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ZFA – Allgemeinmedizin oder Forschung über Allgemeinmedizin

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Leserbrief von Dr. Stefan Kröger

Sehr geehrte Herausgeber, ich beziehe als DEGAM-Mitglied seit Längerem die ZFA. Ich möchte mich kurz fassen und ein Problem (aus meiner subjektiven Sicht) der ZFA benennen: So sehr mir auch der (leider zu schlanke) Rest gefällt: Gefühlte 50 % der Originalartikel sind uninteressanter selbstreferentieller Schrott, der mich als angehenden Hausarzt nicht interessiert. Allein die Titel deuten schon an, dass es hier nicht um Allgemeinmedizin geht, oft auch nicht mal mehr um die medizinische Forschung im Bereich der Allgemeinmedizin. Vielmehr wird ganz im Geiste postmoderner Literatur eine neue Metaebene eingefügt und es geht im entferntesten Sinne um die Analyse der Forschung über die Allgemeinmedizin. Ich frage: Welchen Leser interessiert das?

Hier ein paar aktuelle Beispiele:

  • „Seminare in der Allgemeinmedizin: Strukturierung durch Leitsymptome und Fallvignetten“
  • „Warum nimmt ein Hausarzt an einer Interventionsstudie teil?“
  • „Konzeptentwicklung und Pilotierung eines Doktorandenkolloquiums in der Allgemeinmedizin“
  • „Rekrutierung von Hausarztpraxen für Forschungsprojekte“
  • und mein persönlicher Favorit: „Anrufen ohne Ende? Über das Gewinnen hausärztlicher Praxen für ein Versorgungsforschungsprojekt“

Ich weiß, für einige Arten der Promotion und Habilitation sind leider haufenweise Originalarbeiten nötig, von denen auch keiner erwartet, dass sie in irgendeiner Art und Weise interessant sind oder das Wissen der Welt mehren. Trotzdem: Warum muss der Output dieser sinnfreien und ungelenken akademischen Bemühungen mit inflationären Autorenlisten ausgerechnet in „meiner“ Fachzeitschrift erscheinen? Bitte bleiben Sie Ihrem Titel treu „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“ oder benennen Sie sie um in „Analyse der Forschung über die Allgemeinmedizin“.

P.S.: Es gibt auch Ausnahmen z.B. „Die schwierige Wunde“.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Stefan Kröger

AiW Allgemeinmedizin

Abdominalzentrum

Caritas-Klinik Pankow

Breite Straße 46/47

13187 Berlin

Stefan.Kroeger@caritas-klinik-pankow.de

Antwort von Prof. Dr. H.-H. Abholz für die Herausgeber

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen. Die Herausgeber möchten darauf hinweisen, dass die ZFA als wissenschaftliche Zeitschrift ein sehr breites Spektrum von Leserinteressen bedienen muss – nicht nur von praktizierenden Hausärzten, sondern auch von Wissenschaftlern und Lehrern in unserem Fach. Der ausreichende Platz für Publikation und Diskussion für die letztere Gruppe ist nicht ganz unwichtig, da keine weitere wissenschaftliche allgemeinmedizinische Zeitschrift in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Aus diesem breiten Aufgabenspektrum resultiert fast zwangsläufig, dass – wechselnd von Heft zu Heft – immer einige Leser/innen mit dem Angebot unzufrieden sein könnten. Das ist schade, aber unvermeidlich. Man sollte sich aber vor Augen führen, dass solche Konflikte auch bei Zeitschriften mit engerem Artikelspektrum auftreten und auch deren Leser immer nur einige Artikel eines Heftes interessieren.

In Bezug auf die von Ihnen angesprochenen Originalarbeiten zur Forschungsdurchführung räumen wir allerdings ein, dass wir dieser Thematik in letzter Zeit vielleicht zu viel Raum gegeben haben. Wir würden uns freuen, wenn der ZFA künftig auch mehr Texte mit hausärztlich relevantem Fortbildungscharakter angeboten werden.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Direktor i.R.

Institut für Allgemeinmedizin

Heinrich-Heine-Universität

Universitätsklinikum

Moorenstr 5, 40225 Düsseldorf

abholz@med.uni-duesseldorf.de


(Stand: 17.10.2012)

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