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Behandlung der Gicht

DOI: 10.3238/zfa.2014.0007-0012

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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Horst Prautzsch, Bettina Engel

Hintergrund

In der Regel wird die Gicht, welche mit einer Prävalenz von 1–2 % ein häufiges Krankheitsbild in der westlichen Bevölkerung darstellt, durch Hausärzte behandelt und nur bei untypischen Verläufen zum Rheumatologen überwiesen.

Eine deutschsprachige Leitlinie zur Behandlung der Gicht fehlte bisher. Die derzeit verfügbaren Leitlinien wurden von zumeist nicht hausärztlichen Fachgesellschaften in englischer Sprache formuliert.

Daher initiierte die ständige Leitlinien-Kommission (SLK) der DEGAM die Erstellung einer S1-Handlungsempfehlung zur Diagnostik und Therapie der Gicht.

Da sich die Behandlungsansätze des akuten Gichtanfalles und die Prophylaxe von zukünftigen Gichtanfällen grundsätzlich unterscheiden, wurde die Handlungsempfehlung in zwei Teile aufgeteilt: „Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung“ und „Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung“.

Methodik

Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche über die Datenbanken Medline, Cochrane Library, Google Scholar, Embase, CINAHL (Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature). Außerdem wurden die bekannten Leitlinien-Datenbanken auf bereits formulierte Leitlinien durchsucht.

In den genannten Datenbanken wurde mit folgenden Suchbegriffen gesucht: gout, acute gout, management, therapy, hyperuricaemia, guideline, Gicht, Gichtanfall, akute Gicht, Management, Therapie, Leitlinie. Die Suche erfolgte bis Juni 2013. Aus insgesamt 262 potenziell relevanten Ergebnissen wurden 58 relevante Artikel (Reviews, RCts, CTs und Beobachtungsstudien) ausgewählt. Insgesamt konnten wir feststellen, dass es nur wenige randomisierte kontrollierte Studien zur Behandlung der Gicht und Hyperurikämie gibt.

Die S1-Handlungsempfehlungen weisen keine Empfehlungsstärken aus. Die Empfehlungen wären meist mit dem Grad B oder C (nach AWMF) bzw. relativ niedrigem Evidenzniveau versehen worden.

Ergebnisse

Akute Gicht

Die Handlungsempfehlung zum akuten Gichtanfall in der hausärztlichen Versorgung bietet evidenzbasierte zeit- und kostensparende Hilfestellung bei Diagnose und Therapie. Röntgen, Laboruntersuchungen oder Gelenkpunktionen werden zur Diagnose eines Gichtanfalls nicht empfohlen [1]. Die Hochdosistherapie mit Kolchizin wird nicht mehr empfohlen [2]. Eine harnsäuresenkende Therapie sollte während mindestens 14 Tagen nach einem Gichtanfall nicht begonnen oder verändert werden [3].

Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht

Die Handlungsempfehlung zu häufigen Gichtanfällen und zur Chronischen Gicht ist eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe insbesondere bei der Frage, welches Medikament wann empfohlen werden sollte. Unter anderem wird erwähnt, dass eine Therapie der asymptomatischen Hyperurikämie nicht erforderlich ist [4]. Ebenso ist die Tatsache, dass die Hyperurikämie als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen weitgehend ausgeschlossen werden konnte [5, 6], Gegenstand des besonderen Interesses bei Referaten der Autoren über die Leitlinien.

Patienteninformation Gicht

Lebensgewohnheiten der überwiegend männlichen Patienten spielen eine große Rolle bei der Entstehung der Gicht. Zur evidenzbasierten Information Betroffener wurde von den beiden Autoren zusammen mit den beiden S1-Handlungsempfehlungen eine zweiseitige Patienteninformation entwickelt, die bereits inhaltlich und vom Layout in der SLK konsentiert wurde. Sie befindet sich derzeit im Praxistest und kann zu diesem Zweck bei den Autoren angefordert werden. Sie wird danach baldmöglichst als Download auf der SLK-Homepage zur Verfügung gestellt werden.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Bettina Engel

Institut für Hausarztmedizin

Universitätsklinik Bonn

Sigmund-Freud-Str. 25, 23127 Bonn

bettina.engel@ukb.uni-bonn.de

Literatur

1. Janssens HJ, Freansen J, van de Lisdon EH, van Riel PL, van Weel C, Janssen M. A diagnostic rule for acute gouty arthritis in primary care without joint fluid analysis. Arch Intern Med 2010; 170; 1120–1126

2. Terkeltaub RA, Furst DE, Bennett K, Kook KA, Crockett RS, Davis MW. High versus low dosing of oral colchicine for early acute gout flare. Arthritis Rheum 2010; 62: 1060–1068

3. Khanna D, Fitzgerald JD, Khanna PP, et al. 2012 American College of Rheumatology Guidelines for Management of Gout. Part 1: Systematic nonpharmacologic and pharmacologic therapeutic approaches to hyperuricemia. Arthritis Care & Research 2012; 64: 1431–1446

4. Zhang W, Doherty M, Bardin T, et. al. EULAR evidence based recommendations for gout. Part II: Management. Report of a task force of the EULAR Standing Committee For International Clinical Studies Including Therapeutics (ESCISIT). Ann Rheum Dis 2006; 65: 1312–1324

5. Culleton BF, Larson MG, Kannel WB, Levy D. Serum Uric Acid and Risk for Cardiovascular Disease and Death: the Framingham Heart Study. Ann Intern Med 1999; 131: 7–13

6. Gelber AC, Klag MJ, Mead LA, et. al. Gout and risk for subsequent coronary heart disease. The Meharry-Hopkins Study. Arch Intern Med 1997; 157: 1436–1440

1 Institut für Hausarztmedizin, Universität Bonn

2 Niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin und Lehrbeauftragter der Universität Tübingen

DOI 10.3238/zfa.2014.0007–0012


(Stand: 16.01.2014)

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