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Perspektive Nachwuchssicherung

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Joachim Schütz

Es ist aktuell eine der zentralen Fragen im deutschen Gesundheitswesen: Wie kann sichergestellt werden, dass es auch zukünftig genug Hausärzte gibt? Das Thema wird in Politik und Öffentlichkeit breit diskutiert und eine Reihe von Maßnahmen wurde bereits angestoßen oder umgesetzt. Ein zentrales Beispiel hierfür ist die Erhöhung der Vergütung für Ärzte in der ambulanten Weiterbildung sowie die Anhebung der Zahl an Förderstellen in der Allgemeinmedizin. Diese wichtigen Veränderungen wurden vom Gesetzgeber im Versorgungsstärkungsgesetz beschlossen und zeigen bereits Wirkung. So steigt die Zahl der Anerkennungen von Facharztbezeichnungen in der Allgemeinmedizin seit einigen Jahren langsam, aber kontinuierlich an. Diese Fortschritte sind wesentlich für die Sicherstellung des hausärztlichen Nachwuchses, sie sind aber kein Anlass, sich zufrieden zurückzulehnen. Vielmehr müssen wir uns nach wie vor die offenen Baustellen anschauen und dort verändern, umgestalten und fördern, wo es Probleme gibt.

Masterplan Medizinstudium 2020

Hier muss der Blick in Richtung Universitäten gehen. Denn noch immer entscheiden sich nur zehn Prozent der Absolventen für eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Das ist schlichtweg zu wenig, um den hohen Bedarf nach Hausärzten auch in Zukunft zu decken. Veränderungen müssen her. Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ wurde hier eine erste wichtige Reform angestoßen, die nun hoffentlich auch in den richtigen Ergebnissen mündet. Was kann man noch tun? Und wie kann man konkrete Maßnahmen direkt an den Universitäten umsetzen?

Stiftung Perspektive Hausarzt

Genau bei diesen Fragen setzt die „Stiftung Perspektive Hausarzt“ des Deutschen Hausärzteverbandes an. Sie entwickelt und fördert Projekte, mit dem übergeordneten Ziel, die flächendeckende hausärztliche Versorgung in Deutschland zu stärken und sicherzustellen. Dabei liegt ein wesentlicher Schwerpunkt der Stiftungsarbeit auf der Förderung von Studierenden. Hierbei geht es neben finanziellen Aspekten auch um ideelle: So werden Initiativen gefördert, bei denen Studierende die Gelegenheit haben, den Hausarztberuf kennenzulernen.

Begleitetes Studieren

Seit 1. Oktober setzt die Stiftung beispielsweise mit der Universitätsmedizin Mainz das Projekt „Mainzer Allgemeinmedizin – Begleitetes Studieren“ um. Ziel des Projektes ist es, dass Studierende bereits im Studium den Hausarztberuf in all seinen Facetten kennenlernen. Dazu werden die Medizinstudierenden während ihres Studiums begleitet und lernen den Hausarztberuf sowohl in der Praxis als auch in Theorieveranstaltungen kennen. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, in den Praxisalltag eng mit eingebunden zu werden und „eigene“ Patienten mitzubetreuen. Den Beruf des Hausarztes auf diese Weise kennenzulernen, ist von enormer Bedeutung, denn nur so können falsche Vorurteile – wie etwa, dass sich Hausärzte angeblich nur um Bagatellen kümmern – ausgeräumt und Interessen gefördert werden.

Stiftungsprojekt: „Praxismanagement“

Eine weitere Maßnahme muss es sein, die interessierten Studentinnen und Studenten über die fachlichen Kenntnisse hinaus auf den Berufsalltag vorzubereiten. Daher kreist ein weiteres wichtiges Stiftungsprojekt der „Perspektive Hausarzt“ mit der Universität Leipzig um das Thema „Praxismanagement“. Ziel ist es, durch die Etablierung des Wahlfaches „Betriebswirtschaft in der ärztlichen Praxis“ Studierenden die betriebswirtschaftlichen Grundlagen der Praxisführung nahezubringen. In diesem Zusammenhang haben die Studierenden auch die Möglichkeit, ihre Fragen rund um das Thema zu stellen und die erlernten Kenntnisse in Planspielen anzuwenden.

Bei der Entwicklung und Umsetzung dieser und anderer Projekte wird immer wieder deutlich, wie viele Lücken sich bei genauem Hinsehen auftun. Die Förderung gezielter Programme und Konzepte ist dabei ein wesentlicher Beitrag, um die hausärztliche Versorgung zu stärken. Klar ist aber auch: Die Stiftung kann mit ihren Projekten die Richtung vorgeben, den Weg muss das System alleine gehen.

Geschäftsführer und Justiziar des Deutschen Hausärzteverbandes, Geschäftsführer der Stiftung Perspektive Hausarzt


(Stand: 23.01.2017)

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