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Blutdrucksenkung bei Diabetikern: ACE-Hemmer/Sartane anderen Medikamenten nicht überlegen

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Michael M. Kochen


Outcomes with renin angiotensin system (RAS) blockers compared with calcium channel blockers/diuretics/beta blockers in people with diabetes

Über 50 % aller Diabetiker leiden unter einer arteriellen Hypertonie, die aber nur bei der Hälfte dieser Patienten angemessen unter Kontrolle ist. Anfang 2016 publizierten zwei Autor/innen im BMJ einen Artikel, der sich mit der Hochdrucktherapie bei multimorbiden Patienten beschäftigte. Die Verfasser bezogen sich dabei auf die jeweils letzten Empfehlungen des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE).

Unter der Annahme, ACE-Hemmer bzw. Sartane (kurz Renin-Angiotensin- oder RAS-Hemmer) hätten neben ihrer blutdrucksenkenden auch noch eine spezifisch kardio- und nierenprotektive Wirkung, empfiehlt das NICE als Medikament der ersten Wahl bei (nicht-schwarzen) Patienten einen ACE-Hemmer, bei Unverträglichkeit ein Sartan (z.B. Losartan). Solche Ratschläge beschränken sich keineswegs auf das Vereinigte Königreich. Auch in anderen in anderen Ländern führen Leitlinien gleichlautende Empfehlungen auf.

Offizielle Statements renommierter Institutionen. Alles klar?

Nein, meint ein New Yorker Autorenteam einer Metaanalyse. ACE-Hemmer bzw. Sartane seien zur Blutdrucksenkung bei Diabetikern anderen Medikamenten (wie Betablockern, Diuretika oder Calciumantagonisten) in keiner Weise überlegen.

Die Verfasser durchsuchten die großen medizinischen Datenbanken PubMed, Embase und das Cochrane-Zentralregister. In die Metaanalyse eingeschlossen wurden 19 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 25.414 Patienten.

Bei keinem der gewählten Endpunkt-Kriterien

· Gesamtmortalität,

· kardiovaskulärer Tod,

· Myokardinfarkt,

· pektanginöse Beschwerden,

· Herzinsuffizienz,

· Revaskularisierung,

· terminale Niereninsuffizienz

gab es signifikante Unterschiede zwischen RAS-Hemmern und Diuretika, Calciumantagonisten oder Betablockern. Dies lässt sich in Abbildung 1 gut erfassen.

Das Studiendesign sah allerdings vor, dass nur solche Arbeiten aufgenommen wurden, in denen es um Vergleiche zwischen den verschiedenen Antihypertensiva ging. Damit waren alle placebokontrollierten Studien ausgeschlossen, deren Ergebnisse man theoretisch auch miteinander hätte vergleichen können. Zudem lehnten die Autoren eine Verdopplung des Serumkreatinins als zu weichen Surrogatmarker für eine terminale Niereninsuffizienz ab.

Wie auch immer man zu diesen methodischen Details stehen mag: Die Ergebnisse sind (was vielen von Ihnen bekannt sein dürfte) keineswegs ganz neu. Bereits vorher hatten

· die Europäischen Gesellschaften für Kardiologie und Hypertonie (2013; http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/34/28/2159.long)

· und der achte Bericht des US Joint National Committee on Prevention, Evaluation and Treatment of High Blood Pressure (2014; http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1791497)

empfohlen, Diabetiker ohne Bevorzugung eines bestimmten Medikamentes mit jeder der verfügbaren antihypertensiven Substanzen zu behandeln.

Bangalore S. Fakheri R, Toklu B, Messerli FH. Diabetes mellitus as a compelling indication for use of renin angiotensin system blockers: systematic review and meta-analysis of randomized trials. BMJ 2016; 352: i438. Frei verfügbar unter: www.bmj.com/content/352/bmj.i438


(Stand: 26.01.2018)

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