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1. Summerschool Allgemeinmedizin in Freiburg

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Theresa Jüttner, Lena Rosenke, Stephanie Goldammer

Vier schöne Tage mit netten, interessierten Leuten in Freiburg, warme Tage mit neuen Perspektiven im Süden oder auch Lernen, das Spaß macht. So hätte die Überschrift unseres Berichtes auch lauten können. Aus ganz Deutschland trafen wir uns vom 31.08.2011–04.09.2011 in der Caritas-Akademie in Freiburg-Günterstal. Studierende der Humanmedizin vor allem aus den 4. und 5. klinischen Semestern. Den Teilnehmern aus Lübeck, Hannover, Göttingen, Gießen, Frankfurt, Köln, Jena, Dresden, Würzburg, Essen, Berlin und Freiburg war eines gemeinsam: das Interesse an der Allgemeinmedizin. 27 Teilnehmer darunter 4 Männer. „Das spiegelt die Zukunft in der Medizin wider“, so Prof. Dr. med. Jean-Francois Chenot aus Göttingen.

Die Motivation für unsere Bewerbung für die Summerschool Allgemeinmedizin war recht unterschiedlich. Einige waren sich sicher, dass sie nach dem Examen die Weiterbildung Allgemeinmedizin beginnen wollen. Andere waren sich noch unsicher und wollten die Seminare und Workshops als Orientierungshilfe nutzen, um mehr über die Arbeit eines Hausarztes zu erfahren und andere wollten schließlich mehr Sicherheit für das bevorstehende PJ bekommen.

Der erste Abend begann mit einem gemeinsamen Abendbrot und einer Kennenlernrunde, in der sich die Dozenten vorstellten und über Tätigkeiten in eigener Praxis, Forschung und Lehre an verschiedenen allgemeinmedizinischen Instituten berichteten. Es war interessant die einzelnen, ganz unterschiedlichen Werdegänge zu hören. Jeder hatte seine ganz persönliche Geschichte, wie sie/er zur Allgemeinmedizin gekommen ist – manchmal über Umwege. Trotz der unterschiedlichen Lebensläufe merkte man jedoch allen Dozenten an, dass sie mit Herzblut dabei sind und es niemals bereut haben, diesen Weg gewählt zu haben. Anschließend ließ der Abend noch genug Zeit, um sich untereinander mit Studenten und auch mit den Dozentinnen und Dozenten in lockerer Atmosphäre auszutauschen. Schnell wurde klar, dass an den einzelnen Universitäten die Fachbereiche der Allgemeinmedizin sehr unterschiedlich strukturiert sind. Solche mit gut ausgebauten Strukturen hatten die Studenten mündlich darüber informiert, dass eine erste Summerschool Allgemeinmedizin stattfindet. An Standorten mit eher unzureichend institutionalisierten Fachbereichen haben es die Studenten oft nur zufällig durch Flyer erfahren oder auf einem Plakat gelesen.

An den folgenden drei Tagen folgte ein gut durchorganisiertes und hervorragend vorbereitetes Programm mit verschiedenen Seminaren, in denen die 27 Teilnehmer z.T. noch in kleinere Gruppen aufgeteilt wurden. Es gab sehr unterschiedliche Themen, die behandelt wurden: „Blickdiagnostik“, „Wie suche ich ein Medikament aus?“, „Palliativmedizinische Versorgung“, „partizipative Entscheidungsfindung“, „Management chronischer Erkrankungen“, „Skelettuntersuchung“ und „Psychische Erkrankungen in der Hausarztpraxis“. Dass diese zunehmend vorkommen, hat uns Prof. Dr. med. Wilhelm Niebling aus seiner Erfahrung in der eigenen Praxis in Titisee-Neustadt berichtet. Anhand von zahlreichen Beispielen wurde das Thema sehr greifbar dargestellt.

Am Ende des Seminars zur „partizipativen Entscheidungsfindung“ wurde von uns ein Arzt-Patientenrollenspiel improvisiert, indem der „Arzt“ dem „Patienten“ dessen Möglichkeit der Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung erläuterte und ihn individuell beriet. So haben wir ein recht komplexes Thema in kurzer Zeit sehr gut verstanden und durch die praktischen Übungen verinnerlicht.

Praktisch wurde es aber besonders am letzten Tag, als wir ins STUDITZ der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität gefahren sind, wo wir aus fünf Angeboten: „Reanimation“, „EKG“, „Sonographie“, „Blutabnahme & Impfungen“ und „gynäkologische Vorsorge“ unsere drei Favoriten aussuchen durften und dazu dann in kleinen Gruppen praktische Übungen durchgeführt wurden. Die meisten Seminare wurden interaktiv gestaltet. Dabei war es besonders interessant zu sehen, dass das allgemeinmedizinische Wissen und auch die Fragen sehr ähnlich waren, unabhängig, von welcher Universität man kam.

In einer Podiumsdiskussion berichteten ein junger Allgemeinmediziner mit eigener Praxis und eine Allgemeinmedizinerin, die kurz vor ihrer Niederlassung steht, sowie zwei seit Jahrzehnten niedergelassene, erfahrene Hausärzte über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen bezüglich Praxisgründung und -führung. Es wurde beleuchtet, wie sich eine eigene Praxis mit Privatleben und eigener Familie vereinbaren lässt. Diese Veranstaltung bot viele neue Eindrücke vom Leben eines Hausarztes. Welche Ängste man vor einer Praxisgründung hat, ob man nach der Arbeit abschalten kann und welche Möglichkeiten es gibt, sich über belastende Fälle in der Praxis auszutauschen. Außerdem haben wir auch gelernt, dass eine eigene Praxis und ein glückliches Familienleben sich nicht gegenseitig ausschließen.

Neben allen medizinischen Themen gab es auch ein buntes Rahmenprogramm mit Stadtführung, Volleyball, gemeinsamem Jogging am Morgen und viele persönliche, offene und interessante Gespräche mit Lehrenden und Studenten.

Natürlich blieb am Abend noch genug Zeit, um Freiburgs attraktive Kneipenszene und die wärmste Stadt Deutschlands (wohl auch noch am Abend) kennenzulernen. Zum Schluss gab es ein reichhaltiges Abschlussessen mit allen Teilnehmern und Dozenten der Summerschool.

Fazit: Insgesamt war es eine spannende Woche in einer netten Atmosphäre mit Gleichgesinnten und vielfältigem Programm, das jeden sowohl fachlich als auch in der Wahl seiner Weiterbildung weitergebracht und neue Perspektiven aufgezeigt hat. Die Dozenten haben für die Seminare spannende Themen aus vielen verschiedenen Bereichen der Medizin zusammengestellt, die an der Uni oft zu wenig behandelt werden. In der Medizin begegnet man oft Ärzten, die einem sagen: „Hast du dir das mit dem Medizinstudium auch richtig überlegt? Ich denke mir heute, dass ich lieber etwas anderes hätte studieren sollen ...“. Daher tat es gut zu sehen, dass es doch auch ein Fachgebiet gibt, in dem man solch motivierte und fröhliche und ermunternden Ärzte findet, die ihren Beruf lieben. Die Dozenten stehen voll und ganz hinter dem, was sie tun und sind immer noch begeistert vom Beruf des Hausarztes. Mit Freude und Offenheit wurden alle unsere Fragen von ihnen beantwortet.

Nur eine Frage bleibt. Könnte man eine Initiative ins Leben rufen, für Medizinstudenten, die sich für die Allgemeinmedizin interessieren und sich für dieses Fach einsetzen wollen? Ein Netzwerk für die Interessierten und eine Grundlage dafür, dass man die Lehre und das Image der Allgemeinmedizin an den Universitäten verbessert?

Dann bleibt uns zum Schluss nur zu sagen: Vielen Dank an alle, die es uns ermöglicht haben, dass wir an dieser Summerschool teilnehmen durften! Vielen Dank für die Idee, eine Summerschool Allgemeinmedizin ins Leben zu rufen und so motivierte Ärzte einzuladen, die uns Medizinstudenten so viel Hoffnung und Lust auf mehr gemacht haben. Und vielen Dank an unsere Sponsoren DEGAM, GHA, Hausärzteverband Baden Württemberg und Förderverein Allgemeinmedizin Freiburg. Sie haben es möglich gemacht, dass unser Beitrag sehr gering ausgefallen ist – auch ohne Pharmafirmen.

Korrespondenzadresse

Theresa Jüttner

E-Mail: theresa.juettner@gmx.de

Abbildungen:

Abbildung Die Teilnehmer der 1. Summerschool Allgemeinmedizin in Freiburg.

1 Studentin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

2 Studentin an der Universität zu Lübeck


(Stand: 15.11.2011)

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