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Gesundheitsfördernde Praxen – Die Chance einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis

Bahs O, Matthiessen PF (Hrsg.): Gesundheitsfördernde Praxen – Die Chance einer salutogenetischen Orientierung in der hausärztlichen Praxis. Huber, Bern 2007, brosch. 400 S. 39,95 Euro

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Heinz Harald Abholz

Es handelt sich um einen Arbeitsbericht über ein 3-jähriges Projekt zur Nutzung des Salutogenese-Konzeptes in der hausärztlichen Arbeit, der jetzt in Buchform vorliegt. Es ist ein sozialwissenschaftliches Projekt mit einem mehrschichtigen Ansatz von einerseits Konzeptionalitätsentwicklung zum salutogenen Arbeiten in der Hausarztpraxis als auch andererseits – und hierauf aufbauend – mit mehreren qualitativen Teil-Projekten, in denen Fokusgruppensitzungen von Hausärzten, Videoaufnahmen von Arzt-Patienten-Gesprächen, Interviews und Fallkonferenzen analysiert wurden.

Die Grundfragen des Buches sind: Welche salutogenetischen Ansätze sind jetzt schon in der Behandlung zu finden und wie wären sie auszubauen? Welche Bedeutung hat hierbei die Arzt-Patienten-Beziehung? Wie lassen sich salutogene Ansätze systematisieren und möglicherweise damit sowohl effektiver als auch sich an den Inhalt hausärztlicher Tätigkeit anpassend neu strukturieren?

In der Beantwortung dieser Fragen wird deutlich, dass die Beziehungsebene sowie die Bedeutungsgebung von Krankheit im Leben eines betroffenen Menschen ganz entscheidende Größen sind, neben denen die „rein medizinische Ebene“ steht.

Das Buch liest sich etwas schwierig, da konzeptionelle Texte neben qualitativer Textauswertung, teilweise im Sinne einer sehr zusammengefassten Fallrekonstruktion, stehen. Ich habe mir das Buch dann kapitelweise immer wieder einmal vorgenommen und dann mit Gewinn lesen können. Irritierend war für mich, dass einerseits die Fallrekonstruktionen aus aufgezeichneten Gesprächen sehr komprimiert waren, holzschnittartig wirkten, dann aber im gleichen Text konzeptionelle Ausführungen direkt oder in langen Fußnoten gemacht wurden. Man wechselt sehr die Ebenen.

Solche komprimierten Zusammenfassungen von Fallrekonstruktionen wirken dann auch irgendwie „gebastelt“: Wenn eine Diabetikerin ihre Angst vor einer Fuß-Amputation äußert, dann kann dies einer beschworenen Realangst durch die Medizin entsprechen. Es kann aber auch, wie in der Fallrekonstruktion dargestellt, ein Bild dafür sein, dass man nicht mehr fest auf dem Boden stehen kann. Das Problem hierbei ist, dass solche Bilder – das sagen die Autoren auch – vielfältige Interpretationen zulassen. Eine Fallrekonstruktion sollte aber in der Regel eine hohe Plausibilität für die von ihr gegebene Deutung aufgrund des Textes haben. Dies ist in Kurzform jedoch nie zu machen. Daher glaube ich, dass insbesondere diejenigen Leser, die die Akribie der Rekonstruktion eines Falles auf methodischer Ebene nicht kennen, das Dargestellte als eher abstoßendes Fantasieprodukt erleben werden.

Dennoch ein Buch, was relativ einzigartig schon im Ansatz ist: Indem es die modernen Konzepte, die Allgemeinmedizin als Organisationsfach beschreiben (Chronic-care-Modell etc.), beiseitelässt, ganz auf Arzt-Patienten-Interaktion setzt und eine andere, nämlich salutogene Betreuung vorschlägt.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Abt. Allgemeinmedizin

Heinrich-Heine-Universität

Universitätsklinikum Düsseldorf

Moorenstraße 5

40225 Düsseldorf

Tel.: 0211 / 8 11 77 71

Fax: 0211 / 8 11 87 55

E-Mail: abholz@med.uni-duesseldorf.de


(Stand: 31.05.2011)

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