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Beeinflussen Protonenpumpenhemmer COVID-19 ungünstig?

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Zusammenfassung

Risikofaktoren für eine erhöhte Mortalität bei COVID-19 sind unter anderem Alter, männliches Geschlecht, Diabetes, Malignome, Hypertonie, Herzerkrankungen, Adipositas und vorbekannter Hirnschlag. Die Langzeitanwendung von Protonenpumpenhemmern (PPI) ist assoziiert mit Lungenentzündungen, Nierenfunktionsstörungen, einem erhöhten Risiko für Magen-Darm-Infektionen und bezüglich Gesamtmortalität. In einer prospektiven, kontrollierten Kohortenstudie wurde der Effekt von PPI auf die Expression von Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2) sowie das COVID-19-Sterberisiko untersucht. Bei Personen unter PPI (aber ohne COVID-19) wurde im Vergleich zu Personen ohne PPI im Speichel eine signifikant höhere ACE2-mRNA-Expression gefunden. Anschliessend wurde bei 694 hospitalisierten Kranken mit COVID-19 (Durchschnittsalter 58 Jahre, 46 % männlich) die Mortalität mit und ohne vorbestehende PPI-Anwendung verglichen. Mit PPI lag sie bei 30 %, ohne PPI bei 12 % (Adjusted Odds Ratio 2,72, p < 0,001). 

Kommentar

ACE2 wird als möglicher Rezeptor für das Eindringen von SARS-CoV-2 in menschliche Zellen angesehen, und die Epithelzellen des Darms können als Replikationsorte für das Virus dienen. Ob schwere COVID-19-Verläufe wirklich mit einer erhöhten ACE2-Expression im Darm durch PPI zusammenhängen, vermag diese Studie anhand des Designs, der Durchführung, Inkohärenzen in der Darstellung und der kleinen Zahl der Untersuchten nicht zu beantworten. Da mehrere Beo­bachtungsstudien zu PPI und Empfindlichkeit gegenüber einer SARS-CoV2-Infektion bzw. schweren COVID-19-Verläufen mit teils widersprüchlichen Ergebnissen vorliegen, wurde auch bereits eine Meta-Analyse durchgeführt [1]. Aktuelle oder regelmässige PPI-Anwender hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe verglichen mit Personen ohne PPI. Das Risiko für eine Infektion war höher – aber statistisch nicht signifikant. Heterogene Ergebnisse wurden durch regionale Unterschiede erklärt. Obwohl spezifisch für die Schweiz keine Daten vorhanden sind, lässt sich im Sinn von Smarter Medicine [2] sagen: „Risiken und Nutzen einer Langzeit-Pharmakotherapie mit Protonen-Pumpenblockern sollen regelmässig mit den Behandelten diskutiert werden, weil Nebenwirkungen den Nutzen überwiegen können.“

Literatur

1. Li GF, An XX, Yu Y, et al. Do proton pump inhibitors influence SARS-CoV-2 related outcomes? A meta-analysis. Gut 2021; 70: 1806–1808

2. www.smartermedicine.ch/de/top-5- listen/ambulante-allgemeine-innere-medizin-2016.html


(Stand: 07.01.2022)

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