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Ultraschalltherapie bei Fersensporn

FragestellungAntwort

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Simon Kostner

Ist die Ultraschalltherapie bei Fersensporn-Schmerzen wirksam?

Eine Therapie mit Ultraschallanwendungen ist bei Fersensporn laut bisheriger, sehr dürftiger Evidenz nicht wirksamer als eine Placebo-Therapie – wie zum Beispiel die simulierte Anwendung von Ultraschall.

Hintergrund

Fersensporn-Schmerzen sind ein sehr verbreitetes Leiden: 10 % der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens daran. Fersensporn erklärt 15 % der Fußbeschwerden, für die professionelle Hilfe gesucht wird, und Hauptmanifestationsalter ist das 40. bis 60. Lebensjahr [1]. Es trifft gleichermaßen sportliche wie körperlich inaktive Personen, bevorzugt betrifft es aber Personen, die übergewichtig sind, lange Zeit stehend verbringen oder eine Einschränkung der Knöchelbeugung aufweisen [2]. Es werden zahlreiche Behandlungen angewandt, deren Wirksamkeit zum Teil gut, zum Teil nur schlecht oder überhaupt nicht belegt ist: Eispackungen, nichtsteroidale Antiphlogistika, Tape-Verbände, Schuheinlagen, Nachtschienen, Dehnungsübungen, Cortison-Infiltrationen, extrakorporale Stoßwellentherapie, Gipsbehandlung und chirurgische Eingriffe [2].

Suchbegriffe / Suchfrage (PICO = Population, Intervention, Comparison, Outcome)

Ist bei Patienten mit Fersenspornbeschwerden (P) die Therapie mit Ultraschallanwendungen (I) im Vergleich zu einer Placebo-Therapie (C) wirksam gegen die Schmerzen und die Einschränkung der Lebensqualität (O) ?

Suchstrategie

Es wurde in den schottischen (SIGN), den neuseeländischen (NZGG), den englischen (National Institute for Health and Clinical Excellence NICE; Arthritis Research Campaign ARC), den amerikanischen (Institute for Clinical Systems Integration ICSI; National Guideline Clearinghouse NGC), den deutschen (AWMF) und italienischen (PNLG) Leitlinien gesucht. Dann wurden die Datenbanken Clinical Evidence, Cochrane Library und Infomed durchsucht. Schließlich wurde auch nach Originalstudien in Embase und in Medline gesucht. Mit der Kombination der freien Begriffe „heel pain ultrasound therapy“ und ohne Zeiteinschränkung finden sich in Embase 21 Treffer, mit denselben Bedingungen in Medline 27 Treffer.

Ergebnisse

  • In den durchgesehenen Leitlinien wurden keinerlei Hinweise auf eine etwaig vorhandene oder fehlende Wirksamkeit einer Ultraschalltherapie beim Fersensporn gefunden. Nur in der englischen „Practical advice“ der Arthritis Research Campaign (arc) [5] wird auf die Studie von Crawford und Snaith von 1996 [3] hingewiesen, in der die Ultraschalltherapie nicht wirksamer als eine simulierte Ultraschalltherapie (= Placebo) war.
  • Auf allein diese Studie [3] weisen auch Clinical Evidence und Cochrane Library hin.
  • Diese Studie von Crawford und Snaith aus dem Jahr 1996 [3] bleibt also die einzige placebokontrollierte randomisierte Studie über die Ultraschalltherapie bei Fersenspornschmerzen, mit einer sehr eingeschränkten Aussagekraft infolge der geringen Zahl von nur 19 Probanden. Dennoch findet sich in dieser einzigen Studie ein negatives Ergebnis in Bezug einer Wirksamkeit.
  • Allerdings wird in einer randomisierten – aber eben nicht placebokontrollierten – Studie von 2007 mit 40 Patienten [4] gezeigt, dass die alleinige Ultraschalltherapie und jene mit Phonophorese beide eine signifikante Verbesserung des Schmerzes im Zeitverlauf erbringen. Allerdings gibt es keinerlei Vergleichsgruppe ohne Behandlung oder mit Placebo, sodass man keine Aussage über die Wirksamkeit der Therapien treffen kann.

Kommentar

Es existiert nur eine einzige, sehr kleine placebokontrollierte Studie von 1996. Dazu liegt eine neuere, randomisierte aber nicht placebokontrollierte Studie zusätzlich vor. Daher ist die Studien-lage sehr dürftig. Wollte man zum jetzigen Zeitpunkt eine Empfehlung geben, dann müsste man sagen: Wir wissen es nicht, ob es hilft. In „verzweifelten Fällen“ sollte man es versuchen, da es keine Nebenwirkungen – also Schaden – hat.

Simon Kostner

Quellen

1. Irving DB, Cook JL, Menz HB. Factors associated with chronic plantar heel pain: a systematic review. J Sci Med Sport. 2006 May; 9(1-2): 11–22; discussion 23–4. Epub 2006 Apr 3. Review

2. Cole C, Seto C, Gazewood J. Plantar fasciitis: evidence-based review of diagnosis and therapy. Am Fam Physician. 2005 Dec 1; 72(11): 2237–42. Review

3. Crawford F, Snaith M. How effective is therapeutic ultrasound in the treatment of heel pain? Ann Rheum Dis 1996; 55: 265–7

4. Jasiak-Tyrkalska B, Jaworek J, Fra?czuk B. Efficacy of two different physiotherapeutic procedures in comprehensive therapy of plantar calcaneal spur. Fizjoter. Pol. 2007, 7(2): 145–154

5. Ross D. Plantar Fasciitis and Heel Pain. Arthritis Research Campaign (arc). 2004. www.arthritisresearchuk.org/files/6522_05032010141954.pdf (abgerufen 02.10.2010)

6. Crawford F, Thomson C. Interventions for treating plantar heel pain (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 4, 2006. Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd

7. Crawford F, Thomson C. Interventions for treating plantar heel pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008 Issue 2 The Cochrane Collaboration.

DOI: 10.1002/14651858.CD000416


(Stand: 29.05.2015)

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