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Keine Angst mehr vor Abkürzungen – die 6. DEGAM-Summerschool in Lübeck

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Philipp Linde

Von Mittwoch, den 24.08., bis Sonntag, den 28.08.2016 begrüßte uns das Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, zur 6. DEGAM-Summerschool. Bei sommerlichen 25°C und einer ausgefallenen Klimaanlage im Audimax trafen sich 27 Studierende aus ganz Deutschland und die Dozentinnen und Dozenten der kommenden Tage. Prof. Dr. Jost Steinhäuser (Direktor des Instituts) und Kristina Jäkel (Ärztin in Weiterbildung) begrüßten uns herzlich. In Kleingruppen lernten wir uns untereinander kennen und stellten uns im Plenum vor. Anschließend ließen alle Teilnehmer den ersten Abend mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Der Akademietag begann mit dem ersten Teil der „Fünf-Sinne-Diagnostik“ durch Dr. Frank Niebuhr. Der fünfte Sinn war hier nicht das Schmecken, sondern das Narrativ. Die Studierenden sollten lernen, wie der ärztliche Notdienst funktioniert und wie man in Notfallsituationen mit wenigen Mitteln Diagnosen stellen kann.

Anschließend fand der praxisorientierte Kleingruppenunterricht im Lehr-OP statt. Anhand von Fallbeispielen übten die Teilnehmer körperliche Untersuchungsmethoden und die Präsentation der Untersuchungsergebnisse. Das Mittagessen nahmen wir stilecht in der Mensa ein. Der Nachmittag startete mit einem didaktisch hervorragenden Vortrag über das Gesundheitssystem von PD Dr. phil. Dipl.-Soz. Katja Götz, der glücklicherweise nicht frontal, sondern zum Mitarbeiten angelegt war. „Mir hat noch nie jemand das Gesundheitssystem so interessant und einprägsam erklärt“, zeigte sich Anne Grützner, Studierende im 6. Semester in Leipzig, begeistert. „Jetzt habe ich keine Angst mehr vor den ganzen Abkürzungen.“

Den Abschluss des ersten Tages bildete ein Kommunikationstraining, in dem wir das MAAS-Global-D-Evaluationstool für ärztliche Gesprächsführung kennenlernten. „Das hat mir neue Denkanstöße gegeben“, sagte Roman Wenzel, Studierender im 11. Semester in Würzburg und Mitglied der DEGAM-Nachwuchsakademie. „Man lernt zu reflektieren, ob man das im Patientengespräch selbst auch so macht.“

Stärken und Erholen konnten wir uns in einem Restaurant in einem ehemaligen Hafengebäude direkt an der Trave. Im Anschluss an die kulinarische „Verwöhnung“ stand eine abendliche Stadtführung an. Vor allem von den kleinen Gässchen und Hinterhöfen Lübecks waren alle begeistert.

Den Freitag eröffnete Dr. Niebuhr mit dem zweiten Teil der „Fünf-Sinne-Diagnostik“. Prof. Dr. Jean-François Chenot setzte den Vormittag in einem lebhaften Vortrag mit Plenumsdiskussion zur „Rationalen Pharmakotherapie“ fort, in dem die Teilnehmer unter anderem lernten, Werbung der Pharmaindustrie kritisch zu analysieren und zu fragen, wo Mediziner unabhängige Informationen bekommen. „Jetzt versteht man wirklich, warum die DEGAM pharmafrei ist“, erklärte Leonard Mathias, Studierender im 10. Semester in Greifswald und Mitglied der Nachwuchsakademie. Anschließend fanden sich die Studierenden im Lehr-OP ein, um in Kleingruppen etwas über Manualtherapie zu lernen und erste praktische Erfahrungen damit zu sammeln.

Der bis dahin eng getaktete Freitag entschleunigte sich nach unserer Ankunft in Travemünde, wo wir in den Genuss einer Fahrt auf dem Hanseschiff „Lisa von Lübeck“ auf der Ostsee kamen. Der späte Nachmittag und Abend stand allen zur freien Verfügung und wurde unterschiedlich genutzt: (Sonnen-) baden, Spazierengehen auf Priwall, Fischbrötchen-Verkostung ...

Um „Notfälle und wichtige Prozeduren in der Hausarztpraxis“ ging es am Samstagmorgen im Trainings- und Übungszentrum für ärztliche Fertigkeiten und Techniken Lübeck (kurz: tüftl). Studentische Tutoren und ärztliche Dozenten zeigten uns Nähen, das Legen von Magensonde, Verweilkanüle und Blasenkatheter, Sonografie zum Ausschluss von Thrombosen, Reanimation, EKG-Anlegen und -Interpretation und sogar die Pleurapunktion am Modell – ausprobieren ausdrücklich erwünscht.

Vorträge zum „Qualitätsmanagement in der Praxis“ von Dr. Carsten Leffmann, dem ärztlichen Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein, „Praxismanagement“ von Prof. Dr. Jens-Martin Träder und Impulsvorträge zu „Hausbesuchen“ rundeten den Samstag ab. Hier lernten wir den Unterschied zwischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, dass man medizinische Geräte nach der Medica kaufen sollte, und was ein Hundefoto auf dem Nachttisch eines Patienten bedeuten kann: Er war ein Patient, dem Hunde wichtiger waren als Menschen, inklusive seiner eigenen Familie. Der Hund auf dem Foto war nicht mal sein eigener, also sollte man in diesem Fall vielleicht die Hunde zur Motivation nutzen, da „Sie wollen doch auch für Ihre Familie gesund sein“ hier nicht so gut funktionieren würde ...

In einem gemütlichen Lokal mit Außenterrasse und ummantelt von der Lübecker Museumsnacht ließen wir bei gutem Essen und Getränken die vergangenen Tage Revue passieren. „Der offene Austausch mit erfahrenen Ärzten und vielen Gleichgesinnten ist toll“, freute sich Maria Bauer, Studierende im 11. Semester in Würzburg und Mitglied der Nachwuchsakademie. „Man merkt, dass man als Student mit Interesse an Allgemeinmedizin nicht allein dasteht. Das hat fast Selbsthilfegruppencharakter.“

Ein gemeinsames Frühstück in der Jugendherberge bildete den Abschluss der diesjährigen 6. Summerschool, die mit der Schulnote 1,1 evaluiert wurde.

Im Namen aller Studierenden bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen Dozentinnen und Dozenten, den Organisatoren und der DEGAM für lehrreiche, (ent-)spannende und großartige Tage in Lübeck.

Abbildungen:

Abbildung 1 Die 6. Summerschool der DEGAM

© Jens-Martin Träder

Abbildung 2 Trainingssituation

© Kristina Jäkel


(Stand: 17.10.2016)

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