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„Kongressitis”

DOI: 10.1055/s-2007-992125

„Kongressitis”

Editorial 431 „Kongressitis“ Unter diesem Titel kommentierte Eugen Roth in den „Rezepten vom Wunderdoktor“ (1939) die Neigung der Ärzteschaft zu Kongressbesuchen eher missfällig. Er polarisiert dabei zwischen zwei Arzttypen, wobei durchaus klar wird, wem seine Sympathie gehörte: „…Die Ärzteschaft sich heute trifft. In Tokio und Daxelburg, wo Internist sich und Chirurg bereden teils und teils belauschen, das neuste Wissen auszutauschen … der Arzt des Fortschritts sei gepriesen, im Gegensatz zum Feld-Wald-Wiesen-, der, fern der jüngsten Wissenschaft, zu Hause Krankenscheine rafft. Doch einen Vorteil hat auch der: Er kann gleich kommen, braucht ihn wer.“ Anders als damals augenzwinkernd angedeutet, arbeiten heute auch die in Stadt und Land versorgenden Hausärzte nicht mehr fern der jüngsten Wissenschaft, sondern ausdrücklich mit dem Anspruch der „Anwendung einer kritischen und auf Forschung basierenden Arbeitsweise in der Praxis und Förderung derselben durch ein kontinuierliches berufsbegleitendes Lernen und Qualitätsverbesserung“ – so die Fachde?nition der WONCA (Weltorganisation der Allgemeinärzte), praktisch umgesetzt z. B. in den regen Diskussionen im Listserver Allgemeinmedizin. In diesem Herbst gab es zahlreiche Gelegenheiten, auf Kongressen Wissen auszutauschen und auch hinzu zu gewinnen. Die erste Stelle gebührt dem DEGAM-Kongress Mitte September in Berlin, der dieses Mal getrennt von der Tagung des Hausärzteverbandes stattfand, wenn auch in der gleichen Stadt. Immerhin fanden einige Delegierte des HÄV auch den Weg zum Benjamin-Franklin-Klinikum. Schwerpunktthema war „Hausarzt und Patient – Verwaltung oder Beziehung“. Es gab spannende Plenarvorträge zum Thema sowie zahlreiche Projektpräsentationen, eine Vorstellung neuer DEGAM-Leitlinien und eine Diskussion des in Entstehung begriffenen DEGAM-Positionspapers zur Versorgung von Patienten mit chronischen Krankheiten. Ein besonderes Highlight war auch die Posterbegehung und Prämierung der besten Poster – mehr dazu in diesem Heft. E. Hummers-Pradier Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2007-992125 Z Allg Med 2007; 83: 431 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. E. Hummers-Pradier Abteilung Allgemeinmedizin Medizinische Hochschule Hannover Carl-Neuberg Straße 1 30625 Hannover hummers-pradier.eva@mhhannover.de Nur eine Woche später fand das Herbsttreffen des EGPRN (European General Practice Research Network) in Vilnius, Litauen statt. Rund um das Thema „Mental Health in General Practice“ tauschten sich hier knapp 100 Hausärzte aus 24 europäischen Ländern aus und diskutierten und planten in freundlicher, konstruktiver WorkshopAtmosphäre ihre Forschungsprojekte. Im Oktober folgte der große Europa-Kongress der WONCA (Weltorganisation der Allgemeinärzte) in Paris mit fast 5000 Teilnehmern aus der ganzen Welt. Hier mag Eugen Roths bissiges Wort von den Mediziner–Märkten zwar eine gewisse Berechtigung haben. Dennoch gibt es wohl keine Veranstaltung, die auf engem Raum und in wenigen Tagen so viele Hausärzte und an der Allgemeinmedizin Interessierte zusammenführt und sichtbar macht, was Allgemeinärzte weltweit forschen und lehren. Der interdisziplinäre Kongress für Versorgungsforschung fand in diesem Jahr gemeinsam mit dem Nationalen Präventionskongress in Dresden statt, die DEGAM war als beteiligte Fachgesellschaft und durch individuelle Delegierte „im Boot“. Das (bei dieser Kombination nahe liegende) Thema „Von der Versorgungsforschung zur Prävention“ war von hoher hausärztlicher Relevanz, die DEGAM nahm sich hier vor allem der Themen „Hausärztliche Versorgung im Bereich kardiovaskuläre Erkrankungen“ und „Arzneitherapie im Alter an“. Nicht zuletzt gab es in zwei Mitte November leider parallel statt?ndenden Tagungen Gelegenheit, sich ausführlich über Entwicklungen in der (allgemein-) medizinischen Lehre zu informieren bzw. diese mit zu gestalten: Die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin GHA führte ihre Jahresversammlung und Workshops zu Lehre und Didaktik in Heidelberg durch, parallel dazu tagte die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung in Hannover. All diese Veranstaltungen sind keineswegs nur ein Forum für Menschen mit akademischen Ambitionen oder Positionen – sie sind ein idealer Ort, mit gleich gesinnten Kollegen aktiv Fortbildung zu betreiben und das Wissen im Fach Allgemeinmedizin selbst mit zu gestalten. Es bleibt Ihnen nur – sicher auch im nächsten Jahr wieder – die Qual der Wahl. Ihre Eva Hummers-Pradier Z Allg Med 2007; 83: 431


(Stand: 11.11.2007)

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