Loading...

ZFA-Logo

Die Erfindung von Krankheiten

DOI: 10.1055/s-2003-43441

Die Erfindung von Krankheiten

PDF

Editorial Die Erfindung von Krankheiten Momentan sind wir Zeuge von Neuschöpfungen Wie aber soll es dann zu einer Zunahme der Erbzw. Ausweitungen von Krankheitsbildern: Die krankung bei deutlich besseren Luftbedingunasymptomatische Herzinsuffizienz zum Beispiel. gen als in den 50er und 60er Jahren – und bei Keiner hat deren Behandlung und – was viel wichRückgang der Schadstoffbelastung in den Zigatiger ist – den Behandlungsnutzen bisher unterretten kommen? Die Antwort ist leicht, wenn sucht, wir aber sollen schon Vorman genau hinschaut, wie arguformen möglicher späterer Herzmentiert wird. Die Krankheit ist in insuffizienz behandeln. Ein weiteder Welt unter den führenden Erres Krankheitsbild, das momentan krankungen. Dort werden Zigaretfast alle Praxen erreicht, ist die ten verkauft, die hierzulande nicht chronisch obstruktive Lungenermehr verkäuflich wären, die Luftkrankung, COLD bzw. COPD. verschmutzung nimmt dort zu. Diese Erkrankung gehöre zu den Wir aber werden hier mit dem Arwichtigsten Erkrankungen, begument der Zunahme der Erkrantrachtet man ihre Zahl und Todeskung beworben! folgen. Sie nähme beständig zu – • Wir sollen die Krankheit früher so erfahren wir von Pharmavertreerkennen, um sie besser behantern oder in Artikeln – manche von deln zu können. Nur schaut man Univ. Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz uns staunend. Denn die älteren sich das an, was die Industrie, Direktor der Abteilung unter uns kennen sehr wohl diese was andere Werbeträger in Allgemeinmedizin Erkrankungen, haben aber über ihren Artikeln darstellen, so Heinrich-Heine-Universität die letzten 10 bis 20 Jahre gerade findet man bei allen wissenDüsseldorf Moorenstraße 5 deren Rückgang, nicht deren Zuschaftlichen Artikeln, dass es 40225 Düsseldorf nahme erlebt. keine Therapien gibt, die nachUnd dann der weitere Vorwurf: Die Ärzte würden weislich auf den Krankheitsverlauf Einfluss eine massive Unter-Behandlung betreiben. Ich nehmen – zumindest an klinischen Endpunkgehöre noch zu denjenigen, die viele derartige ten der Verschlechterung oder gar an MortaPatienten gesehen haben und deren hartes lität gemessen. Schicksal massiver Einschränkung durch Luftnot. • Das einzige, was nachweislich hilft, ist das AufTherapeutisch war dies nicht wesentlich beeinhören mit dem Rauchen und das Leben in flussbar; im Gegenteil: Es gab EBM-taugliche besseren Luftbedingungen. Dafür brauchen Studien über zahlreiche Therapien, die nicht wir aber keine Medikamente. nutzten. • Vielmehr wird uns angeboten, dass das, was Nun erscheint die Zunahme einer solchen Erkranwir vorher gelernt hatten, dass z. B. Cortison in kung aus mehreren Gründen völlig unwahrder Regel den Verlauf nicht beeinflusst und scheinlich. Und selbst wenn es so wäre, wenn wir dass Betamimetika, auch lang wirksame, sowie also frühe Formen dieser Erkrankung mit langem Antibiotika keinen Einfluss auf klinische EndKrankheitsverlauf (10 bis 20 Jahre) nicht erkenpunkte nehmen, nun ganz anders sein soll. nen würden, was ist damit verloren. Lassen wir uns nicht klein machen von den Was war bisher zum Krankheitsbild klar belegt Großen, die eigentlich keine Belege, nicht einmal und wird in der Fachliteratur auch heute – bei ge- Plausibilität für ihre Argumente haben. nauem Lesen – nicht bestritten: • Die Erkrankung ist ätiologisch im Wesentlichen durch Luftverschmutzung und Rauchen in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit bestimmt. Ihr Heinz-Harald Abholz Z. Allg. Med. 2003; 79: 471. © Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart 2003


(Stand: 10.10.2003)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.