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Die Neue AO: Ein Bericht zum Medizinischen Sonder-Fakultätentag in Mainz am 24.10.2002

DOI: 10.1055/s-2003-37867

Die Neue AO: Ein Bericht zum Medizinischen Sonder-Fakultätentag in Mainz am 24.10.2002

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Approbationsordnung Die Neue AO: Ein Bericht zum Medizinischen Sonder-Fakultätentag in Mainz am 24. 10. 2002 Peter Helmich Zur Vorgeschichte Die ärztliche Ausbildung ist in der Bundesrepublik Deutschland durch eine 1970 verabschiedete ärztliche Approbationsordnung und die Bundesärzteordnung geregelt. Acht Novellierungen konnten zentrale Mängel nicht korrigieren, weil die Macht und die Reformunwilligkeit der Medizinischen Fakultäten eine eigentliche Reform der Ausbildung verhinderten. In den frühen 90er Jahren wurde von wenigen reformfreudigen Hochschullehrern ein Ausbildungskonzept erarbeitet, welches sich an bewährten, internationalen Reformaktivitäten orientierte (Murrhardter Kreis, gefördert von der Robert Bosch Stiftung). Eine 1996 vom Medizinischen Fakultätentag und der vom Bundesgesundheitsministerium eingerichteten Expertenkommission gestartete Initiative führte schließlich zu einem Entwurf einer AO, die wesentliche Elemente eines reformierten Studiums enthielt. 1997 wurde dieser Entwurf zwar von der Bundesregierung verabschiedet, aber die Länder verweigerten im Bundesrat viereinhalb Jahre ihre Zustimmung. Eine geplante Absenkung der Zahl der Studierenden um 20 % bei geforderten gleich hohen Zuwendungen erschien den Ländern nicht machbar. Ein jahrelang umkämpfter Kompromiss begrenzte schließlich die mögliche Absenkung der Studentenzahlen auf 10 %. Die wesentlichen Reforminhalte der neuen AO Am 26.04.2002 verabschiedete der Bundesrat als neunte Approbationsänderung die »Neue AO«, welche im Oktober 2003 rechtskräftig wird; im Frühjahr 2003 soll von jeder Fakultät eine neue Studienordnung vorliegen. Die wesentlichen Reforminhalte sind: Statt früher vier gibt es nur noch zwei Staatsprüfungen, die erste nach vier Semestern als Ende des ersten Studienabschnittes und eine zweite am Ende des zweiten Abschnittes nach weiteren sechs Semestern und dem Praktischen Jahr (PJ). Der AIP bleibt vorerst erhalten, soll jedoch abgeschafft werden, sobald die Reform wirksam geworden ist (2007–2009). Erster und zweiter Studienabschnitt werden fächerübergreifend gelehrt und inhaltlich verzahnt. Die traditionelle, schädliche Trennung von Vorklinik und Klinik soll aufgehoben werden; Theorie und Praxis sollen in direktem Zusammenhang stehen, die Theorie soll ärztliches Urteilen und Handeln erklären bzw. begründen. Lehre und Prüfungen sollen problemorientiertes Lernen induzieren; die Lehrgegenstände sollen an häufigen bzw. bedeutsamen Problemen der Patienten in Klinik und Praxis ärztliche Kompetenz aufbauen. Klinische Praktika werden mit einem Anteil von 20 % durch theoretische Seminare begleitet. Es wurden »verzahnende zwölf Querschnittsbereiche« vorgeschrieben als wichtige Ergänzungen zu den klinischen Kernfächern: Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik; Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin; Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem und öffentliche Gesundheitspflege; Infektiologie und Immunologie; Klinisch-pathologische Konferenzen; Klinische Umweltmedizin; Medizin des Alterns und des alten Menschen; Notfallmedizin; Klinische Pharmakologie und Pharmakotherapie; Prävention und Gesundheitsförderung; bildgebende Verfahren, Strahlentherapie und Strahlenschutz; Rehabilitation, physikalische Medizin und Naturheilverfahren. Neben 22 Kernfächern und einem Wahlfach müssen diese zwölf Querschnittsbereiche benotete Leistungsnachweise im zweiten Studienabschnitt abfordern. Ein vorrangiges Reformziel ist ein studienbegleitender und früher Patientenkontakt, insbesondere durch Einbeziehung der Kranken in Lehrkrankenhäusern Prof Dr. med. Peter Helmich Facharzt für Allgemeinmedizin Psychotherapie Burgwall 5, 41379 Brüggen 46 Z. Allg. Med. 2003; 79: 46–47. © Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart 2003 Approbationsordnung und zertifizierten ambulanten Arztpraxen. Es gibt 476 Stunden Unterricht am Krankenbett mit nur je drei Studierenden bei Untersuchungen von Patienten, sechs bei Patienten-Vorstellungen. Diese Gruppengrößen bilden das maßgebende Regulativ für die Aufnahmekapazität der einzelnen Fakultäten. Es werden Blockpraktika von ein- bis sechswöchiger Dauer für Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie und Allgemeinmedizin obligat gefordert. Ein verstärkter Praxisbezug wird auch deutlich, wenn das 48-wöchige »Praktische Jahr« bis zu 32 Wochen in ambulanten Arztpraxen absolviert werden kann. Die Multiple-Choice-Fragen wurden von bisher 870 auf 320 reduziert. Die schriftlichen Fragen sollen fächerübergreifend, problemorientiert und patientenbezogen formuliert werden. Dies verlangt vom IMPP in Mainz eine Neuorientierung in seiner Kooperation mit den Fakultäten. Jede Staatsprüfung beinhaltet zur Hälfte einen mündlichen Anteil. Bei Nicht-Bestehen ist nur die Wiederholung des schriftlichen oder mündlichen Prüfungsanteiles erforderlich, der nicht bestanden wurde, also nicht mehr die Gesamtprüfung. Die große Vorlesung wird selten, der Kleingruppenunterricht regelhaft. Als große Herausforderung für die Fakultäten gilt ihr Recht und ihre Pflicht zu studienbegleitenden eigenen Prüfungen während des zweiten Studienabschnittes. Die Benotungen aller Prüfungen werden für das Abschlusszeugnis dokumentiert, sind jedoch ohne Einfluss auf die Gesamtnote. Diese setzt sich zusammen aus: Einmal Note des ersten Studienabschnitts plus zweimal Note des zweiten Studienabschnitts dividiert durch drei. Hier kann die einzelne Fakultät wettbewerbswirksames Profil erarbeiten, indem sie Lernerfolg im Sinne neuer Lehre und Neuer AO nachweist. Die Evaluation der Lehre ist nach der AO obligate Aufgabe der Fakultäten. Umsetzung in die Praxis Der Sonder-Fakultätentag am 24.10. 2002 hat in den AObezogenen Kurzreferaten und deren Diskussionen deutlich gemacht, dass die Neue AO eine wesentlich größere Bedeutung für die Lehre einfordert, als dies bisher in den Fakultäten geschah. Der Präsident des MFT, Herr Prof. von Jago, hat in seinem Referat zur Bedeutung von Studiendekan und Studiendekanat dies unmissverständlich als einen aktuellen Handlungsbedarf dargestellt. Die Lehre sei als tragende Säule universitärer Tätigkeiten gleichrangig neben der Krankenversorgung und der Forschung zu etablieren. Ein wesentlicher Kritikpunkt am Reformwerk soll nicht unerwähnt bleiben: Die ersten vier Semester bis zur ersten Staatsprüfung (Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie, Physiologie) sollen zwar mit der Klinik »verzahnt« gelehrt werden, aber es gibt keine Maßgabe in der neuen AO, welche die inhaltliche Vorgaben für die mündlich-praktische erste Staatsprüfung darstellen. Das ist eine große Gefahr: Es droht eine Prägung der Studierenden während der ersten vier Semester im traditionellen Lernstil von Auswendiglernen von später abgefragten Fakten. Auch die Zuteilung von Lehrkontingenten für die vorklinischen Fächer ist abhängig von der individuellen Studienordnung. Es bleibt zu hoffen, dass die heute schon stattfindenden Reformaktivitäten an mehreren medizinischen Fakultäten diese Gefahr bewusst gemacht haben und die Fakultäten angemessen handeln lassen. BUCHTIPP Endokrinologie für die Praxis Herrmann, F., Müller P., 4. Auflage, Johann Ambrosius Barth-Verlag, 2002, 300 Seiten, 60 Abb., Euro 39,95 Äußerlich ist das Buch an das Format der bekannten Klinikleitfadenreihe angelehnt. Der Text ist jedoch konsequent nur schwarz-weiß gehalten. Insgesamt erinnert das Druckbild stark an die frühen Ausgaben des Lehrbuchs »Innere Medizin« von Herold und kann somit nicht den Anspruch erheben, ein zeitgemäßes Layout aufzuweisen. Dem Vorwort ist zu entnehmen, dass sich das Buch an den praktisch tätigen Arzt ohne endokrinologische Spezialkenntnisse wendet, dem die Möglichkeit gegeben werden soll, sich in kurzer Zeit über Symptome, Ursachen, diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu orientieren. In alphabetischer Reihenfolge werden hierzu Symptome und Krankheitsbilder äußerst knapp dargestellt. Eine Wertung der angegebenen diagnostischen Verfahren wird nicht gegeben, eine Einbettung in aktuelle Literatur im Sinne der »evidencebased medicine« fehlt völlig. Dabei gehen die Informationen nur in wenigen Fällen über das hinaus, was in klassischen Lehrbüchern der Inneren Medizin bereits vorhanden ist. Tipps für den Alltag sind ebenfalls rar gesät. Am Ende des Buches werden die diagnostischen Tests noch einmal bezüglich des praktischen Vorgehens dargestellt. Auch hier sind die Angaben kurz. Um die Anwendung, bzw. die Anwendbarkeit in der hausärztlichen Praxis besser beurteilen zu können, sind die Informationen nicht ausführlich genug. Abbildungen oder Flussdiagramme, die das Vorgehen schematisieren und vereinfachen würden, fehlen weitestgehend. So kann nur zusammengefasst werden, dass das Buch in seiner gegenwärtigen Form dem Anspruch des Vorwortes und des Titels nicht gerecht wird. Dr. T. Fischer, Göttingen Z. Allg. Med. 2003; 79: 46–47. © Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart 2003 47


(Stand: 01.01.2003)

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