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Das Elend der Allgemeinmedizin

DOI: 10.1055/s-0028-1093328

Das Elend der Allgemeinmedizin

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Editorial 419 Das Elend der Allgemeinmedizin H.-H. Abholz Bibliogra?e DOI 10.1055/s-0028-1093328 Z Allg Med 2008; 84: 419 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Diesen Titel habe ich mir von Herrn Dr. Uwe Kurzke ausgeliehen, der in diesem Heft einen sehr berührenden und sehr ernsten Beitrag zu diesem Thema geschrieben hat. Bei ihm geht es – nach meiner Meinung – um das wahre, aber so kaum thematisierte Elend der Allgemeinmedizin. Ich will hier im Editorial hingegen vom einem weitaus häu?ger benannten, aber – nach meiner Meinung – weitaus weniger bedeutsamen Elend der Allgemeinmedizin reden. Ausgangsbasis ist: Hausärzte stehen traditionsgemäß und trotz unterschiedlicher Gebührenordnungen weiterhin am Ende der Einkommensrangfolge von niedergelassenen Ärzten. Und: Alle niedergelassenen Ärzte – so auch die Hausärzte – haben über die letzten 6–8 Jahre als Gruppe keinen realen Zuwachs ihres Einkommens vor Steuer gehabt. Und schließlich: Es ist zu einem dramatischen Einkommensverlust für alle niedergelassenen Ärzte und damit auch der Hausärzte über die letzten 20 Jahre gekommen. Aber: In der o?ziellen Steuerstatistik der Finanzämter nehmen die Ärzte – auch die niedergelassenen Ärzte und die Hausärzte – die Spitzenposition ein – vor Rechtsanwälten, Ingenieuren etc. Und: Die durchschnittlichen Einnahmen eines Professors für Allgemeinmedizin liegen deutlich unter denen eines niedergelassenen Allgemeinarztes. Das Gefühl des Elends – im Einkommen – muss sich also aus der Geschichte, nicht der realen Situation jetzt speisen. Und mit einem großen Einkommensverlust über die Zeit, also die jüngste Geschichte, wird auch ein Verlust an genereller, also nicht nur monetärer Wertschätzung verbunden. Und es liegt daran, dass Durchschnittszahlen für eine Gesamtheit gelten, aber auch Untergruppen von Ärzten existieren, die besonders wenig – aber auch solche, die besonders viel – verdienen. Viele erleben das materielle Elend der Hausärzte also wegen der fast dramatischen zeitlichen Veränderung im Einkommen sowie weil sie am unteren Ende der Verteilung der Einkommen innerhalb ihrer Gruppe stehen. Nur: Wir sind eben Teil einer Gesellschaft, in der eine Einkommensangleichung zu breiten Teilen stattgefunden hat und statt?ndet und immer nur die 5–10 % der Reichsten zunehmend reicher auch werden. Dies werden wir aus unserer Position als Ärzte nicht ändern. Und: Solange wir am freien Berufsstand festhalten, ihn gar über Igelleistung noch realisiert vorleben wollen, solange können wir nicht darüber lamentieren, dass es in der Gruppe der Allgemeinärzte viele gibt, die weitaus weniger als den Durchschnittswert des Einkommens verdienen. Dies ist das Schicksal freier Berufe. Wir haben uns also zu entscheiden, was wir eigentlich wollen – bevor wir über unser Elend jammern. Aber, wie einleitend gesagt, das wahre Elend ?ndet in unserer Berufsgruppe an ganz anderer Stelle statt – und darüber schreibt Uwe Kurzke. Und vielleicht ist es so, dass wir unsere materielle Situation auch immer wieder deswegen als besonders elend erleben bzw. dieses Elend als Metapher nutzen, um auf ein gefühltes Elend hinzuweisen, was eigentlich ganz anders oder zumindest überwiegend anders gespeist wird, nämlich durch das, was Uwe Kurzke beschreibt. H.-H. Abholz Z Allg Med 2008; 84: 419


(Stand: 10.10.2008)

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