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DEGAM veröffentlicht Positionspapier zum PJ-Pflichtquartal

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Warum profitieren alle Studierenden von einer Ausbildung in der allgemeinmedizinischen Praxis? Diese Frage beantwortet die DEGAM mit einem vom Präsidium sowie der Sektion Studium und Hochschule entwickelten Positionspapier zum Pflichtquartal im Praktischen Jahr (PJ), das die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschen Hausärzteschaft nach wie vor als Ideallösung ansieht und dessen Umsetzung trotz mancher Vorbehalte machbar wäre. Um möglicher, erneuter Kritik an diesem Vorschlag vorzubeugen, werden in dem Papier alle relevanten Fragen zu Inhalten, Kosten, der Qualität und den verschiedenen Schritten der Umsetzung geklärt.

Auch wenn die Allgemeinmedizin insgesamt gestärkt wurde, scheiterte im vergangenen Jahr im Bundesrat bekanntlich der Versuch, im Zuge der Novellierung der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr zu integrieren an einer schwarz-gelben Mehrheit. Die DEGAM ist aber nach wie vor davon überzeugt, dass im Interesse einer besseren und breiteren Ausbildung aller Medizinstudierenden und aufgrund des zukünftig hohen Bedarfs an Hausärztinnen und Hausärzten dieses Fach integraler Bestandteil des Medizinstudiums und der abschließenden Staatsexamensprüfung sein sollte. Ein PJ-Pflichtquartal ist die hier naheliegende Lösung: Die Studierenden behalten ihre Wahlfreiheit im PJ (verpflichtend wären dann die Fächer Chirurgie, Innere und Allgemeinmedizin), zugleich würde aber allen – wie in vielen europäischen Nachbarländern üblich – der so wichtige Einblick in die Ebene der Primärversorgung ermöglicht.

In dem vorliegenden Positionspapier, das im Bereich Positionen auf der Homepage www.degam.de abgerufen werden kann und das in limitierter Anzahl auch in gedruckter Version zur Verfügung steht, bezieht die DEGAM Stellung zu zentralen Fragen im Zusammenhang mit dem PJ-Pflichtquartal. Schließlich haben alle Studierenden ein Recht darauf, auch die zahlreichen, häufig nur ambulant behandelten Erkrankungen kennenzulernen, die in der Supramaximalversorgung der Universitätskliniken kaum vorkommen. Es geht darum aufzuzeigen, warum das PJ-Pflichtquartal sinnvoll ist und welche Inhalte darin vermittelt werden sollen und können. Die Autoren präsentieren Lösungen und Erklärungen zu den verschiedenen Schritten der Einführung, der notwendigen Anzahl und Rekrutierung der Praxen, der Sicherstellung der Qualität und der Kosten für die Universitäten.

Dabei ist besonders interessant: Es ergibt sich eine realistisch eingeschätzte jährliche „Belastung“ von rund 22 Wochen studentischer Ausbildung pro Lehrpraxis (im Mittel 2 x 2 Wochen für das Blockpraktikum und 1,5 x 12 Wochen für das PJ-Quartal). Das hat zur Folge, dass insgesamt die überschaubare Anzahl von 4.600 neuen Lehrpraxen rekrutiert werden müsste. Das entspricht einem Durchschnitt von 125 neuen Lehrpraxen pro universitärem Standort. Insgesamt würden dann realistisch rekrutierbare 16,7 Prozent aller in Deutschland zur Verfügung stehenden Hausarztpraxen als Lehrpraxen fungieren.

Letztlich ergeben sich viele positive Argumente für die Einführung eines Pflichtquartals Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr: Zentral sind vor allem die Verbesserung der Breite und Qualität der medizinischen Ausbildung, die Nachwuchsgewinnung sowie die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und der Kenntnis wichtiger medizinischer Inhalte der ambulanten Versorgung. Die Hausärztinnen und Hausärzte profitieren wiederum durch ein fachlich-didaktisches Coaching durch die universitären Institute und Abteilungen (z.B. Train-the-Trainer-Angebote, Prüfer-Training und regelmäßige Lehr-Qualitätszirkel), welches bei Bedarf auch durch die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) und die DEGAM gezielt unterstützt werden soll.

Bis 2019 soll das PJ-Pflichtquartal Allgemeinmedizin flächendeckend eingeführt sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf jährlich rund 25 Millionen Euro, was durchschnittlich 676.000 Euro pro Standort bedeutet und gut kalkulierbar bleibt. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft hat ihr Positionspapier allen wichtigen Entscheidungsträgern zukommen lassen und erwartet dadurch eine Wiederaufnahme des Themas auf die politische Agenda.


(Stand: 14.11.2013)

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