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(Un)typische Brustschmerzen bei Frauen nach Bestrahlung eines Mamma-Karzinoms: Kardiale Ischämie!

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In Ihrer Praxis stellt sich eine neue normalgewichtige Patientin vor. Sie ist 63 Jahre alt und klagt seit einigen Wochen über wiederkehrende Schmerzen in der linken Schulter, die besonders bei körperlichen Anstrengungen auftreten und gelegentlich bis zum Unterkiefer ausstrahlen. Ein vorausgehendes Trauma wird verneint.

Angesichts oft untypischer Beschwerden bei Frauen denken Sie u.a. auch an eine koronare Herzkrankheit. Die Patientin ist allerdings Nichtraucherin, und in der Anamnese tauchen weder ein erhöhter Blutdruck noch eine diabetische Stoffwechsellage auf. Die Eltern und zwei ältere Geschwister sind gesund, die Großeltern in hochbetagtem Alter verstorben.

Die weitere Vorgeschichte ist unauffällig – bis auf ein schwerwiegendes Ereignis vor rund drei Jahren. Damals erkrankte die Patientin an einem linksseitigen Mammakarzinom, das chirurgisch (Lumpektomie), strahlen- und chemotherapeutisch behandelt wurde. Bisherige Nachkontrollen hätten keinen Hinweis auf ein Rezidiv ergeben.

Die Beschwerden dieser Frau sind nicht nur per se verdächtig; die Patientin weist auch einen gravierenden koronaren Risikofaktor auf: die Strahlentherapie.

Die Assoziation zwischen Strahlentherapie und koronarer Herzkrankheit tauchte erstmals 1994 in einer Studie auf, in der die Todesursachen von langzeitüberlebenden Frauen nach Brustkrebs untersucht wurden. Obwohl die therapeutische Strahlendosis in der letzten Dekade immer weiter absank, beträgt die kardiale Exposition von Frauen mit radioonkologisch therapiertem Mammakarzinom auch heute noch zwischen einem und fünf Gray. Unklar waren bislang die Dosis-Wirkungsbeziehung, die notwendige Zeitdauer bis zum Beginn der Symptomatik nach Bestrahlungsende und der Einfluss anderer kardialer Risikofaktoren.

Britische, dänische und schwedische Wissenschaftler haben jetzt eine Fall-Kontroll-Studie mit insgesamt 2.168 Frauen publiziert, die sich zwischen 1958 und 2001 einer Strahlentherapie wegen Brustkrebs unterzogen: 968 dieser Patientinnen hatten ein koronares Ereignis erlitten, 1205 dienten als Kontrollen. 54 % der Frauen waren zum Zeitpunkt der Erhebung bereits an ihrer koronaren Herzkrankheit verstorben.

Negative Prognosefaktoren waren

  • diabetische Stoffwechsellage,
  • Rauchen,
  • COPD,
  • Übergewicht (BMI 30),
  • ein positiver Lymphknotennachweis,
  • die linke (versus die rechte) Seite,
  • die Höhe der Strahlendosis (s. Abb.)
  • und insbesondere die ersten Jahre nach der Bestrahlung (s. Tab.).

Ein begleitendes Editorial weist auf weitere (hier nicht behandelte) Risiken einer radioonkologischen Behandlung im Brustbereich hin, wie z.B. Perikarderkrankungen, Kardiomyopathien oder Arrhythmien.

Quintessenz

Frauen, die wegen eines Mammakarzinoms bestrahlt wurden, sollten

  • in Bezug auf oft untypische, aber KHK-verdächtige Beschwerden, besonders aufmerksam beobachtet und
  • klassische Risikofaktoren – falls irgend möglich – energisch beeinflusst werden.

Darby SC, Ewertz M, McGale P, et al. Risk of ischemic heart disease in women after radiotherapy for breast cancer. N Engl J Med 2013; 368: 987–98

Abbildungen:

Abbildung Rate of Major Coronary Events According to Mean Radiation Dose to the Heart, as Compared with the Estimated Rate with No Radiation Exposure to the Heart [Darby et al. 2013].

Tabelle Percentage Increase in the Rate of Major Coronary Events per Gray, According to Time since Radiotherapy [Darby et al. 2013].


(Stand: 14.11.2013)

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