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Diethard Sturm ist tot

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Günther Egidi


Dr. med. Diethard Sturm

Am 24. November 2017 starb Dr. med. Diethard Sturm nach langer Krankheit. Bereits einige Jahre zuvor hatte er sich krankheitsbedingt weitgehend aus der aktiven Vortrags-Tätigkeit zurückgezogen. Dabei war ihm die hausärztliche Fortbildung eine Herzensangelegenheit. Legendär waren seine – nicht immer ganz von der Festlegung auf eine bestimmte manualmedizinische Schule freien – Workshops bei der „Practica“ unter dem Label „Wirbelsturm“. Diethard Sturm war Gründungsmitglied des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IhF), in den Jahren von 2001–2005 Mitglied des Vorstandes des IHF und von 2005–2009 dessen Vorsitzender und von 1999–2007 stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

Diethard Sturm wurde am 25.08.1944 in Dresden geboren, studierte Medizin in Leipzig und Dresden und promovierte zum Thema „Verordnungsgewohnheiten bei Fachärzten für Allgemeinmedizin“. Von 1985 bis 1990 leitete er ein allgemeinmedizinisches Forschungsprojekt zu spezifischen Inhalten und zur Arbeitsweise in der Allgemeinmedizin. Nach der Wende ließ er sich ab 1991 in eigener Praxis nieder und praktizierte ab 2010 nur noch privatärztlich.

Meine erste Begegnung mit ihm war nicht ganz konfliktfrei: Im Jahr 2002 noch hatte Diethard Sturm in Bremen die auch von der Bremer Ärztekammer übernommene sächsische Diabetes-Leitlinie mit ihren Empfehlungen einer intensiven Senkung der Blutglukose in allen Alters- und Risikogruppen vertreten. Und im Jahr 2007 hatte ich beim IhF-Kongress in Mannheim das von Sturm mitentwickelte IhF-Fortbildungsmodul zum Thema Diabetes kritisiert, weil darin, von der Firma Roche finanziert, Werbung für eine Selbstkontrolle der Blutglukose bei allen Patienten mit Diabetes propagiert worden war. In den darauffolgenden Jahren kreuzten sich dann Diethard Sturms und meine Wege häufig beim Update Allgemeinmedizin auf Langeoog und in Bad Orb, und wir näherten uns zunehmend an. Ich lernte ihn als leidenschaftlichen Gärtner und Naturliebhaber kennen. Im Frühjahr 2015 trafen sich Mitglieder der DEGAM und des IhF am Rande des ersten IhF-Kongresses im thüringischen Oberhof, um eine non ihm erstellte Vorlage zu diskutieren, wie verschiedene Formen von Sponsoring hinsichtlich ihrer potenziellen Schädlichkeit für die Krankenversicherung und die einzelnen Patienten differenziert werden könnten. Diese Vorlage wurde nahezu unverändert im Oktober 2017 von der DEGAM als Positionspapier übernommen. Sturms Vorlage zeigte mir: Er hatte die in der DEGAM verbreitete kritische Einstellung zu einer Beeinflussung von Fortbildungsinhalten durch die Pharmaindustrie übernommen und nach einem praktikablen Weg zur Finanzierung von Fortbildungen unter Einhaltung dieser kritischen Grundhaltung gesucht. Nicht zuletzt hierfür, aber auch für seinen unermüdlichen Einsatz in der hausärztlichen Fortbildung sowie in der Bekämpfung onkologischer und zuletzt die Erkennung seltener Erkrankungen sei ihm gedankt. Sehr weitsichtig löste er sich, als er realisierte, wie krank er war, von seinen vielfältigen Ämtern und Aufgaben. Diese Fähigkeit, Verantwortung dafür zu übernehmen, für Kontinuität und Perspektive des eigenen Lebenswerks zu sorgen, fehlt Führungspersönlichkeiten nicht selten. Diethard Sturm hingegen hat das in Vollendung vorgelebt. Es ist traurig, dass er nicht mehr erleben kann, wie seine Ideen aufgenommen wurden und verbreitet werden.

Günther Egidi


(Stand: 29.01.2018)

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