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Blick über den Tellerrand…

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Liebe Kolleginnen,

liebe Kollegen,

im vorliegenden Heft der ZFA finden Sie viel Internationales. Ich persönlich finde das spannend und anregend. Allzu oft lassen wir uns im Alltag der täglichen Praxis von Kassenbürokratie, Regelleistungsvolumina, einheitlichem Bewertungsmaßstab und Ähnlichem deprimieren. Da ist es manchmal ganz gut, ein wenig über den Tellerrand zu blicken und zu schauen, wie es mit der Allgemeinmedizin anderswo aussieht. Heute erfahren wir etwas über die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in den Niederlanden und in den USA. In beiden Ländern ist die allgemeinmedizinische Weiterbildung straffer organisiert und besser strukturiert. Einerseits wird für eine deutlich bessere Betreuung gesorgt, andererseits werden aber auch an den werdenden Allgemeinmediziner deutlich höhere Anforderungen gestellt. In den Niederlanden muss der Lernende jede Woche mindestens ein Patientengespräch per Video dokumentieren und anschließend mit seinem Tutor analysieren. Halbjährlich sind schriftliche Prüfungen zu absolvieren. In den USA werden regelmäßig schriftliche Prüfungen und OSCE (Objective Standardised Clinical Examination) abgehalten. In beiden Ländern könnten sich die für die Weiterbildung in Deutschland und Österreich Verantwortlichen wertvolle Anregungen holen. In Deutschland ist die Betreuung während der Weiterbildung nicht selten äußerst mangelhaft. Die in der Weiterbildungsordnung vorgegebene Struktur besteht manchmal nur auf dem Papier und die Weiterbildung endet mit einer wenig objektiven Facharztprüfung, die im Vergleich zu den Prüfungen in den Niederlanden und in den USA durch eine Mischung aus eminenzbasierter Willkür und kollegialem Plausch gekennzeichnet ist, je nachdem, auf welchen Prüfer man gerade trifft. In Österreich wird man gar per Multiple-Choice-Prüfung zum Allgemeinarzt, in vielen Fällen sogar, ohne jemals eine allgemeinmedizinische Praxis betreten zu haben. Aber die Politik weigert sich hartnäckig, eine Finanzierung auf die Beine zustellen, um die Ausbildung des Allgemeinmediziners an die Verhältnisse in anderen europäischen Ländern anzugleichen, den Facharzt für Allgemeinmedizin zu etablieren und so zumindest den Grundstein für zukünftige Qualitätssicherung zu legen.

Und noch weitere internationale Themen erwarten uns in diesem Heft: Junge Kollegen erzählen uns vom Vasco da Gama Movement junger europäischer Allgemeinmediziner. Auch auf diesem Treffen war die Weiterbildung für Allgemeinmedizin ein zentrales Thema. Es gab Lob für die Ausbildung in Skandinavien und im UK und auch hier Klagen über die ungünstige Situation in Österreich. Wahrscheinlich müssen wie in Deutschland erst ernste Versorgungslücken entstehen, bevor sich etwas ändert!

Die WONCA-Tagung in Basel war dann das Highlight der internationalen, europäischen Allgemeinmedizin in den letzten Wochen. Über 4000 Besucher aus aller Welt kamen in Basel zusammen, um über das Problem der Komplexität zu diskutieren, wissenschaftliche Projekte vorzustellen und kennenzulernen, zu hören, wie „die anderen“ das machen, oder sich einfach auszutauschen. Der Kongress war geprägt von einer positiven Stimmung, von einer Aufbruchstimmung der Schweizer Hausarztmedizin und von der Freude an unserem anstrengenden, aber schönen Beruf.

Zum Schluss möchte ich noch ein anderes Thema anschneiden und Sie darauf hinweisen, dass unsere ZFA-Homepage ein „neues Kleid“ bekommen hat. Originalarbeiten können Sie ab sofort im Mitgliederbereich abrufen. Eine Volltextsuche rückwirkend bis 1/2008 (also inklusive das letzte Thieme-Jahr) ermöglicht das rasche Auffinden von Artikeln. Alle Hefte ab 01/2009 stehen auf der Homepage als ePaper zur Verfügung. Schauen Sie doch mal rein! ZFA-Homepage: www.online-zfa.de

Herzliche Grüße,

Ihr

Andreas Sönnichsen


(Stand: 31.05.2011)

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