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Der Lösung auf der Spur – die 7. DESAM-Summerschool in Marburg

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Vanessa Wenzel, Gregor Bleile


Vom 28. August bis 1. September 2017 kamen in Marburg 23 Medizinstudierende aus ganz Deutschland zusammen, um an der Summerschool für Allgemeinmedizin teilzunehmen. Das diesjährige Motto „Der Lösung auf der Spur” setzte den Schwerpunkt auf die Diagnostik.

Nach einer Begrüßung und Einleitung von Prof. Erika Baum und Prof. Annette Becker gestaltete Prof. Donner-Banzhoff den thematischen Einstieg mit dem Vortrag „Diagnostik mit Hirn, Herz und Bauch”. Er berichtete von weit verbreiteten, aber trotzdem fehlerhaften Diagnostik-Algorithmen, wie jener Entscheidungshilfe für oder gegen eine Antibiotikagabe abhängig von der Sputumfarbe. Auch die Aussagekraft von technischer Diagnostik wurde kritisch beleuchtet.

Am Abend wurde der Tag abgerundet durch eine Stadtführung durch Marburg, bei der wir auf den Spuren der Heiligen Elisabeth, Emil von Behring und der Brüder Grimm wandelten und das zahlreich erhaltene Fachwerk bewunderten. Die besonders Aktiven erklommen im Anschluss noch einige weitere Stufen hinauf zum Landgrafenschloss, um die Aussicht zu genießen.

Am Dienstag startete Prof. Stefan Bösner in die Kunst der Blickdiagnosen, die er als ein Mittel sieht, um eine der übergeordneten Aufgaben der hausärztlichen Versorgung wahrzunehmen: den Patienten vor Überdiagnostik zu bewahren.

Nachdem wir einen Überblick über die Ökologie der Versorgung bekommen hatten, schloss Ulrich Weigelt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, mit einem Exkurs zur Berufspolitik an und zeigte weitere Perspektiven für das Betätigungsfeld des Hausarztes auf. Aktuelle Themen wie Telemedizin, Polypharmazie oder Hausarztzentrierte Versorgung wurden in einem leidenschaftlichen Vortrag dargelegt.

Nachmittags widmeten wir uns dem Schwindel. Als besonders wertvolles Diagnostikwerkzeug wurden validierte Fragen vorgestellt und praktische Übungen zu den verschiedenen Lagerungsmanövern geprobt.

„Hinter der Tür befindet sich euer hausärztliches Sprechzimmer und darin sitzt Frau Schneider. Los geht’s!”. Mit dieser Aussage waren die Teilnehmenden konfrontiert. Frau Schneider ist in diesem Fall einer von vielen Namen, hinter denen sich ein Simulationspatient versteckt. Ein Freiwilliger führte daraufhin das Anamnesegespräch, demonstrierte Techniken der körperlichen Untersuchungen und entwickelte mit dem Patienten das weitere Vorgehen. Währenddessen beobachteten der Rest der Gruppe und eine geschulte Tutorin ihn durch eine verspiegelte Scheibe.

Nach dem lehrreichen Tag folgte eine gemeinsame Wanderung am therapeutischen Teilchenbeschleuniger vorbei zum Spiegelslustturm und der Abstieg in die Stadt.

Der dritte Tag der Summerschool drehte sich um Luftnot. Wir arbeiteten mit Wahrscheinlichkeiten und trafen auf paradoxe Phänomene, sodass sowohl ein Vorhandensein von Husten als auch ein Nichtvorhandensein eine Lungenembolie beim Leitsymptom Luftnot wahrscheinlicher machen. Besonders in der hausärztlichen und kassenärztlichen (Not-)Versorgung liegt die Schwierigkeit häufig in der Atypie der Symptomatik, die manchmal auch durch besonders frühe Verläufe gekennzeichnet ist.

Einprägsam war das Vertrauen auf das unspezifische Alarmgefühl „Ich weiß nicht, was der Patient hat, aber er gefällt mir nicht.”

Nach dem Mittagessen in der Mensa erlebten wir den interdisziplinären Höhepunkt: Prof. Hubert Locher führte mit uns einen methodischen Dialog zwischen Kunstgeschichte und Medizin durch. Im Prinzip unterscheidet sich die Tätigkeit des Kunsthistorikers und die des Mediziners nur durch das Objekt. Beide betrachten, untersuchen, lesen sich viel an und fällen dann ein Urteil über Herkunft und Bedeutung des Wahrgenommenen.

Der Donnerstag näherte sich mit Fallbeispielen, weiteren Simulationspatienten und einem beinahe spielerischen Herangehen an die Leitsymptome Kreuzschmerz, Müdigkeit und Bauchschmerzen.

Am letzten Tag schlossen wir die Woche mit einer Unterrichtseinheit zum Optimieren von Medikationsplänen. So ist oft nicht jedes Medikament noch immer indiziert und es gehört zur hausärztlichen Tätigkeit, die Sinnhaftigkeit der vorhandenen Verordnungen auch kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls abzusetzen. Dies übten wir im Anschluss anhand eines Beispiels.

Als gelungenem Abschluss wurden der wissenschaftliche Vorgang des Diagnostizierens sowie der Umgang mit diagnostischen Unsicherheiten beleuchtet und allen Teilnehmern der Summerschool 2017 feierlich das Teilnahmezertifikat verliehen.

Im Namen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedanken wir uns noch einmal sehr herzlich bei den Dozenten, Organisatorinnen und der DESAM für die wundervolle und lehrreiche Woche an der Lahn.

Abbildungen:

Abbildung Auskultation am Simulator


(Stand: 16.10.2017)

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