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„Allgemeinmedizin in Zahlen“ – Fazit eines DEGAM-Forschungskurses

DEGAM-Forschungskurs – Basis-Modul vom 12.-13. Dezember 2014 im Institut für Allgemeinmedizin, Technische Universität München

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Rieke Schnakenberg, Susann Schaffer

In der Sektion Forschung der DEGAM wird seit längerer Zeit die Notwendigkeit des Wiederauflebens eines Forschungskurses für Wissenschaftler diskutiert. Zwischen 1994 und 2009 hatte die DEGAM in Zusammenarbeit mit der Abteilung Allgemeinmedizin der Universität Göttingen und dem Lehrbereich Allgemeinmedizin der Universität Freiburg 15 jährliche Forschungskurse durchgeführt. Diese basierten auf themenorientierter Kleingruppenarbeit, in denen Forschungsfragen generiert und Ideen zur Umsetzung entwickelt wurden. Zu Themen wie zum Beispiel Demenz, Tinnitus oder Polypharmazie wurden Projektskizzen erstellt, diskutiert und die Projekte dazu in den folgenden Monaten umgesetzt. Der jetzige Forschungskurs beruht auf einem themenübergreifenden Konzept, das der Vermittlung von methodischem und statistischem Wissen dient. Die Professoren Schneider und Linde vom Institut für Allgemeinmedizin der TU München nahmen sich des Forschungskurses mit diesem neuen Konzept an, um damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung allgemeinmedizinischer Forschung zu leisten. Das „Basis-Modul“ des Forschungskurses mit Fokus auf quantitativen Methoden fand im Dezember 2014 mit elf Teilnehmern in München statt. Im Vorfeld des Kurses nahmen Schneider und Linde Kontakt mit den Teilnehmern auf, organisierten ein erstes Kennenlernen während des letzten DEGAM-Kongresses und verschickten vorab Unterlagen zur Einstimmung auf die Inhalte des Forschungskurses.

Wer nahm teil?

Bereits in der Vorstellungsrunde zeigte sich die enorme Heterogenität der Gruppe. Teilnehmer mit und ohne Forschungserfahrung, praktizierende Hausärzte, teils in Forschung und Lehre tätig, wissenschaftliche Mitarbeiter, Mediziner, aber auch Psychologen und Gesundheitswissenschaftler aus Deutschland und Österreich waren unter den Teilnehmern. Die erste Lehreinheit begann, wie in der realen Forschungspraxis auch, mit der wissenschaftlich korrekten Formulierung einer Forschungsfrage und der Findung eines passenden Studiendesigns. Im weiteren Verlauf wurde statistisches Basiswissen vermittelt und aufgefrischt, um Studienergebnisse interpretieren und einordnen zu können. „Woran kann ich festmachen, ob eine Intervention wirksam ist oder nicht?“ Diese und andere Fragen führten zu regen Diskussionen, die zur Verdeutlichung der Stärken und Schwächen verschiedener Studiendesigns beitrugen. Der Abend klang bei einem gemütlichen gemeinsamen Essen aus und bot Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Am zweiten Tag behandelten wir ausgewählte inferenzstatistische Verfahren. Abschließend wurden Vorgehen und Ergebnisinterpretation diagnostischer Verfahren sowie von Querschnitts- und Kohortenstudien besprochen. Zur Veranschaulichung statistischer Verfahren und methodischer Fragen wurden Studienbeispiele und die von Teilnehmern berichteten Forschungsprojekte verwendet.

Unser Fazit: Wir fanden den Kurs prima! Die kleine Gruppengröße und die interessanten Diskussionen sorgten für einen offenen und konstruktiven Austausch in einer äußerst angenehmen Arbeitsatmosphäre. Wir bekamen einen guten Einblick in die für die Allgemeinmedizin relevante Statistik und Methodik. Beide Referenten zeigten durch die Darstellung eigener Studien anschaulich methodische Fallstricke auf.

Wie wurde der Kurs bewertet?

Die Evaluationsergebnisse des Kurses bestätigten unseren subjektiven Eindruck. Die Teilnehmer bewerteten den Forschungskurs auf einer Skala von eins bis sechs im Gesamturteil mit sehr gut. Die erfolgreiche Durchführung des Kurses wurde ebenso in den sehr guten Bewertungen der beiden Referenten und den vielfachen Nennungen (z.B.: angenehme Atmosphäre, Diskussionen, Nähe zur Praxis etc.) zu der Frage, was den Teilnehmern besonders gut gefallen hat, deutlich. Die Teilnehmer wünschen sich regelmäßig stattfindende Forschungskurse zu unterschiedlichen Themen, wie z.B. zur qualitativen Forschung und Qualitätssicherung mit einem größeren Anteil an praktischen Übungen und darüber hinaus aufbauende Kurse zur Vorbereitung auf erste eigene Studien.

Fazit

Aus der Perspektive der praktizierenden Allgemeinmediziner, die sich zukünftig stärker in die Forschung einbringen möchten, gab der Forschungskurs einen sehr guten Überblick zu gängigen quantitativen Methoden. Für die teilnehmenden Nicht-Mediziner war dieser Kurs ebenfalls ein großer Gewinn, insbesondere die lebhaften Diskussionen trugen dazu bei, die allgemeinmedizinische Sichtweise zu forschungsrelevanten Themen näher zu bringen. In diesen beiden Tagen wurde klar, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch ist, um die Versorgungs- und Gesundheitsforschung fachlich-kompetent und effektiv vorantreiben zu können.

Korrespondenzadresse

Daniela Mauer, Psych. M.Sc.

Institut für Hausarztmedizin

Universitätsklinikum Bonn (AöR)

Sigmund-Freud-Straße 25

53127 Bonn

Tel.: 0228 287 13735

d.mauer@ukb.uni-bonn.de

www.ukb.uni-bonn.de/allgemeinmedizin


(Stand: 18.11.2015)

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