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Laser gegen Haarausfall

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Nina Enthaler

Frage

Führt eine Low-level-Laser-Therapie bei einem androgenen Effluvium zu einer Steigerung der Haardichte?

Antwort

Für die Wirksamkeit einer Behandlung der androgenetischen Alopezie gibt es lediglich Studien niedriger Validität. Die einzige randomisiert kontrollierte Studie, gesponsert von der Herstellerfirma, zeigt ein positives Ergebnis für den Laser. Die Validität dieser Aussage ist aber aufgrund von methodischen Mängeln stark eingeschränkt. Die Anwendung von Laser wird in den Leitlinien nicht empfohlen.

Hintergrund

Klagen Patienten über Haarausfall, handelt es sich in den meisten Fällen um die androgenetische Alopezie. Sie kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen und weist typische Haarausfallmuster auf. Ursache ist vermutlich eine erhöhte Sensitivität der Haarfollikel auf Dihydrotestosteron, was die Wachstumsphase des Haares verkürzt. Dies führt dazu, dass anstatt Terminalhaar (kräftig, vollständig pigmentiert) Vellushaar (Flaumhaar) wächst. Es gibt sehr viele Produkte und Therapien, die als Haarwuchsmittel beworben werden. Auch Low-level-Laser (niedrig-frequenter Laser) fällt darunter. Als Nebenwirkung der Haarentfernung mittels Laser fiel bereits in den 60er Jahren auf, dass Laser bei manchen Patienten zu einer Hypertrichose führt. So entstand die Idee, Lasertechnologie für die Behandlung der Alopezie einzusetzen [1, 2].

Studienlage

Es gibt nur eine einzige doppelblinde, randomisiert kontrollierte Studie, die von einem Lasergeräte-Hersteller in Auftrag gegeben wurde [3]. Bei 110 Männern mit androgenetischem Haarausfall zeigten sich nach sechs Monaten ein signifikanter Anstieg der Haardichte und eine Verbesserung der subjektiven Einschätzung des Haarwuchses unter der Laserbehandlung im Vergleich zur Anwendung einer Scheinintervention. Die Ergebnisse sind jedoch wenig belastbar, da die Art der Randomisierung nicht berichtet wurde und zehn Patienten der Interventionsgruppe und ein Patient der Kontrollgruppe ohne Angabe von Gründen nicht in die endgültige Analyse miteingeschlossen wurden. Die Herstellerfirma wirbt damit, dass sie als einzige ein Gerät anbietet, das von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen ist. Diese Zulassung sagt aber lediglich aus, dass das Gerät sicher ist, aber nicht, dass es auch wirksam ist [4].

Eine zweite Studie, eine unkontrollierte Interventionsstudie eines anderen Lasergeräte-Herstellers, zeigte anhand von 35 Personen mit androgenetischem Haarausfall eine Steigerung der Haardichte um 93,5 % und der Reißfestigkeit des Haares um 78,9 % [5]. Da keine Kontrollgruppe vorlag, ist die Validität jedoch stark eingeschränkt.

Eine andere unkontrollierte Studie aus dem Jahr 2008 mit nur sieben Patienten zeigte keine signifikanten Unterschiede vor oder nach einer 3–6 Monate langen Therapie mit Low-level-Laser [6]. Es ist jedoch anzunehmen, dass ein signifikantes Ergebnis mit dieser kleinen Patientenzahl von vornherein nicht zu erreichen war.

Praxisrelevanz

Für die Behandlung der androgenetischen Alopezie gibt es lediglich Studien niedriger Validität. Die einzige randomisiert kontrollierte Studie, gesponsert von der Herstellerfirma, zeigt ein positives Ergebnis für den Laser. Die Validität dieser Aussage ist aber aufgrund von schweren methodischen Mängeln der Studie stark eingeschränkt. Es bedarf qualitativ hochwertiger Studien, um dieses Ergebnis zu bestätigen oder zu entkräften und somit eine Empfehlung für oder gegen die Anwendung von Laser bei androgenetischer Alopezie abgeben zu können. In evidenzbasierten Leitlinien wird die Anwendung von Laser in dieser Indikation nicht empfohlen [1, 7, 8].

Es gibt zwei medikamentöse Therapien, für die es positive Studienergebnisse gibt und die auch von Leitlinien empfohlen werden: Finasterid, ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, nur für Männer empfohlen (bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert) und lokales Minoxidil als Lösung oder Schaum, das bei Männern und Frauen angewendet werden kann [1, 4].

Rechercheservice Evidenzbasierte

Medizin, PMU Salzburg

Stand der Recherche: Juli 2012

Literatur

1. Blumeyer A, Tosti A, Messenger A, Reygagne P, Del M, V, Spuls PI, et al. Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men. J Dtsch Dermatol Ges 2011; 9 Suppl 6: S1–57

2. Rangwala S, Rashid M. Alopecia: A review of laser and light therapies . Dermatology Online Journal 2012; 18: 3

3. Leavitt M, Charles G, Heyman E, Michaels D. HairMax LaserComb laser phototherapy device in the treatment of male androgenetic alopecia: A randomized, double-blind, sham device-controlled, multicentre trial. Clin Drug Investig 2009; 29: 283–92

4. Rogers NE, Avram MR. Medical treatments for male and female pattern hair loss. J Am Acad Dermatol 2008; 59: 547–66

5. Santino JL, Markou M. Hair Regrowth and Increased Hair Tensile Strength Using the HairMax LaserComb for Low-Level Laser Therapy. International Journal of Cosmetic Surgery and Aesthetic Dermatology 2003; 5: 113–7

6. Avram MR, Rogers NE. The use of low-level light for hair growth: part I. J Cosmet Laser Ther 2009; 11: 110–7

7. Rabady S, Sönnichsen A (Hrsg). EbM-Guidelines. Köln, Deutscher Ärzte-Verlag, 2011

8. Tsuboi R, Itami S, Inui S, Ueki R, Katsuoka K, Kurata S, et al. Guidelines for the management of androgenetic alopecia (2010). J Dermatol 2012; 39: 113–20


(Stand: 11.01.2013)

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