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Böttcher M, Steinhäuser J, Götz K. Das hausärztliche Gespräch – ein qualitativer Blick auf die Erlebniswelt von Arzt und Patient. Z Allg Med 2016; 92: 438–444

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Leserbrief von Dr. Thomas Steger

Was geschieht im hausärztlichen Gespräch?

Die Autoren untersuchten in einer interessanten qualitativen Untersuchung die Fragen, welche kommunikativen Handlungen von Hausärzten in Arzt-Patienten-Gespräche eingebracht werden und ob diese durch das Instrument MAS-Global D abgebildet werden können.

Dabei wird auf ärztlicher Seite die Kategorie „Professionalität“ als besonders wichtig erachtet. Sie wird definiert als eine „über Jahrzehnte trainierte“ Selbstkontrolle, die dazu führt, dass sehr emotionale Erlebnisse mit Patienten keinen Einfluss auf die nachfolgende Arbeit mit Patienten haben. Dieses Problem wird durch die nachfolgenden Zitate verdeutlich, in denen es darum geht, „… Ärger nicht in diesem Ausmaß zuzulassen (H10) ... oder Emotionen nicht von außen ran zu lassen bzw. gegenüber dem Patienten keine Emotionen zu haben (H6).“

Natürlich ist es wünschenswert, intensive unangenehme Emotionen zu vermeiden bzw. sich davon in der weiteren Arbeit nicht bestimmen zu lassen und sich dem nächsten Patienten wieder mit Interesse zuzuwenden. Es bleibt aber die Frage, wie dies praktisch gelingt. Hier findet sich im MAAS-Global-D neben anderem der wichtige Punkt „Aufgreifen von Emotionen“. Durch ein direktes Ansprechen kann man, wenn es gelingt, über das Gefühl sprechen und hat damit die Emotion ein Stück verarbeitet. Meiner Erfahrung nach ist es für viele Patienten nicht leicht, über Gefühle zu sprechen. Ich schlage vor, an dieser Stelle die Liste um einen Punkt zu erweitern: „das aktive Ansprechen von Verhaltensmustern“ (im Umgang mit Krankheit oder in der Beziehung zum Arzt). Das liegt oft näher am bewussten Erleben der Patienten als ein Gefühl. Über diese Technik ist es möglich, den Patienten eigene Beobachtungen mitzuteilen (gerade auch solche, die uns emotional selbst stark berühren) und darüber ins Gespräch zu kommen.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Thomas Steger

Sektion Allgemeinmedizin

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Magdeburger Straße 8

06112 Halle

Tel.: 0341 2326251

thomas.steger@medizin.uni-halle.de


(Stand: 23.01.2017)

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