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Evidenzbasierte Medizin – ein Gewinn für die Arzt-Patient-Beziehung?

2. Symposium Forum Medizin 21 der PMU und 11. Jahrestagung des DNebM

Das „Forum Medizin 21“ der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) fand im Frühjahr 2009 zum ersten Mal statt. Die zentralen Themen waren der Umgang mit der medizinischen Informationsflut, der ökonomische Druck in den Gesundheitssystemen und die Auswirkungen von beidem auf die Beziehung zwischen Arzt und Patient.

Die Informationsflut ist nur durch eine sorgfältige, unabhängige Filterung und Extraktion der besten verfügbaren Studienevidenz zu bewältigen, die dann unter Einbeziehung der ärztlichen Erfahrung und der Vorstellungen des Patienten in die Praxis umgesetzt werden muss. Elektronische Datenverarbeitung und computergestütze Standardisierung sind aus diesem Prozess nicht mehr wegzudenken. Doch was geschieht dabei mit der Arzt-Patient-Beziehung? Nimmt sie gar Schaden durch die fortschreitende Ausrichtung ärztlichen Handelns an der „Evidenz“, die uns oft der Computer vorgibt?

In einem weiteren Salzburger Kongress ging die Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SAGAM) in diesem Jahr der Frage „Medizin ohne Ende?“ nach. Wie viel Medizin ist gut für den Menschen? Was wird in der Medizin alles gemacht, ohne dass ein Nutzen für den Patienten erkennbar oder nachgewiesen ist? Wie groß ist der Einfluss der Industrie auf die Definition von Krankheit und deren vermeintliche Behandlungsnotwendigkeit?

Auf der diesjährigen 10. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks evidenzbasierte Medizin (DNebM) stand die Thematik des ökonomischen Drucks auf die Gesundheitssysteme im Mittelpunkt. Auch hier stellt sich die Frage: Welche medizinische Maßnahme ist wirklich gut für den Patienten? Kann die evidenzbasierte Medizin dazu beitragen, die Patienten optimal zu versorgen oder sind hier nur die Sparer aus Politik und Sozialversicherung am Werk, die den Patienten medizinische Maßnahmen unter dem Druck der erforderlichen Kostendämpfung vorenthalten? Und was passiert mit der Arzt-Patient-Beziehung in solch einem System?

An die Thematik dieser drei Tagungen knüpft das zweite Forum Medizin 21 an, das vom 25.–27. Februar 2010 in Salzburg stattfinden wird. Es wird von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, dem Deutschen Netzwerk evidenzbasierte Medizin (DNebM) und der Salzburger Gesellschaft für Allgemeinmedizin gemeinsam gestaltet und ist der Frage gewidmet, ob die evidenzbasierte Medizin Lösungsansätze für den Umgang mit Informationsflut, ökonomischen Zwängen und unnötiger Medikalisierung anbietet, und wie EbM sich auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirkt.

Auf der einen Seite ist eine adäquate Patientenversorgung ohne EbM nicht mehr denkbar, auf der anderen Seite bestehen doch zahlreiche Vorbehalte und Missverständnisse. Was ist eigentlich evidenzbasierte Medizin? Wie viel Raum bleibt da noch für eine empathische Arzt-Patient-Beziehung oder gar für ganz „unwissenschaftliche“ ärztliche Intuition? Kann der Computer den Arzt ersetzen, weil er ungleich besser als das menschliche Gehirn nach sturen, evidenzbasierten Schemata Behandlungsabläufe an die vorliegende Symptomatik anzupassen vermag? Oder schafft gerade EbM Vertrauen und Transparenz in der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und Patient? – unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile einer Behandlung – und angepasst an die persönlichen Präferenzen des Patienten, ganz im Sinne des EbM-Begründers David Sackett.

Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen und laden Sie herzlich zu diesem Symposium ein. Ihre wissenschaftlichen Beiträge zu folgenden Themenschwerpunkten können Sie über die Kongress-Homepage einreichen:

  • EbM in der Arzt-Patient-Beziehung
  • Patienteninformation und Patientenkompetenz
  • EbM und ärztliche Intuition
  • Professionelles Lernen – EbM in Aus-, Weiter- und Fortbildung
  • EbM für Gesundheitssystementscheidungen
  • EbM und Recht
  • Forschungssynthesen als Unterstützung der Entscheidungsfindung
  • Interessenkonflikte und Integrität der Wissenschaft
  • Aktuelle methodische Entwicklungen (z. B. Registerstudien)
  • EbM in der Praxis – Leitlinien
  • EbM und Gendermainstreaming
  • Frei-Themen

Nicht zuletzt wollen wir der Frage nachgehen, welche Rolle EbM in den verschiedenen deutschsprachigen Ländern spielt. Wie wirken sich die unterschiedlichen Gesundheitssysteme auf die Anwendung und den Umgang mit EbM aus?

Nähere Informationen finden Sie auf der Kongress-Homepage:

www.forummedizin21.at Andreas Sönnichsen

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen

Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin

Paracelsus Medizinische Privatuniversität

Strubergasse 21, A-5020 Salzburg

Tel.: 0043 662 / 44 20 02 12 61

Fax: 0043 662 / 44 20 02 12 09

E-Mail: andreas.soennichsen@pmu.ac.at


(Stand: 31.05.2011)

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