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MRSA – eine Handreichung für Hausärzte

DOI: 10.3238/zfa.2013.0444-0445

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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Klaus Weckbecker

Einleitung

Multiresistente Keime wie z.B. der Methicillin-resistente Staphylokokkus aureus (MRSA) stellen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ein zunehmendes Problem dar. Für Patienten mit bestimmten Risikoparametern besteht bei jedem Krankenhausaufenthalt die Gefahr, mit MRSA besiedelt zu werden. Diese Besiedelung verläuft häufig unbemerkt und verursacht keine Krankheitssymptome, sodass die Patienten häufig mit einer unerkannten MRSA-Besiedelung aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Auch wenn MRSA für die gesunde Bevölkerung kein unmittelbares Gesundheitsrisiko bedeutet, ist die unerkannte Verbreitung des Keimes ein großes Problem. Denn jeder Träger von MRSA lebt mit der Gefahr, im Laufe seines Lebens auch eine Infektion mit dem Keim zu erleiden, die dann aufgrund der multiplen Resistenzen nur schwer zu therapieren ist und mit einer erhöhten Mortalität einhergeht.

Im Umgang mit multiresistenten Keimen bestehen im ambulanten Bereich viele Unstimmigkeiten. Zwar formieren sich immer mehr regionale Netzwerke, die Informationsmaterialien veröffentlichen, Fallbesprechungen und Fortbildungen anbieten, der Bedarf an schnell verfügbarer und übersichtlicher Information zum Umgang mit MRSA in der Hausarztpraxis und im Altenheim ist aber dennoch groß. Eine deutschsprachige Leitlinie zum Vorgehen im hausärztlichen Arbeitsgebiet fehlte bisher. Die DEGAM initiierte daher die Erstellung einer S1-Handlungsempfehlung zu diesem Thema.

Zur besseren Übersichtlichkeit wurde die Leitlinie mit dem Titel „MRSA – eine Handreichung für Hausärzte“ in die drei Bereiche „Diagnostik“, „Therapie“ und „Altenheime“ aufgeteilt.

Methodik

Die systematische Literaturrecherche erfolgte über die Datenbanken Medline, Cochrane Library, Embase und Google Scholar. Gesucht wurde in allen Feldern (title, subject heading, abstract, etc.) nach den Begriffen „mrsa“, mrsa antibiotic resistance“ „mrsa methicillin resistance“, „mrsa community“ „mrsa hospital“, „mrsa epidemiology“, „mrsa management, „mrsa altenheim“, „mrsa prevention“ und „mrsa search and destroy“. Zusätzlich wurden die Referenzlisten der eingeschlossenen Arbeiten auf weitere relevante Arbeiten durchsucht. Die Suche erfolgte bis Juni 2013. Aus allen Ergebnissen konnten 57 relevante Arbeiten als Grundlage der Handlungsempfehlung ausgewählt werden. Die vollständige Literaturliste kann von der Autorin angefordert werden.

International wurden seit 1999 mehrere Übersichtsarbeiten zur Epidemiologie von MRSA und anderen multiresistenten Keimen veröffentlicht. 2003 veröffentlichte die Society for Healthcare Epidemiology of America ihre „Guideline for Preventing Nosocomial Transmission of Mulidrug – Resistant Strains of Staphylococcus Aureus and Enterococcus“. Die Dänischen Guidelines für MRSA in Krankenhaus, Pflegeheimen und ambulanter Versorgung wurden von der Infection Prevention Working Party zuletzt 2012 revidiert. Randomisierte Studien liegen nicht vor. Sowohl international als auch aus dem deutschsprachigen Raum liegen kontrollierte Studien zur Infektionsprophylaxe des MRSA in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen sowie zur Kosteneffektivität von Screeningprogrammen vor. Reviews und Expertenmeinungen zu verschiedenen Aspekten von MRSA sowie praktikable Strategien aus regionalen MRE-Netzwerken ergänzen die Informationen, sodass sich für alle drei Handlungsempfehlungen der Empfehlungsgrad B und C herleiten lässt.

Ergebnisse: die neuen Leitlinien

Teil 1: Diagnostik

Um die unerkannte Verbreitung von MRSA zu verhindern, kommt dem Hausarzt eine besondere Rolle zu. Bei ihm liegt nach Entlassung aus dem Krankenhaus die Entscheidung, ob bei einem symptomlosen Patienten nach MRSA gesucht wird. Teil 1 der Handlungsempfehlung stellt den Entscheidungsprozess dar und informiert über Hygienemaßnahmen in der Praxis sowie über Abrechnungsfragen (Seite 446 f.).

Teil 2: Therapie

Die weitere Betreuung eines MRSA-besiedelten Patienten fordert vom Hausarzt die Entscheidung, ob eine Sanierung durchgeführt werden soll sowie die Sicherstellung der korrekten Ausführung der Sanierung. Zur Ermittlung der Sanierungseignung sowie zur Darstellung der genauen Durchführung einer Sanierung wurde die zweite DEGAM-Handlungsempfehlung „MRSA-Therapie“ entwickelt (Seite 448 f.).

Teil 3: Altenpflegeheime

Bei der Betreuung von Patienten in Altenpflegeheimen stellen sich zusätzliche Fragen: Die Entscheidung für oder gegen einen Sanierungsversuch sowie die Art der Hygienemaßnahmen muss hier individuell entschieden werden. Auch vonseiten des Pflegepersonals gibt es häufig Unsicherheiten, sodass sich Teil 3 der Handlungsempfehlung explizit auch an die Pflegenden richtet (Seite 450 f.).

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Brigitte Fassbender

Institut für Hausarztmedizin

Universitätsklinik Bonn

Sigmund-Freud-Str. 25

53127 Bonn

Brigitte.Fassbender@ukb.uni-bonn.de

Literatur zu den S1-Handlungsempfehlungen MRSA

1. Datta R, Huang SS. Risk of infection and death due to methicillin-resistant Staphylococcus aureus in long-term carriers. Clin Infect Dis 2008; 47: 176–81

2. Huang SS, Platt R. Risk of methicillin-resistant Staphylococcus aureus infection after previous infection or colonization. Clin Infect Dis 2003; 36: 281–5

3. RKI. RKI – RKI-Ratgeber für Ärzte – Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA 2009. www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Staphylokokken_MRSA.html (letzter Zugriff 15.10.2013)

4. Kluytmans-Vandenbergh MF, Kluytmans JA. Community-acquired methicillin-resistant Staphylococcus aureus: current perspectives. Clin Microbiol Infect 2006; 12 Suppl 1: 9–15

5. Diederen BM, Kluytmans JA. The emergence of infections with community-associated methicillin resistant Staphylococcus aureus. J Infect. 2006; 52: 157–68

6. Muto CA, Jernigan JA, Ostrowsky BE, et al. SHEA Guideline for preventing nosocomial transmission of multidrug-resistant strains of Staphylococcus aureus and Enterococcus. Infect Control Hosp Epidemiol 2003; 24: 362–86

7. Infection Prevention Working Party. MRSA Hospital; 2007

8. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). MRSA in der Praxis – Suchen, Finden und Sanieren! Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV); 2012

9. Arbeitskreis Krankenhaus und Praxishygiene der AWMF. Maßnahmen beim Auftreten multiresistenter Erreger; 2012. www.awmf.org/fileadmin/user_ upload/Leitlinien/029_AWMF-AK_ Krankenhaus-_und_Praxishygiene/HTML-Dateien/029–019l_S1_

Massnahmen%20bei%20Auftreten% 20multiresitenter%20Erreger.htm (letzter Zugriff 15.10.2013)

10. Poppa. Informationsblatt MRSA-Sanierung im niedergelassenen Bereich; 2012

11. Wischnewski N, Mielke M. Übersicht über aktuelle Eradikationsstrategien bei Methicillin-resistenten Staphyllococcus aureus (MRSA) aus verschiedenen Ländern. Hyg Med 2007; 32: 389–394

12. Bradley SF. Issues in the management of resistant bacteria in long-term–care facilities. Infect Control Hosp Epidemiol 1999; 20: 362–7

13. Infection Prevention Working Party. MRSA nursing home; 2012. 6. Infection Prevention Working Party. MRSA residential home care; 2012

14. Mody L, Maheshwari S, Galecki A, Kauffman CA, Bradley SF. Indwelling Device Use and Antibiotic Resistance in Nursing Homes: Identifying a High-Risk Group. J Am Geriatr Soc 2007; 55: 1921–6

15. Bradley SF. Staphylococcus aureus Infections and Antibiotic Resistance in Older Adults. Clin Infect Dis 2002; 34: 211–6

Institut für Hausarztmedizin, Universitätsklinik Bonn

DOI 10.3238/zfa.2013.0444–0445


(Stand: 29.05.2015)

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