordrhein-Westfalens. Basierend auf Kenntnis der lokalen Gegebenheiten sollen bisher wenig diskutierte Lösungsmöglichkeiten zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung erkannt werden.

Material und Methode: Über strukturierte Telefoninterviews wurden die Versorgungsdaten von den Hausärzten erfragt. Anschließend erfolgte die Erhebung zur Sichtweise von an der gesundheitlichen Versorgung beteiligten Berufsgruppen über qualitative Interviews. Insgesamt wurden 14 Gespräche mit 16 Interviewpartnerinnen und -partnern geführt, darunter fünf der sieben in den beiden Regionen praktizierenden Hausärzte.

Ergebnisse: Die Hausärzte beider Regionen sehen die Sicherung der hausärztlichen Versorgung als bedroht, wenn der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklung nicht gegengesteuert wird. Kritisiert werden die ungenügende und unsichere Finanzierung und steigender Bürokratie- und Verwaltungsaufwand. Stark belastend wird auch die zunehmende Beschränkung hausärztlicher Handlungsspielräume gesehen, die einer Deprofessionalisierungstendenz gleichkommt. In den Interviews wird eine empfundene mangelnde Wertschätzung seitens des Gesundheitssystems respektive der Gesellschaft deutlich. Ihre Tätigkeit selbst schätzen die Hausärzte hingegen sehr positiv ein. Insbesondere die intensive Arzt-Patienten-Beziehung im hausärztlichen ländlichen Bereich sorgt für berufliche Zufriedenheit.

Schlussfolgerung: Unterschiedliche Kontextfaktoren zeigen sich bereits innerhalb eines regional eingeschränkten Kreises für die Versorgung der Patienten bedeutsam. Als zentral erweist sich das jeweilige professionelle Selbstverständnis, das sich entsprechend der neuen Formen der Kooperation wandeln muss. An der Basis zeigt sich die Notwendigkeit, eine Kultur des Dialogs zu schaffen, die sich jenseits der Professionsgrenzen um Konzepte einer patienten- und wohnortnahen Versorgung bemüht.

Ausbildung - Basic Medical Education
Ausgabe: 02/2012
Systematischer praktischer Unterricht führt zu mehr praktischer Kompetenz
Tina Stibane, Andrea Schönbauer, Andreas Jerrentrup, Thomas Pressel, Erika Baum, Stefan Bösner

Hintergrund: Aufgrund des Defizits an praktischer Ausbildung im Medizinstudium und den Anforderungen der Ärztlichen Approbationsordnung wurde der herkömmliche Untersuchungskurs der medizinischen Fakultät in Marburg reformiert. Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob die neu strukturierte Lehrveranstaltung hält, was von ihr erwartet wird: mehr praktische Kompetenz der Studierenden.

Methode: Zwischen Januar 2010 und Februar 2011 absolvierten Studierende eine praktische Prüfung (OSCE). Die Untersuchungsgruppe (N=226) aus dem ersten klinischen Studienjahr wurde direkt nach Absolvierung des reformierten Untersuchungskurses geprüft, die Vergleichsgruppe (N=76) aus dem dritten klinischen Studienjahr durchlief den Prüfungsparcours am Ende des Blockpraktikums Allgemeinmedizin und hatte im ersten klinischen Studienjahr den traditionellen U-Kurs absolviert. Es wurden Mittelwerte und Standardabweichungen erhoben.

Ergebnisse: Die Studierenden mit dem reformierten Untersuchungskurs erreichten bessere Leistungen (83,5%) in praktischen Fertigkeiten als die Vergleichsgruppe (65,2%).

Schlussfolgerung: Der neue Untersuchungskurs erfüllt die Erwartungen und wird den Anforderungen der Ärztlichen Approbationsordnung nach einer besseren praktischen Ausbildung eher gerecht als der herkömmliche Kurs. Auch zeigt sich tendenziell, dass er dem Lernen praktischer Kompetenzen in Famulaturen überlegen ist.

Buchbesprechungen - Book Reviews
Ausgabe: 01/2012
Praxis der Psychosomatischen Grundversorgung
Heinz-Harald Abholz

Die Autorin ist Hausärztin und psychotherapeutisch sowie in der Balint-Ausbildung tätig. Dies merkt man an den zahlreichen, sehr illustrativen, aus der Hausarztpraxis stammenden Beispielen, die das ganze Buch sehr gut lesbar machen.

DEGAM-Benefits - DEGAM Benefits
Ausgabe: 01/2012
Moderne Antidepressiva sind besser verträglich als alte – ein Märchen …

Welche Antwort hätten Sie auf die Frage parat, ob bei älteren Patienten die „alten“ trizyklischen Antidepressiva (TZA; auch als nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer bezeichnet) oder die „neuen“ selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) häufigere bzw. ernsthaftere Nebenwirkungen haben? Wahrscheinlich würden viele Leser/innen sagen, die SSRIs seien besser verträglich. Dass diese Vermutung nicht ganz spekulativ ist, leite ich aus den verfügbaren Empfehlungen ab.

Ausgabe: 01/2012
Protonenpumpeninhibitoren und Alendronat: Knochendichtewirkung reduziert!

Beim Thema Frakturen als unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) sollte man einen Blick auf eine offene Kohortenstudie aus Dänemark werfen. Die Autoren überprüften bei 38.088 Patienten, wie sich die Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPIs) auf die Wirksamkeit von neu verordnetem Alendronat auswirkte. Bei einer mittleren Nachverfolgungszeit von 3,5 Jahren ergab sich bei Personen, die (bei perfekter Compliance) Alendronat ohne PPIs bekamen, eine Verminderung des Frakturrisikos um 39%. Bei Einnahme von PPIs betrug die Reduktion nur 19%. Zwar „nur“ eine Beobachtungsstudie mit möglichen Verzerrungen, aber mit vielen Patienten und konsistente Ergebnisse mit ähnlichen UAW-Ergebnissen aus anderen Untersuchungen liegen vor.

Ausgabe: 01/2012
DEGAM-Benefits

Ausgabe: 01/2012
Barbara Starfield (†) und das amerikanische Gesundheitswesen

Barbara Starfield, die vor wenigen Wochen verstorbene Wissenschaftlerin (Johns Hopkins Universität, Baltimore/MD), die in vielen Büchern und Aufsätzen die Überlegenheit eines primärärztlichen über ein spezialistisches Gesundheitssystems zeigte, schrieb vor zehn Jahren im Journal of the American Medical Association (JAMA) ein Editorial mit dem Titel „

Ausgabe: 01/2012
COPD-Behandlung mit Corticosteroiden: Unerwünschte Wirkungen beachten!

Leitlinien zur Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) empfehlen für moderat bis stark ausgeprägte Krankheitsfälle den Einsatz von inhalierten Corticoiden in Verbindung mit langwirksamen Beta-2-Agonisten, um die Zahl der Exazerbationen zu verringern. Zu den systemischen Nebenwirkungen einer solchen Behandlung zählt das vermehrte Auftreten von Pneumonien.

Ausgabe: 01/2012
Früherkennung von Bronchialkarzinomen durch Massen-Screening?

Versuche einer Früherkennung von Bronchialkarzinomen durch Massen-Screening (z.B. Sputum-Zytologie oder Rö-Thorax) mit dem Ziel einer effektiveren Therapie sind bislang allesamt gescheitert. Aus den USA kommt jetzt eine Erfolgsmeldung.

Ausgabe: 01/2012
Arzneimittelzulassung in Frankreich: Nach Skandalen wackelt das System

Frankreich plant nach Aussagen seines Gesundheitsministers Xavier Bertrand eine „völlige Neustrukturierung“ seines Arzneimittelzulassungssystems. Die Maßnahmen stehen offenbar im Zusammenhang mit dem Skandal um die jahrelang fortgesetzte Vermarktung des Antidiabetikums

Ausgabe: 01/2012
Ibuprofen, Paracetamol oder beide zusammen?

Bringt es relevante Vorteile, wenn man hausärztliche Patienten mit chronischen Knieschmerzen statt mit Ibuprofen oder Paracetamol mit einer Kombination beider behandelt? Die Daten einer randomisierten Doppelblindstudie aus dem britischen Nottingham – lassen eine ziemlich eindeutige Antwort zu: Nein!

Ausgabe: 01/2012
282 Typhus-Tote in Hannover

„Sechs lange Tage floss im August letzten Jahres aus den Wasserhähnen Tausender Haushalte in Hannover eine penetrant stinkende Brühe. Sechs lange Tage scherte sich keine der staatlichen Stellen darum – selbst das Ricklinger Wasserwerk nicht, aus dessen Brunnen die Brühe kam. Erst als die Proteste lauter wurden, ging die Werksleitung der Sache auf den Grund. […] Das Ricklinger Wasserwerk reagierte sofort, überprüfte die Anlage und erhöhte den Chlorgehalt. Schon am folgenden Tag war das Wasser wieder sauber. Damit war für alle Beteiligten die Sache erledigt. Weder die Stadtverwaltung, noch der Oberbürgermeister, noch das Wasserwerk oder die Gesundheitsbehörden hielten es für nötig, die Bevölkerung vor den möglichen Folgen zu warnen.

Ausgabe: 01/2012
Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut neu konstituiert

Die Mitglieder der neu zusammengesetzten Kommission (STIKO) sind einer Erwähnung wert. Darunter befinden sich nämlich unsere Kolleg/innen

DEGAM-Nachrichten - DEGAM-News
Ausgabe: 01/2012
Bewerbungsfrist für DEGAM-Nachwuchsakademie verlängert

Das Ende der Bewerbungsfrist für die neu gegründete DEGAM-Nachwuchsakademie wird vom 15. auf den 31. Januar 2012 verlängert. Medizinstudierende ab dem 5. Semester haben so noch bis Ende Januar die Möglichkeit, ihre Bewerbungsunterlagen an die DEGAM-Bundesgeschäftsstelle in Frankfurt zu senden.

Ausgabe: 01/2012
Fachtagung zur „Verbundweiterbildung plus“ in Baden-Württemberg: Wirksame Rezepte gegen den drohenden Hausärztemangel
Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi

Am 28. Februar 2012 wird in Heidelberg vorgestellt, wie in Baden-Württemberg in den letzten drei Jahren flächendeckend ein für Deutschland neues Programm entwickelt und umgesetzt wurde. Dem Beispiel Europäischer Nachbarländer wie Dänemark oder den Niederlanden folgend, aber doch eigene Akzente setzend, hat das Curriculum und die Verankerung der „Verbundweiterbildung plus“ bis in die kommunale Ebene hinein eine enorme Attraktivität bei jungen Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung. Fast 200 von ihnen nehmen inzwischen in 32 Klinikverbünden und zahlreichen Praxen daran teil. Und es werden kontinuierlich mehr. Weitere Informationen finden Sie unter