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„Viagra für die Frau“: Durchgefallen

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Natürlich wissen alle Leser/innen der ZFA, was HSDD ist. Nein, noch nie gehört? Da scheinen Sie doch tatsächlich nicht ganz auf dem Laufenden zu sein: HSDD ist die Abkürzung für „hypoactive sexual desire disorder“; eigentlich müsste es F(female)HSDD heißen, denn betroffen sind nach Angaben des Erfinders nur Frauen. Wie das letzte Wort („disorder“) andeutet, eine Krankheit – also nehmen Sie das bitte nicht auf die leichte Schulter!

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat vor kurzem einen Antrag bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA gestellt, eine ursprünglich als Antidepressivum entwickelte Substanz namens Flibanserin zur Behandlung dieser Krankheit zuzulassen. Auf der Internetseite der in Bielefeld beheimateten Pharmaagentur MediaDialog (www.alltagsbeschwerden.de/sexualitaet/ flibanserin-libido.htm) heißt es zu Flibanserin: „Anders als Viagra für Männer, kann das neue Mittel nicht nach Bedarf eingenommen werden. Vielmehr ist es für Dauermedikation gedacht, um die dauernde Funktion im Gehirn zu gewährleisten, da sich die Wirkung erst mit der Zeit einstellt.“

Ein Medikament auf der Suche nach einer Krankheit hat der australische Medizinjournalist Ray Moynihan diese Strategie in seinem Buch über das Vermarkten und den Verkauf von Krankheiten genannt (Selling Sickness: How the World's Biggest Pharmaceutical Companies Are Turning Us All Into Patients; 2005).

Nun hat die für Flibanserin eingesetzte elfköpfige Kommission der FDA mit einem Votum von 10:1 entschieden, dass aus den vorgelegten Studiendaten eine Wirksamkeit der Substanz für die beanspruchte Indikation nicht erkennbar sei. Kommentar des Fernsehsenders CBS: „Arzneimittelfirmen haben mehr als zwei Dutzend Mal versucht, Medikamente zu vermarkten, die das Geschlechtsleben von Frauen ,auf Trab bringen sollen‘. Für viele Frauen aber ist die Idee, dafür eine tägliche Pille einzuwerfen, offenbar nicht so sexy".

Foto: fotolia/Kaarsten


(Stand: 14.10.2010)

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