Loading...

ZFA-Logo

Kommentar zum Artikel von D. Moßhammer und G. Lorenz (S. 482–486)

PDF

Carsten Kruschinski

Mit dem Angebot, Allgemeinmedizin als Wahlfach im Praktischen Jahr zu belegen, besteht für die medizinischen Fakultäten respektive die allgemeinmedizinischen Institute die Notwendigkeit, dieses Lehrformat didaktisch und konzeptionell zu begleiten. Moßhammer und Lorenz stellen in ihrem Artikel die Frage „Welche Lerninhalte können im Praktischen Jahr Allgemeinmedizin aus Sicht der Lehrärzte vermittelt werden?“ und haben in Ergänzung zu bereits anderswo formulierten Lernzielen für das PJ Allgemeinmedizin den Bedarf (Schritt 1 des „Kernzyklus“ [1]) noch einmal spezifiziert.

Gängige in der Approbationsordnung (ÄAppO) formulierte Lernziele bilden den rechtlichen Rahmen für curriculare Reformbestrebungen an den Fakultäten – so auch für das PJ Allgemeinmedizin. Deren Inhalte entspringen jedoch einer eher alltagsfernen Universitätsmedizin und sind deshalb nur bedingt in der Lage, hausärztliche Kompetenzen abzubilden, wenn auch in den Studienordnungen der Modellstudiengänge (so z. B. bei „HannibaL“ in Hannover) zunehmend mit „für den medizinischen Alltag“ ausgebildeten Ärzten geworben wird.

Welche Inhalte hingegen wir uns als Hausärzte für die allgemeinmedizinische Ausbildung wünschen, ist ja nicht neu und beispielsweise in der EURACT-Ausbildungsagenda hinterlegt [2]. Diese finden sich bei Moßhammer und Lorenz unter den schwieriger vermittelbaren rollenspezifischen Fertigkeiten und sog. soft skills wieder. Darüber hinaus plädieren die Autoren für eine Stärkung rein kognitiver Lernziele (Pharmakologie, Pathophysiologie) im Sinne der ÄAppO, was jedoch der Forderung nach einem kompetenz- und outcomebasierten Curriculum [2] weniger nahekommen dürfte.

Wenn Moßhammer und Lorenz nach der „Vermittelbarkeit“ von Lerninhalten suchen, stellen sie gleichzeitig die Frage nach dem „wie“ und implizieren damit die Auswahl geeigneter Lehrmethoden und somit das Voranschreiten im sog. Kernzyklus [1]. Bei dieser Gelegenheit wäre eine Analyse der Barrieren wünschenswert gewesen, d. h. warum bestimmte Lerninhalte nach Ansicht der Lehrärzte schwerer vermittelbar sind: Liegt es am Praxissetting oder fühlen sie sich beispielsweise didaktisch nicht ausreichend kompetent? Aus Fokusgruppen wissen wir [3], dass PJ-Studierende (bedingt durch die intensive 1 zu 1 Betreuung in den Praxen) hausärztliches Rollenverhalten, effizientes Arbeiten oder Aspekte der Praxisorganisation durchaus zu lernen scheinen. Mit welcher Methode solche Aspekte vor dem Hintergrund deutscher Praxisrealität aber gezielt am besten vermittelt werden könnten, ist unseres Wissens nicht ausreichend untersucht. Es wäre zu wünschen, die allgemeinmedizinische Ausbildungsforschung über weitere Bedarfsanalysen und Bestandsaufnahmen hinaus nun dahingehend zu spezifizieren und methodisch weiterzuentwickeln.

Die Autoren schlussfolgern, dass es auf Basis ihrer Arbeit möglich sei, „auf etwaige Lücken in der Ausbildung im PJ Allgemeinmedizin gezielt einzugehen“. Diese Konklusion erlaubt die vorliegende Arbeit unseres Erachtens gerade nicht. Ob die Lerninhalte, die aus Sicht der Lehrärzte „(nicht) erfolgreich gelehrt“, auch tatsächlich „(nicht) erfolgreich vermittelt“ werden können, kann mit der methodischen Anlage der Studie nicht sicher beantwortet werden. Wie in der Diskussion durch die Autoren eingeräumt, sind die eingesetzten Kriterien dafür weder ausreichend valide noch überhaupt klar definiert. Aus diesem Grund kann die vorliegende Untersuchung zwar Hinweise für die Ermittlung von Barrieren liefern, einen Hinweis auf vorhandene Defizite liefert sie unseres Erachtens nicht.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Guido Schmiemann, MPH

Institut für Allgemeinmedizin

Medizinische Hochschule Hannover

Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover

E-Mail: schmiemann.guido@mh-hannover.de

Literatur

1 Kern DE, Thomas PE, Howard DM, Bass EB. Curriculum development for medical education. Baltimore: Johns Hopkins Univ Pr, 1998

2 www.euract.org/pdf/agenda.pdf

3 Kruschinski C, Eberhard J, Hummers-Pradier E, Schmiemann G. „In der Funktion als Arzt“: Erwartungen an das PJ Allgemeinmedizin aus Sicht von Studierenden. DEGAM-Kongress 2009, angenommenes Abstract


(Stand: 31.05.2011)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.