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Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung für Sporttaucher

DOI: 10.1055/s-2007-985895

Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung für Sporttaucher

CME-Fortbildung CME 417 Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung für Sporttaucher Health Fitness Assessment for Recreational Diving J.-F. Chenot, A. Simmenroth-Nayda Zusammenfassung & Sporttauchen mit Pressluft?aschen ist keine besonders gefährliche Freizeitbeschäftigung, es stellt aber hohe Anforderungen an die physische und psychische Belastbarkeit. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung soll die Sicherheit beim Tauchen verbessern und insbesondere Erkrankungen der Lungen, des Herzens und der Ohren, die den Taucher gefährden können, ausschließen. Bei der Mehrheit der meist jüngeren Tauchfreunde sind keine medizinischen Gründe, die gegen das Tauchen sprechen, zu erwarten. Bei besonderen Vorerkrankungen sollte nur nach Rücksprache mit fachkundigen Kollegen die Tauchtauglichkeit bescheinigt werden. Einleitung & Tauchen mit Pressluft?aschen (engl. SCUBA-diving: self contained under-water breathing apparatus) ist ein beliebter Freizeitsport. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist Tauchen keine besonders gefährliche Freizeitbeschäftigung. Zuverlässige Daten zur Häu?gkeit von Tauchunfällen gibt es leider nicht. Zudem ist es schwer, Ertrinkungsunfälle von „echten“ Tauchunfällen abzugrenzen. Tauchunfälle werden von mehreren Organisationen erfasst und analysiert [1]. Sie sind in der Mehrheit auf Fehlverhalten oder Ausrüstungsmängel und nicht auf vorbestehende medizinische Probleme zurückzuführen [2]. Bisher gibt es im Sinne der evidenzbasierten Medizin keinen Beleg dafür, dass durch eine präventive medizinische Untersuchung Tauchunfälle vermieden werden können [3]. Die schottische Tauchvereinigung hat deshalb die ärztliche Untersuchung in 2000 durch einen Selbstauskunft-Fragebogen ersetzt. Nur Taucher, die eine der Screeningfragen mit Ja beantworteten, wurden medizinisch untersucht. In den 3 folgenden Jahren kam es zu keinen auf Vorerkrankungen basierenden Zwischenfällen [4]. In Deutschland wird eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung (TTU) als sinnvolle Maßnahme zur Unfallverhütung eingestuft. Hier greifen andere Kriterien als im kurativen Bereich für die Sinnhaftigkeit diagnostischer Tests: Insbesondere ist ein relativ schlechter positiver prädiktiver Wert (also eine hohe Zahl falsch positiver Ergebnisse) akzeptabel, da es sich um eine rein freiwillig ausgeübte Risikosportart handelt, und es deshalb im Sinne des nil nocere eher um einen hohen negativen prädiktiven Wert (nur sehr wenige falsch negative Resultate) der angewendeten Tests geht. So verlangen Tauchausbildungsorganisationen ( Tab. 1) und Tauchbasen neben dem Tauchschein (Brevet) eine TTU. Die TTU bei Sporttauchern ist eine individuelle Gesundheitsdienstleistung (IGEL), die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht getragen wird. Sie sind in der Mehrheit auf Fehlverhalten oder Ausrüstungsmängel und nicht auf vorbestehende medizinische Probleme zurückzuführen. Wer darf eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung ausstellen? & Für das Sporttauchen gibt es im Gegensatz zum Berufstauchen gegenwärtig keine gesetzlichen Regelungen (für die Untersuchung von Berufstauchern ist neben der Quali?kation in Arbeits- Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2007-985895 Z Allg Med 2007; 83: 83: 417–426 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Dr. med. J.-F. Chenot MPH Abteilung Allgemeinmedizin Universitätsmedizin Humboldtallee 38 37073 Göttingen jchenot@gwdg.de Abteilung Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin, Göttingen Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 418 CME CME-Fortbildung Zur Durchführung des Tauglichkeitsuntersuchung bei Sporttauchern ist keine Ermächtigung notwendig. oder Betriebsmedizin eine Ermächtigung der Berufsgenossenschaften für die Durchführung der G-31 notwendig). Dieser Artikel beschränkt sich auf die TTU für Sporttaucher. Spezielle Fortbildung und verschiedene Diplome werden z. B. von der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GT Ü M) angeboten [5]. Diese sind keine von den Ärztekammern anerkannten Zusatzbezeichnungen und nicht für das Ausstellen von TTU vorgeschrieben. Dennoch ist es sinnvoll, evt. über eigene Taucherfahrung und die Grundkenntnisse der Tauchmedizin, die von Tauchern beim Erwerb des Tauchscheins verlangt werden, zu verfügen ( Tab. 1). Wer regelmäßig TTU durchführt, sollte sich entsprechend quali?zieren. Tab. 1 CMAS VDST PADI NAUI Tauchausbildungsorganisationen (alle Diplome werden im Regelfall anerkannt) Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques Verband Deutscher Sporttaucher e. V.[23] Professional Association of Diving Instructors National Association of Underwater Instructors Medizinisch physiologische Grundlagen & Beim Tauchen verdoppelt sich der atmosphärische Druck alle 10 m und das Gas-Volumen nimmt durch die Kompression proportional ab. Beim Tauchen ?nden vielfältige physiologische Anpassungsprozesse an die physikalischen Umweltbedingungen statt. In diesem Abschnitt kann nur auf wenige Grundlagen der Tauchphysik und Tauchphysiologie und ihre medizinische Bedeutung eingegangen werden. Auf Meereshöhe beträgt der Luftdruck 100 kPa (100 kPa = 1 bar = 760 mmHg). Die Luft setzt sich hauptsächlich zu 21 % aus Sauerstoff (O2) und 78 % Stickstoff (N2) zusammen. Gase üben in Gasgemischen einen Partialdruck entsprechend ihres Volumenanteils aus (Gesetz von Dalton). Sie lösen sich entsprechend ihres Partialdrucks in Flüssigkeiten (Gesetz von Henry). Beim Tauchen verdoppelt sich der atmosphärische Druck alle 10 m und das Gas-Volumen nimmt durch die Kompression proportional ab (Gesetz von Boyle-Mariotte) ( Abb. 1). Volumen Tiefe (m) Meereshöhe 0 10 Absoluter Druck (kPa) 1 1/2 100 200 Luft N2 0.78 1.56 O2 0.21 0.42 Luft Abb. 1 Darstellung der wichtigsten physikalischen Ein?üsse beim Tauchen (nach Wilmhurst). 20 1/3 300 2.34 0.63 30 1/4 400 3.12 0.63 40 1/5 500 3.90 1.05 Beim Tauchen mit Pressluft?aschen wird durch den Atemautomat der Druck des Atemgemischs (meist komprimierte Luft) automatisch dem Umgebungsdruck angepasst. Beim Tauchen ohne Pressluft?asche (Apnoe-Tauchen) werden gasgefüllte Hohlräume wie z. B. die Lunge komprimiert. Beim Tauchen mit Pressluft?aschen wird durch den Atemautomat der Druck des Atemgemischs (meist komprimierte Luft) automatisch dem Umgebungsdruck angepasst. Dies erfordert eine gesunde Lunge und eine freie Belüftung anderer gasgefüllter Hohlräume wie z. B. dem Mittelohr. Wird beim raschen Auftauchen (Notaufstieg) nicht ausgeatmet, kann es durch die Volumenexpansion zu Verletzungen der Lunge (Barotrauma) kommen. Gelingt der Druckausgleich des Mittelohrs über die Eustachische Röhre nicht, kann es zur Zerreissung des Trommelfells kommen. Auch andere Hohlräume z. B. in den Zähnen und Nasennebenhöhlen können Probleme machen (Luft im Darm jedoch nicht). Der hydrostatische Druck bei Immersion (Untertauchen) führt zu einer Umverteilung des Blutvolumens in thorakale Gefäße (bis zu 700 ml!). Dies führt zu einer verstärkten Rechtherzbelastung mit Erhöhung des pulmonal-arteriellen Drucks und Anstieg des myokardialen Sauerstoffbedarfs [6]. Ein Nebeneffekt der mechanischen Vorhofbelastung ist die Freisetzung von atrialem natriuretischem Peptid (ANP) die zu sog. „Taucherdiurese“ führt [1]. Der angepasste Druck aus den Pressluft?aschen verhindert aber nicht nur die Kompression der Lungen, er führt auch zu einem erhöhten Lösungsdruck der Gase. Der Lösungsdruck von O2 beträgt auf Meereshöhe 20 kPa. Sauerstoff in hohen Konzentrationen ist toxisch (Paul-BertEffekt). Langfristige O2-Partialdrücke über 60 kPa führen z. B. zur Lungen?brose und Drücke Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 CME-Fortbildung CME 419 über 160 kPa können akute zerebrale Krampfanfälle auslösen [7]. Anders als die plötzliche Wirkung des Sauerstoffs führt ein N2-Patialdruck über 300 kPa langsam zur Stickstoffnarkose, dem sog. Tiefenrausch. Tauchen in extremen Tiefen erfordert daher besondere Atemgase mit niedrigem O2- und N2-Gehalt (z. B. Nitrox). Extrem-Sporttaucher, die tiefer als 40 Meter tauchen und solche Atemgase verwenden, umgangssprachlich Tech-Diver (technical diver) genannt, sollten nur von sehr erfahrenen Taucherärzten betreut werden. Das inerte Gas N2 löst sich ebenfalls entsprechend dem steigenden Partialdruck langsam im Gewebe. Die Aufsättigung hängt von Tauchzeit, Tauchtiefe und vom Gewebe ab. Vor der Einführung der heute üblichen Tauchcomputer mussten mit Tauchtabellen die maximale Tauchzeit und die Ober?ächenzeit zum Abatmen des aufgenommenen Stickstoffs berechnet werden. Wird die Ober?ächenzeit nicht eingehalten oder falsch berechnet, kann es zur Bildung von Gasbläschen im Blut kommen (wie beim Öffnen einer Sprudelwasser?asche). Die dadurch verursachten Symptome werden Dekompressionskrankheit (DCS, (Caisson-Krankheit) genannt. Leichte Fälle äußern mit einen Hautjucken (Taucher?öhe) und muskuloskeletalen Schmerzen (bends) durch Mikroembolien. Schwere Fälle gehen mit Beschwerden der Lunge und des Zentralen Nervensystems einher. Die Bildung von Gasblasen im arteriellen System ist besonders gefährlich und kann zu Bewusstseinstörungen und persistierenden Lähmungen führen. Zum Notfallmanagement sei auf die S2-Leitlinie der GTÜM hingewiesen [8]. Bei Verdacht auf DCS sollte immer die nächste Druckkammer aufgesucht werden. Eine „Rekompression“ durch rasches wieder Abtauchen sollte unbedingt unterbleiben. Eine weitere nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle ist die Unterkühlung. Deshalb erfordert das Tauchen mit Pressluft?aschen neben einer Tauchausbildung eine gute körperliche und psychische Belastbarkeit. Was gehört zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung? & Ziel der TTU ist es, die physische und psychische Eignung zum Tauchen sicherzustellen. Die Anamnese sollte alle Vorerkrankungen, aktuelle Beschwerden und evt. Medikation erfassen. Die GTÜM hat dazu auch Patientenfragebögen entwickelt. Zusätzlich ist es wichtig, etwas über bisherige Taucherfahrung oder die Motivation zum Tauchen zu erfahren. Unsichereren und ängstlichen Patienten, die z. B. vom Partner zum Tauchsport gedrängt werden, sollte abgeraten werden. Bei der körperlichen Untersuchung wird ein orientierender Ganzkörperstatus erhoben. Der Schwerpunkt liegt bei Erkrankungen von Lunge, Herz und Ohren. Wichtig ist die otoskopische Beurteilung des Trommelfells. Kann es nicht beurteilt werden, ist eine Überweisung notwendig. Die Durchgängigkeit der Tuben sollte mit dem Valsalva-Manöver überprüft werden. Beim Lungenfunktionstest werden Vitalkapazität (IVC bzw. FVC) und die exspiratorische Einsekundenkapazität (FEV1) bestimmt. Sie sollten mindestens 80 % der Sollwerte der European Respiratory Society erreichen [9]. Ein Ruhe-EKG wird, obwohl es als Screening-Maßnahme bei Sportlern z. B. für eine Kardiomyopathie oder relevante Herzrhythmusstörungen nicht sehr effektiv ist, allgemein empfohlen [10]. Ab dem 40. Lebensjahr wird zusätzlich ein Belastungs-EKG empfohlen. Dies dient nicht nur dem Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung, sondern auch der Erfassung der Leistungsfähigkeit. Die Normwerte richten sich nach dem Belastungsverfahren. Die körperliche Belastung durch evt. Strömung oder längere Schwimmstrecken sollte nicht unterschätzt werden. Ein routinemäßiges Röntgenbild des Thorax oder eine Echokardiographie sind im Regelfall nicht notwendig. Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat ein nur funktionell durch den erhöhten Druck im linken Vorhof verschlossenes persistierendes offenes Foramen ovale (PFO). Bei Druckerhöhung im rechten Kreislauf (siehe oben) kann es kurzfristig zu einem Rechts-links-Shunt kommen, bei dem es durch Gasblasen zu paradoxen Embolien kommen kann. Das relativer Risiko einer DCS ist bei PFO ca. 2,5-fach erhöht [11]. Das Risiko einer DCS mit einer Inzidenz von ca. 0,05 %, (bezogen auf die Zahl der Tauchgänge) ist sehr gering. Daher ist die aufwendige Untersuchung (Bubble-Echokardiographie) mit Injektion eines Kontrastmittels (Luftblasen) nur in seltenen Fällen anzuraten [12]. Zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung gehört: – Anamnese – körperliche Untersuchung – Otoskopie – EKG – Lungenfunktion Züsatzlich ab 40 Jahren ein Belastungs-EKG. Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 420 CME CME-Fortbildung Besondere Umstände & Es ist umstritten, ab welchem Alter Kinder gefahrlos tauchen können. Tauchausbildungsorganisationen beginnen gewöhnlich erst ab dem 12. oder 14. Lebensjahr mit der Ausbildung. Entscheidend ist nicht nur die physische, sondern auch die geistige Reife, um Anweisungen genau befolgen und sich im Notfall richtig verhalten zu können. Die Anpassungsfähigkeit an die physiologischen Belastungen des Tauchens nehmen mit zunehmendem Alter ab. Es gibt keine of?zielle Altersgrenze, ab der vom Tauchsport abgeraten wird. Hier muss eine individuelle Abwägung getroffen werden. Auch wenn es bisher aus Fallserien keine sicheren Hinweise auf vermehrte Aborte oder Fehlbildungen durch Tauchen in der Schwangerschaft gibt, wird von Experten davon abgeraten [13]. Ausschlusskriterien vom Tauchsport & Der nicht fachkundige Arzt sollte in Zweifelsfällen eher kein Tauchtauglichkeitszeugnis ausstellen. Eine Reihe von Erkrankungen schließt den Tauchsport vorübergehend oder auch für immer aus ( Tab. 2). Dass akute Erkrankungen hohe körperliche Belastungen ausschließen, ist selbstverständlich. Nach Operationen sollte, je nach Eingriff, 3–6 Monate lang nicht getaucht werden. Hier kann nur auf einige Erkrankungen eingegangen werden. Hinweise zu Empfehlungen der Tauchtauglichkeit werden im Manual der GT Ü M gegeben [14]. Der nicht fachkundige Arzt sollte in Zweifelsfällen eher kein Tauchtauglichkeitszeugnis ausstellen. Chronische Erkrankungen wie eine gut eingestellte arterielle Hypertonie oder eine Fettstoffwechselstörung sind keine Kontraindikationen, sofern die Ergometrie einschließlich Belastungs-Blutdruckwert unauffällig ist. Für viele Erkrankungen, die früher als absolute Ausschlusskriterien galten, gilt dies heute nicht mehr: Dazu gehören z. B. ein gut eingestelltes Asthma oder der Diabetes mellitus [15, 16]. Nach 4 Jahren Anfallsfreiheit spricht auch eine Epilepsie nicht gegen den Tauchsport [17]. Eine bekannte KHK mit Angina pectoris ist jedoch eine absolute Kontraindikation. Nach einem Herzinfarkt kann bei ausreichender Belastbarkeit und nach kardiologischer Untersuchung evt. wieder getaucht werden. Psychische Störungen insbesondere Angststörungen erfordern eine sorgfältige Abwägung [18]. Tab. 2 Erkrankungen, die den Tauchsport langfristig ausschließen (Auswahl) geistige Behinderung Psychosen Panikerkrankungen Alkoholabhängigkeit Herzinsuf?zienz nachgewiesener Recht-links-Shunt respiratorische Insuf?zienz pulmonale Hypertonie fehlende Möglichkeit zum Druckausgleich im Mittelohr KHK mit Angina Pectoris Aus Sicherheitsgründen wird gewöhnlich mindestens zu zweit getaucht (Buddy-System). Taucher mit chronischen Erkrankungen brauchen informierte Tauchpartner, die in der Lage sind, krankheitsbedingte Notfälle zu erkennen und entsprechend zu handeln. Chronisch Kranke sind dagegen selbst als „Buddy“ nur eingeschränkt geeignet. Was soll im Tauchtauglichkeitszeugnis stehen? & Das Tauchtauglichkeitszeugnis sollte keine Untersuchungsbefunde oder Diagnosen enthalten, sondern lediglich die persönlichen Grunddaten und das Untersuchungsdatum. Es wird eine uneingeschränkte oder eingeschränkte Tauchfähigkeit bescheinigt. Einschränkungen können vermerkt werden, z. B. bei Asthmatikern ein bestimmter Peak?ow-Wert. Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 CME-Fortbildung CME 421 Wie lange ist das Tauchzeugnis gültig? & Von der GT Ü M wird empfohlen, die Tauchtauglichkeitsuntersuchung bis zum 40. Lebensjahr alle 3 Jahre durchführen zu lassen, danach jährlich. Nach einem Tauchunfall ist auf jeden Fall eine neue TTU erforderlich. Reisemedizinische Aspekte & Eine Überdruckbehandlung bei Dekompressionskrankheit (DCS) wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und auch von privaten Krankenkassen nicht regelhaft gedeckt. Darauf sollten Taucher unbedingt hingewiesen werden. Mehrere Organisationen haben sich auf die Versicherung von Sporttauchern spezialisiert und bieten neben dem Versicherungsschutz und Transport auch eine fachkundige Unterstützung an [19, 20]. Viele attraktive Tauchgebiete liegen in Hochrisiko-Malariagebieten [21]. Die Einnahme von Me?oquin wird insb. wegen psychischer Nebenwirkungen oft nicht empfohlen oder sogar untersagt. Diese Annahme wird durch einen aktuellen Review nicht gestützt [22]. Es gibt keinen Nachweis, dass Atovaquone/Proguanil beim Tauchen sicherer ist als Me?oquine. Eine Überdruckbehandlung bei Dekompressionskrankheit (DCS) wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Interessenskon?ikte: keine angegeben. Literatur 1 Divers alert network DAN www.taucher.net/unfall/unfall.html 2 Blanksby BA, Wearne FK, Elliott BC, et al. Aetiology and occurrence of diving injuries. A review of diving safety. Sports Med 1997; 23: 228–246 3 Chalmers D, Morrison L. Epidemiology of non-submersion injuries in aquatic sporting and recreational activities. Sports Med 2003; 33: 745–770 4 Geln S. Three year follow up of a self certi?cation system fort he assessment of ?tness to dive in Scotland. Br J Sports Med 2004; 38: 754–757 5 Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin www.gtuem.org 6 Muth CM, Tetzlaff K. Tauchen und Herz: Kardiologische Aspekte des Sporttauchens. Herz 2004; 29: 406–413 7 Wilmshurst P. Diving and oxygen. BMJ 1998; 317: 996–999 8 www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/072-001.htm 9 Quanjer PH, Tammeling GJ, Cotes JE, et al. Lung volumes and forced ventilatory ?ows. Report Working Party Standardization of Lung Function Tests, European Community for Steel and Coal. Of?cial Statement of the European Respiratory Society. Eur Respir J 1993; 16: 5–40 10 Corrado D, Pelliccia A, Bjørnstad HH, et al. Cardiovascular pre-participation screening of young competitive athletes for prevention of sudden death: proposal for a common European protocol. Consensus Statement of the Study Group of Sport Cardiology of the Working Group of Cardiac Rehabilitation and Exercise Physiology and the Working Group of Myocardial and Pericardial Diseases of the European Society of Cardiology. Eur Heart J 2005; 26: 516–524 11 Bover AA. Risk of decompression sickness with patent foramen ovale. Undersea Hyperb Med 1998; 25: 175–178 12 Lier H, Schröder S, Hering R. Persistierendes Foramen ovale: ein unterschätztes Risiko für Taucher? Dtsch Med Wochenschr 2004; 129: 27–30 13 St Leger Dowse M, Gunby A, et al. Scuba diving and pregnancy: can we determine safe limits? J Obstet Gynaecol 2006; 26: 509–513 14 Wendlin J, Ehm O, Ehrsam R, et al. Tauchtauglichkeit Manual. GTÜM 2. Au?age, 2001 15 Koehle M, Lloyd-Smith R, McKenzie D, Taunton J. Asthma and recreational SCUBA diving: a systematic review. Sports Med 2003; 33: 109–116 16 Harrison D, Lloyd-Smith R, Khazei A, et al. Controversies in the medical clearance of recreational scuba divers: updates on asthma, diabetes mellitus, coronary artery disease, and patent foramen ovale. Curr Sports Med Rep 2005; 4: 275–281 17 Almeida Mdo R, Bell GS, Sander JW. Epilepsy and recreational scuba diving: an absolute contraindication or can there be exceptions? A call for discussion. Epilepsia 2007; 48: 851–858 18 Morgan WP, Raglin JS, O’Connor PJ. Trait anxiety predicts panic behavior in beginning scuba students. Int J Sports Med 2004; 25: 314–322 19 Divers alert network www.daneurope.org/deu/deutsch_.htm 20 aquamed Reise- und Tauchmedizin www.aqua-med.de 21 www.?t-for-travel.de/reisemedizin/reiseziele/index.html 22 Chen LH, Wilson ME, Schlagenhauf P. Controversies and misconceptions in malaria chemoprophylaxis for travelers. JAMA 2007; 297: 2251–2263 23 Verband Deutscher Sporttaucher e. V. www.vdst.de Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 422 CME CME-Fortbildung Zur Person Dr. med. Jean-François Chenot, MPH und Dr. med. Anne Simmenroth-Nayda Fachärzte für Allgemeinmedizin Wissenschaftliche Mitarbeiter in der Abteilung Allgemeinmedizin Göttingen. Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 CME-Fortbildung CME 423 CME-Fragen Tauchtauglichkeitsuntersuchung… 1 ? A) B) C) D) E) Wer darf ein Tauchtauglichkeitszeugnis für Sporttaucher ausstellen? Tauchlehrer Jeder Arzt Nur Ärzte, die einen Tauchmedizinkurs absolviert haben Nur Fachärzte für Lungenheilkunde oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Nur zur Durchführung der G-31 ermächtigte Fachärzte für Arbeits- oder Betriebsmedizin 6 ? A) B) C) D) E) Was wird routinemäßig bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung eines 45-jährigen Patienten ohne Vorerkrankungen empfohlen, der seit 15-Jahren regelmäßig taucht? Belastungs-EKG Blutgasanalyse Blutbild Röntgen-Thorax Spiroergometrie ? 2 A) B) C) Welche Aussage zur Tauchphysik ist richtig? Beim zunehmender Tauchtiefe nimmt der relative Sauerstoffpartialdruck zu, der absolute Sauerstoffpartialdruck bleibt gleich Die benötigte Menge Pressluft ist unabhängig von der Tiefe bei einem konstanten Atemminutenvolumen von 5 L/min Atmet ein Taucher beim Aufsteigen aus 10 Metern Tiefe nicht aus, dehnt sich die Luft in der Lunge etwa auf das doppelte Volumen aus Die Lösung von Stickstoff im Gewebe ist abhängig von der Tauchtiefe, aber nicht der Tauchzeit Innerhalb einer Stunde ist der während eines Tauchgangs im Gewebe gelöste Stickstoff in der Regel vollständig abgeatmet A) B) C) D) E) 7 ? Was soll im Tauchtauglichkeitszeugnis stehen? Angaben zur bisherigen Tauchpraxis Eine maximal zulässige Tauchtiefe Ein ausführlicher körperlicher Befund Vitalkapazität und FEV1 Eine abschließende Beurteilung D) E) 8 ? A) B) C) D) E) Welche Aussage zum persistierenden Foramen ovale (PFO) ist richtig? Ein PFO ist sehr selten Ein nachgewiesenes PFO stellt eine absolute Kontraindikation zum Tauchen da Ein Screening auf PFO wird nicht generell empfohlen Bei PFO kann es beim Tauchen zu einem Links-rechtShunt kommen Das PFO be?ndet sich zwischen dem rechten und linken Ventrikel A) B) 3 ? C) D) E) Was ist keine häu?ge Ursache von Tauchunfällen? Ertrinken Bei der tauchmedizinischen Untersuchung nicht erkannte Vorerkrankungen Probleme mit der Ausrüstung Menschliches Versagen Äußere Bedingungen wie Strömung 9 ? A) B) C) D) E) Ein 21-jähriger Sportstudent, der als 16-jähriger einen Spontan-Pneumothorax hatte, bittet um ein Tauchtauglichkeitszeugnis! Wie entscheiden Sie? Ich bescheinige uneingeschränkte Tauchtauglichkeit Ich bescheinige eine beschränkte Tauchtauglichkeit Ich bescheinige keine Tauchtauglichkeit Ich veranlasse ein Röntgen-Thorax und bescheinige eine Tauchtauglichkeit, wenn das Röntgen unauffällig ist Ich veranlasse eine Konsiliar-Untersuchung bei einem Pneumologen, bevor ich ein Tauchtauglichkeitszeugnis ausstelle 4 ? A) B) Welche Aussage zur Dekompressionskrankheit (DCS) ist falsch? Hautjucken kann Symptom einer DCS sein Beim Verdacht auf eine DCS sollte sofort wieder abgetaucht werden, um das Gas wieder in Lösung zu bringen („nasse Dekompression“) Bei Verdacht auf eine DCS sollte sofort zur nächsten Druckkammer gefahren werden Die Druckkammerbehandlung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse Die DCS kann zu bleibenden Schäden führen C) D) E) 10 ? A) B) C) D) E) Wie oft wird eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung empfohlen? Vor jedem Tauchurlaub Nur einmal vor dem ersten Tauchgang Jährlich Alle 3 Jahre bis zum 40. Lebensjahr Alle 5 Jahre 5 ? A) B) C) D) E) Was wird nicht bei einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung eines 25-jährigen Patienten ohne Vorerkrankungen empfohlen, der zum ersten Mal tauchen geht? Anamnese Lungenfunktion Otoskopie EKG Röntgen-Thorax Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 424 CME CME-Fortbildung Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 CME-Fortbildung CME 425 Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426 426 CME CME-Fortbildung CME-Fortbildung mit der ZFA Zerti?zierte Fortbildung Hinter der Abkürzung CME verbirgt sich „continuing medical education“, also kontinuierliche medizinische Fort- und Weiterbildung. Zur Dokumentation der kontinuierlichen Fortbildung der Ärzte wurde das Fortbildungszerti?kat der Ärztekammern etabliert. Hauptzielgruppe für das Fortbildungszerti?kat sind Ärzte mit abgeschlossener Facharztausbildung, die im 5-jährigen Turnus einen Fortbildungsnachweis erbringen müssen. Es ist jedoch auch für Ärzte im Praktikum bzw. in der Facharztweiterbildung gedacht. Die Fortbildungseinheit In den einheitlichen Bewertungskriterien der Bundesärztekammer ist festgelegt: „Die Grundeinheit der Fortbildungsaktivitäten ist der Fortbildungspunkt. Dieser entspricht in der Regel einer abgeschlossenen Fortbildungsstunde (45 Minuten)“. Für die erworbenen Fortbildungspunkte muss ein Nachweis erbracht werden. Hat man die erforderliche Anzahl von 250 Punkten gesammelt, kann man das Fortbildungszerti?kat bei seiner Ärztekammer beantragen, welches man wiederum bei der KV (niedergelassene Ärzte) oder bei seinem Klinikträger (Klinikärzte) vorlegen muss. Anerkennung der CME-Beiträge Die Fortbildung in der ZFA wurde von der Nordrheinischen Akademie für Ärztliche Fortund Weiterbildung für das Fortbildungszerti?kat anerkannt, das heißt, die Vergabe der Punkte kann direkt durch die Thieme Verlagsgruppe erfolgen. Die Fortbildung in der ZFA gehört zur Kategorie „strukturierte interaktive Fortbildung“. Entsprechend einer Absprache der Ärztekammern werden die von der Nordrheinischen Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung anerkannten Fortbildungsveranstaltungen auch von den anderen zerti?zierenden Ärztekammern anerkannt. Datenschutz Ihre Daten werden ausschließlich für die Bearbeitung dieser Fortbildungseinheit verwendet. Es erfolgt keine Speicherung der Ergebnisse über die für die Bearbeitung der Fortbildungseinheit notwendige Zeit hinaus. Die Daten werden nach Versand der Testate anonymisiert. Namens- und Adressangaben dienen nur dem Versand der Testate. Die Angaben zur Person dienen nur statistischen Zwecken und werden von den Adressangaben getrennt und anonymisiert verarbeitet. Teilnahme Jede Ärztin und jeder Arzt soll das Fortbildungszerti?kat erlangen können. Deshalb ist die Teilnahme am CME-Programm der ZFA nicht an ein Abonnement geknäpft! Die Teilnahme ist sowohl im Internet (http://cme.thieme.de) als auch postalisch möglich. Im Internet muss man sich registrieren, wobei die Teilnahme an Fortbildungen abonnierter Zeitschriften ohne Zusatzkosten möglich ist. Alle Teilnehmer, die auf dem Postweg teilnehmen, benötigen für die Teilnahme den CME-Beitrag, den CME-Fragebogen, den CME-Antwortbogen, Briefumschläge und Briefmarken. Auch hier fallen bei Angabe der Abonummer für die Teilnahme keine zusätzliche Kosten an. Teilnahmebedingungen Für eine Fortbildungseinheit erhalten Sie 3 Fortbildungspunkte im Rahmen des Fortbildungszerti?kates. Hierfür § müssen 70% der Fragen richtig beantwortet sein. § müssen die Fragen der Einheiten A bis D des CME-Antwortbogens vollständig ausgefüllt sein. Unvollständig ausgefüllte Bögen können nicht berücksichtigt werden! § muss Ihre Abonnentennummer im entsprechenden Feld des CME-Antwortbogens angegeben oder eine CME-Wertmarke im dafür vorgesehenen Feld aufgeklebt sein. CME-Wertmarke für Nicht-Abonnenten Teilnehmer, die nicht Abonnenten der ZFA sind, können für die Internet-Teilnahme dort direkt ein Guthaben einrichten, von dem pro Teilnahme ein Unkostenbeitrag abgebucht wird. Für die postalische Teilnahme können Nicht-Abonnenten Thieme-CME-Wertmarken erwerben. Bitte richten Sie Bestellungen an: Georg Thieme Verlag KG Kundenservice Rüdigerstraße 14 70469 Stuttgart Tel.: 0711/8931-900 E-Mail: kundenservice@thieme.de Teilnahme auch online möglich unter cme.thieme.de Chenot J-F, Simmenroth-Nayda A. Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung … CME 2007; 83: 417–426


(Stand: 10.10.2007)

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