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Niederlassung? Vielleicht, aber ich hätte da noch so viele Fragen …

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Mit Grauen erinnert sich Claudia Kahle an die Zeit rund um ihre Niederlassung: „Ich fühlte mich allein gelassen, musste mir alle Informationen mühsam zusammensuchen. Die Unterstützung durch Ärztekammer oder Kassenärztliche Vereinigung war unvollständig und beantwortete nicht meine drängendsten Fragen.“ Ähnliches erlebte auch Sabine Frohnes: „Da ich die Praxis meiner Mutter übernahm, konnte diese mir vieles erläutern, aber ich hätte mir mehr Informationen von Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Lebenssituationen gewünscht.“

Beide fanden solche kollegiale Unterstützung schließlich über die Vernetzung in der JADE*, dem Listserver** und ähnlichen Foren. Aus dem regelmäßigen Austausch von Informationen und Erfahrungen entstand über die letzten Jahre eine feste Gruppe von jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich intensiv mit verschiedenen Fragen rund um die Niederlassung beschäftigen.

Zwei von ihnen sind Ruben Bernau und Timo Schumacher. Sie hatten bereits während ihrer Weiterbildungszeit gemeinsam mit Hans-Michael Mühlenfeld, Weiterbilder und Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IhF) die inzwischen sehr erfolgreichen Seminare „Freude mit Formularen“ und „Freude mit Attesten“ entwickelt.

„Am Anfang trafen wir uns aus eigenem Antrieb“, berichtet Ruben Bernau. „Wir besuchten uns gegenseitig, um unsere Arbeitsweisen und Praxen kennenzulernen. Wir waren erstaunt, wie verschieden unsere Betriebe funktionierten. Gleichzeitig schlugen wir uns mit ähnlichen Problemen und Fragen herum.“ Die Gruppe fing an, die gesammelten Informationen und Checklisten zusammenzutragen, zu sichten und sortieren. „Ein riesiger Datenhaufen mit den wichtigsten Informationen, die uns allen die Niederlassung leichter gemacht hätten, war entstanden. Wir haben uns dann die Frage gestellt, wie wir diese wertvollen Informationen an andere niederlassungswillige Kolleginnen und Kollegen weiterreichen können.“

Forum Ärzte in Weiterbildung

2014 gründete der Deutsche Hausärzteverband das „Forum Ärzte in Weiterbildung“, bestehend aus jeweils einer Ärztin oder einem Arzt in Weiterbildung aus jedem Landesverband. So sollte dem hausärztlichen Nachwuchs eine starke Stimme innerhalb des Verbandes gegeben werden. Zweck und Aufgabe des Forums ist es insbesondere, die Rahmenbedingungen der Facharztweiterbildung zu verbessern. Gründungsmitglied und Sprecher des Forums, Gabriel Rogalli, erkannte zusammen mit Hans-Michael Mühlenfeld schnell die Chancen einer Zusammenarbeit. „Wie der Zufall es wollte, fuhren wir zusammen zur practica. Auf dieser Fahrt wurde die Idee einer bis dato einzigartigen Modulreihe geboren.“ So bekam die Gruppe im Deutschen Hausärzteverband einen organisatorischen Rahmen für ihre weitere Arbeit.

Sie begannen damit, Workshops im Modulcharakter zu entwerfen, in denen die wichtigsten Informationen rund um die Niederlassung kompakt und praxisnah vermittelt werden. Hierbei sollen alle Aspekte der Niederlassung abgedeckt werden – mit so unterschiedlichen Themen wie zum Beispiel „Nicht warten – starten! Praxisfinanzierung und Versicherungen“, „Das Genie beherrscht das Chaos – Praxisorganisation“, oder „Mein Team und ich – Personalführung“ und viele weitere. Ab 2016 werden die sogenannten „Werkzeugkasten“-Workshops über das IhF im Deutschen Hausärzteverband bundesweit angeboten.

„In vielen Bereichen gibt es kein richtig oder falsch, sondern jeder muss seinen eigenen Weg finden“, so Timo Schumacher aus Niedersachsen. „Wichtig war uns in der Arbeitsgruppe daher, dass die Vielfalt unserer Erfahrungen abgebildet wird. Daher referieren wir immer als Team.“ Die Mitglieder bringen verschiedenste Erfahrungen ein – sie leben und arbeiten mit Kindern oder ohne, in der Einzelpraxis oder in der BAG mit zwei oder drei Mitgliedern, in ländlichen Regionen oder in der Stadt, in verschiedenen Bundesländern etc. Gemeinsam ist ihnen die Begeisterung für die hausärztliche Arbeit. „Es ist mir wichtig, diese Begeisterung weiter zu geben und den jungen Kolleginnen und Kollegen die Angst vor der Niederlassung zu nehmen“, beschreibt Ruth Deecke ihre Motivation. Jana Husemann, die sich 2015 niedergelassen hat, ergänzt: „Hätte ich dieses Angebot nur schon vor der Niederlassung gehabt, es hätte mir viele Unsicherheiten erspart.“

Weitere Informationen werden in Kürze über die Webseite des Deutschen Hausärzteverbandes sowie des IhF zu erhalten sein, erster Termin 2016 ist der IhF-Kongress in Mannheim am 26./27.2. 2016.

*JADe: Junge Allgemeinmedizin Deutschland, ein bundesweiter Zusammenschluss von ÄiW, die sich auf regelmäßigen lokalen und bundesweiten Treffen, außerdem im Internet über ein Forum austauschen (www.jungeallgemeinmedizin.de). **Listserver Allgemeinmedizin: Eine Mailingliste der DEGAM, die dem kollegialen Austausch (nicht nur) zu fachlichen Themen dient (www.degam.de/allgemeinmed-listserver.html).


(Stand: 19.01.2016)

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