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Clopidogrel + PPI - eine gefährliche Kombination

Wenige Wochen nach Publikation zweier Beobachtungsstudien aus Kanada und den USA zu Wechselwirkungen zwischen Clopidogrel und Protonenpumpeninhibitoren empfiehlt die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde EMEA, diese Kombination zu vermeiden. PPI hemmen in der Leber das zum Cytochrom P450-System gehörende Enzym CYP2C19 und schwächen auf diesem Wege die Wirksamkeit von Clopidogrel ab.

In der kanadischen Studie erlitten Patienten mit der Kombination häufiger einen Reinfarkt als Patienten der Kontrollgruppe. Die Resultate bezogen sich (statistisch allerdings sehr knapp) nicht auf Pantoprazol.

In der US-Studie starben Patienten (die Clopidogrel wegen eines akuten Koronarsyndroms erhielten) häufiger bzw. wurden öfter wegen eines Reinfarkts stationär aufgenommen. Interessanterweise fanden die amerikanischen Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen den einzelnen PPIs – die Publikation erwähnt aber auch an keiner Stelle explizit, dass eine solche Differenzierung untersucht wurde.

Wenn man die beiden Studien für die eigene Praxis bewerten will, sollte man vielleicht einige wichtige Aspekte beachten:

  • Zum einen handelt es sich „lediglich“ um Beobachtungsstudien, die stärker fehleranfällig sind als kontrollierte Doppelblindstudien. Nur in einer der beiden Studien unterschied sich Pantoprazol – soeben signifikant – von den anderen PPIs.
  • Zum anderen werden – nicht nur hierzulande – Clopidogrel, aber auch NSARs, viel zu häufig ohne klare Indikation mit einem PPI kombiniert.
  • Wenn also ein Patient eine solche Kombination nicht nur „aus Routine“, sondern aus wissenschaftlich belegter Indikation benötigt, sollte man Pantoprazol geben (das ja seit kurzem als Generikum verfügbar ist).

Juurlink DN et al. A population-based study of the drug interaction between proton pump inhibitors and clopidogrel. CMAJ 2009;180: 713–718

Ho PM et al. Risk of adverse outcomes associated with concomitant use of clopidogrel and proton pump inhibitors following acute coronary syndrome. JAMA 2009; 301: 937–944


(Stand: 31.05.2011)

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