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Hua TD et al. Orale Antikoagulation in der Hausarztpraxis. Z Allg Med 2010; 86: 382–389

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Leserbrief von Dr. med. Silke Brockmann

Danke für die Darstellung der Interaktionsproblematik von oralen Antikoagulantien.

Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass die erwähnten pflanzlichen Arzneimittel, bei denen mit einer Senkung des Wirkspiegels von Antikoagulantien zu rechnen ist (z. B. Johanniskrautextrakt) bzw. diese nicht auszuschliessen sind (z.B. Gingko- oder Ginsengextrakt) nicht nur per Selbstmedikation erhältlich sind, sondern auch ärztlich verordnet werden, da sie teilweise rezeptpflichtig sind.

In den Fachinformationen von Präparaten mit Phenprocoumon werden sowohl in Deutschland (Präparat Marcumar, Stand der Information April 2010, www.rote-liste.de) als auch in der Schweiz (Präparat Marcoumar, Stand der Information September 2008, www.kompendium.ch) Ärztinnen und Ärzte auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht:

„Bei Behandlung mit Hypericum-Extrakten wurde über Wirkungsverminderung und Reduktion der Plasma-Konzentration von oralen Antikoagulantien berichtet. Dies ist möglicherweise die Folge induzierter Wirkungen auf metabolisierende CP450-abhängige Enzyme. Bei oral antikoagulierten Patienten und Patientinnen ist, besonders zu Beginn und nach dem Absetzen einer Johanniskraut-Behandlung, engmaschig der Quickwert zu kontrollieren.“

Auch in den neueren Fachinformationen von Johanniskrautextrakten wird sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz auf dieses Problem aufmerksam gemacht. In der Rubrik Interaktionen heißt es z. B. in der Schweiz:

„Interaktionsdaten weisen einerseits auf eine Induktion des Cytochrom P450-Systems durch Johanniskraut-Extrakte (besonders CYP3A4), andererseits auf eine Induktion von Transportproteinen (P-Glycoprotein z. B. bei Digoxin) hin. Dies kann zu einer Abnahme der Plasmakonzentrationen und zu einer Abschwächung der therapeutischen Wirkung einer Reihe von komedizierten Arzneimitteln sowie – vor allem bei Substanzen mit einer geringen therapeutischen Breite – zu potenziell schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Plasmaspiegel und / oder Wirkung interagierender Arzneimittel – insbesondere solcher mit geringer therapeutischer Breite – sollten deshalb zu Beginn und am Ende einer Therapie sowie bei einer Dosisänderung des Johanniskraut-Präparates engmaschig kontrolliert und deren Dosierungen angepasst werden.

Umgekehrt kann es beim plötzlichen Absetzen von Johanniskraut-Präparaten zu einem Anstieg der Plasmakonzentration komedizierter Arzneimittel mit evtl. toxischen Wirkungen kommen. [...] Solche Wechselwirkungen betreffen insbesondere folgende Arzneimittel bzw. Arzneimittelgruppen: [...] Antikoagulanzien vom Cumarintyp (z. B. Acenocoumarol, Phenprocoumon, Warfarin). Bei gleichzeitiger Einnahme von oralen Antikoagulanzien vom Cumarintyp sollte die Serumkonzentration dieser Substanz regelmässig kontrolliert werden.“

[Präparat Solevita ® forte, Stand der Information Dezember 2009, www.kompendium.ch]

Oder: „Patienten, die orale Antikoagulantien einnehmen, dürfen nicht mit Johanniskraut behandelt werden, da es deren gerinnungshemmende Wirkung beeinträchtigt (Risiko von Thromboembolien).“ (Präparat Remotiv®, Stand der Information Februar 2009, www.kompendium.ch)

Es ist wünschenswert, dass bei der (haus-)ärztlichen Medikamentenanamnese nicht nur die selbstgekauften Präparate sondern auch die andernorts (z.B. durch Gynäkologen, Urologen, Neurologen, Psychiater usw.) verordneten Präparate erfasst werden.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Silke Brockmann

Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut

Clinical Reviewerin Bereich Zulassung

Hallerstrasse 7, CH-3000 Bern 9

Internet: www.swissmedic.ch

E-Mail: silke.brockmann@swissmedic.ch

Antwort von Dr. med. Thanh Duc Hua

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung zu unserem Fortbildungsartikel.

Wir bedanken uns für Ihre Hinweise. Unser Fortbildungsartikel ist ein narrativer Review. Wir weisen in unserem Artikel bereits auf die Interaktion zwischen Phenprocoumon und Johanniskraut-, Ginseng- und Ginko-Extrakt hin. Bei der Tabelle mit den Medikamenten, die die Wirkung von Phenprocoumon verstärken bzw. abschwächen handelt es sich nur um eine Übersichtstabelle. Dabei haben wir uns, nicht nur auf die „selbstgekauften Präparate“ beschränkt, sondern auch auf Präparate, die in der Neurologie, Psychiatrie, etc. verwendet werden.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Thanh Duc Hua

Abtleilung Allgemeinmedizin

Universitätsmedizin Göttingen

Humboldt-Allee 38, 37073 Göttingen

E-Mail: thanhduc.hua@med.uni-goettingen.de


(Stand: 14.01.2011)

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