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142.000 Notfallbesuche durch Antibiotika-Nebenwirkungen

Trotz aller wissenschaftlichen Belege, dass die Verordnung von Antibiotika für respiratorische Infekte so gut wie nutzlos ist, bleibt die Popularität dieser Arzneimittel ungebrochen. In den USA (europäische Ländern sind da keineswegs vorbildlicher) werden jährlich zwischen 59 % und 77 % aller ambulanter Patienten mit akuter Bronchitis antibiotisch behandelt. Kürzlich wurde aus der UK General Practice Research Database eine Analyse von 3,4 Millionen Konsultationen wegen Atemwegsinfekten in hausärztlichen Praxen pub-liziert: Mit der Ausnahme von sog. „chest-infections“, worunter wahrscheinlich auch Fälle von Pneumonie fallen, ergab sich, dass über 4.000 Patienten mit Antibiotika behandelt werden müssen, um bei einem eine Komplikation zu verhüten.

Amerikanische Wissenschaftler aus den zentralen Gesundheitsbehörden (CDC) in Atlanta haben jetzt eine erschreckende Bilanz der unerwünschten Wirkungen (UAW) von Antibiotika gezogen. Sie rechneten auf der Basis von 6.614 Fällen aus allen großen, im Lande verfügbaren Datenbanken die jährliche Zahl der Besuche in Notfallambulanzen wegen UAW hoch: Es sind nicht weniger als 142.505, 19,3 % aller solcher Notfallvisiten überhaupt. Auf 10.000 ambulante Antibiotikaverschreibungen kamen 10,5 Notfallbesuche.

Die Mehrheit der Fälle waren auf allergische Reaktionen zurückzuführen, die Hälfte aller Besuche wurden durch Penicilline und Cephalosporine verursacht. Bei den mittel- bis hochgradig gefährlichen UAWs waren Sulfonamide besonders prominent vertreten. Die errechneten Zahlen (die im Übrigen noch nicht einmal die ganze Wahrheit aufzeigen, da bekanntlich viele Patienten mit leichteren Nebenwirkungen gar nicht zum Arzt, geschweige denn in eine Notfallambulanz gehen) zeigen, dass die Risiken mit denen besonders gefährlich geltender Arzneimittel wie Antikoagulantien, Insulin oder Digitalisglykosiden vergleichbar sind.

Shehab N., et al.

Emergency department visits for antibiotic-associated adverse events.

Clin Infect Dis 2008; 47:735–43


(Stand: 08.06.2011)

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