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Perverser Ansatz

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Dass die Vertreterbesuche für Pharmafirmen offenbar immer noch einträglich sind, zeigt die Zahl von 15.000 Außendienstmitarbeitern, die pro Jahr schätzungsweise 20 Millionen Mal Arztpraxen und Krankenhäuser in Deutschland aufsuchen.

Unter den Leser/innen der DEGAM-Benefits gibt es bekanntlich viele, die in ihren Praxen keine Arzneimittelvertreter (sog. Pharmareferenten) mehr empfangen, sondern ihre knappe Zeit mit sinnvolleren Aktivitäten verbringen. Diejenigen aber, die nicht zur Spezies der „Verweigerer“ gehören, sollten sich einmal das folgende Szenario vorstellen:

  • Ein Pharmavertreter kommt in die Praxis und bietet der Ärztin oder dem Arzt an, die Praxisdaten von einem externen Berater analysieren zu lassen, um „Optimierungspotenziale aufzuzeigen“ und Regresse zu vermeiden. Kostenpunkt: 119 Euro.
  • Nach Zustimmung für diesen kostengünstigen und vielversprechenden Deal bekommt der Pharmareferent Zugang zum Praxis-PC und lädt im Beisein des Arztes/der Ärztin die vertraulichen Dateien auf einen USB-Stick.
  • Der Stick wird dann von der Kollegin/dem Kollegen an den externen Berater geschickt, der die Daten auswertet und einen Bericht verfasst.

Meinen Sie, dass es sich hier um einen vorgezogenen Aprilscherz handelt? Oder fürchten Sie, hier würden die ärztliche Schweigepflicht gebrochen und Persönlichkeitsrechte der Patienten verletzt? Wie auch immer: Das geschilderte Szenario ist echt und der Konzern, der diese suspekte Vorgehensweise detailliert entwickelt hat, heißt ... Novartis.

Wie der Spiegel berichtete, nennen interne Unterlagen des Basler Konzerns Ross und Reiter. So sitzt der Berater in Halle und lebt natürlich nicht nur von dem Trinkgeld von 119 Euro, sondern wird zusätzlich auch noch von Novartis entlohnt.

Das Unternehmen weist – wer hätte das vermutet – jede böse Absicht von sich. Man habe „hohe ethische Standards, die selbstverständlich auch die gesetzlichen Regelungen zum Datenschutz beinhalten“. Und der sog. Abrechnungsexperte versichert treuherzig, dass „patientenbezogene Auswertungen hier nicht erstellt“ und „Daten nicht an Dritte weitergegeben“ würden. Wer´s glaubt, wird selig …

Proteste gegen dieses Vorgehen kommen inzwischen auch von renommierten Vertretern der ärztlichen Selbstverwaltung.

Den von der Journalistin Kathrin Elger verfassten Artikel finden Sie unter www.spiegel.de/spiegel/print/ d-84519372.html

Foto: fotolia/Pixelot


(Stand: 17.10.2012)

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