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Ad multos annos: Die ZFA am Beginn der zehnten Dekade

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Michael M. Kochen

Dass die ZFA schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist wahrscheinlich nur wenigen Leserinnen und Lesern geläufig. Das 1924 unter dem Namen „Der Landarzt“ gegründete Blatt wurde ab 1976 als Zeitschrift für Allgemeinmedizin vom damals noch unabhängigen (1980 von Thieme gekauften) Hippokrates-Verlag herausgegeben. Die ZFA wechselte – nach einer firmeninternen „Rotation“ – erst 2004 zu Thieme.

Aufgrund eines kritischen Artikels über ACE-Hemmer und Sartane (von Wilhelm Niebling und mir) wurde die Augustausgabe 2006 der ZFA eingestampft und ohne den Text neu gedruckt. „Leider“ hatte der Verlag nicht bemerkt, dass die Inhaltsangabe der neu produzierten Nummer unverändert geblieben war und nach wie vor den entfernten Text anzeigte. Die Publizität dieses Zensur-Skandals erreichte damals nicht nur die seriösen Zeitungen und Magazine – sie schaffte es sogar bis in das 2014 erschienene Buch von Peter C. Gøtzsche „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ (Besprechung von Joachim Seffrin in der Februar-Ausgabe der ZFA).

Nach der Kündigung durch den Thieme-Verlag 2008 erwarb die DEGAM den Titel und wechselte 2009 zum Deutschen Ärzteverlag (DÄV). Mit der vorliegenden Januar-Ausgabe beginnt das siebte Jahr im DÄV und die zehnte Dekade einer im wahrsten Sinne des Wortes erlebnisreichen Existenz.

Die DEGAM ist inzwischen nicht mehr der alleinige Herausgeber (die Gesellschaft der Hochschullehrer GHA war schon immer mit dabei). Seit 2009 sind Landesverbände unseres Nachbarlandes Österreich (und seit fast drei Jahren auch Italiens) mit im Boot:

  • Den Anfang machte die Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM),
  • gefolgt von der Südtiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SüGAM),
  • der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin (TGAM)
  • und zuletzt der Vorarlberger Gesellschaft für Allgemeinmedizin (VGAM).

Von den fünf gleichberechtigten Herausgeber/innen führt einer die Geschäfte, managt das Gutachtenverfahren und übernimmt die Schlussbearbeitung der Texte (technical editing). Entscheidungen über die Einleitung eines Peer Reviews oder die Ablehnung einer Arbeit werden mit einfacher Mehrheit gefällt.

Im Laufe der Zeit erreichen uns immer wieder Fragen zur ZFA und dieses Editorial bietet eine gute Gelegenheit, einige Antworten nochmals zusammenzufassen.

Sind die Texte in der ZFA für jedermann frei verfügbar („

open access

“)?

Alle Artikel sind sechs Monate nach Erscheinen frei im Internet verfügbar.

Welche Texte können in der ZFA publiziert werden?

  • Originalarbeiten (Ergebnisse empirischer Forschung; auch Metaanalysen)
  • Übersichtsarbeiten (Fortbildung)
  • Systematic Reviews/Metaanalysen
  • Fallberichte
  • „Der besondere Artikel“ (z.B. Berichte aus anderen Ländern; Modellprojekte der Versorgung; Konzeptpapiere; Texte über andere [nicht genuin hausärztliche] Themen)
  • Kommentare/Meinungen
  • Leserbriefe
  • Buchbesprechungen

Wo kann man die Anleitungen für Autoren und Gutachter nachlesen?

Unter www.online-zfa.de/page/Autorenrichtlinien/22. In den Autorenanleitungen findet man auch Hinweise auf frei verfügbare Datenbanken und internationale Empfehlungen für die Erstellung verschiedener Artikel-Rubriken.

NB: Die obligate Lektüre dieser Anleitungen kann einem Autor (oder Gutachter) allerdings niemand abnehmen. Das amerikanische Fachblatt Obstetrics and Gynecology platzierte vor 18 Jahren am Ende eines kurzen Textes für Gutachter die Anmerkung „Wer sich nach dem Lesen des Kapitels bei uns meldet, erhält ein Geschenk im Werte von 20 USD“. Die Antwortrate betrug magere 17% ...

In welchen Indices ist die ZFA gelistet?

  • In den Datenbanken EMBASE, Scopus and CCMED/MEDPILOT.
  • Noch nicht gelistet sind wir in Medline/PubMed und Science Citation Index (letzterer vergibt die berüchtigten Impact-Faktoren).
  • In Medline war die ZFA bis zum Jahre 1984; danach wurde die Listung vom Thieme-Verlag (vermutlich aus finanziellen Gründen) beendet.
  • Wir bemühen uns konstant um die noch ausstehenden Indexierungen und teilen hier das Schicksal z.B. unserer niederländischen Schwesterzeitschrift „Huisarts en Wetenschapen“. Die amerikanischen Datenbanken haben allerdings kein großes Interesse an deutschsprachigen, hausärztlichen Zeitschriften.

Wie viele der eingereichten Arbeiten werden abgelehnt?

Seit 2009 beträgt die Ablehnungsquote 19,33 %; knapp ein Drittel dieser Arbeiten wurde nach dem Gutachten und vor einer endgültigen Entscheidung zurückgezogen.

Wie lange dauert es von der Ersteinreichung bis zur Annahme/Ablehnung?

Die Abbildung 1 zeigt alle Einreichungen des Jahres 2014 (bis zum 28.12.14; N = 77) inkl. aller Leserbriefe, SGAM-Nachrichten, kurzer Kongressberichte und Rezensionen, die ohne Begutachtung angenommen wurden.

In der Abbildung 2 wurden nur die Manuskripte gezählt, die ins Peer Review gegangen sind (N = 47). Nicht gezählt wurden die oben aufgeführten Textsorten und die Arbeiten, die vor Begutachtung bereits abgelehnt wurden.

Was wünschen wir uns für die Zukunft?

  • Mehr Originalarbeiten (Definition s.o.)
  • Mehr Fortbildungstexte (trauen Sie sich! Wir helfen mit Rat und Tat, falls gewünscht.)
  • Bleiben Sie uns mit Ihrem solidarischen, oft auch kritischen Beistand gewogen.

Herzlich

Ihr

Abbildungen:

Abbildung 1 Alle Einreichungen an die ZFA 2014 (Stand: 28.12.14)

Abbildung 2 Alle Einreichungen an die ZFA 2014 (Stand 28.12.14), die im Peer Review begutachtet wurden


(Stand: 16.01.2015)

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