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Was denkt der allgemeinmedizinische Nachwuchs?

DOI: 10.3238/zfa.2014.0440-0444

Ergebnisse einer Umfrage innerhalb der DEGAM-Nachwuchsakademie

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Anne Simmenroth-Nayda

Schlüsselwörter: Medizinstudium Berufswunsch Hausarzt Einstellung praktisches Jahr Hausärztemangel

Hintergrund: In Zeiten des Hausärztemangels ist es wichtig, das Meinungsbild von Medizinstudierenden zum hausärztlichen Berufsbild zu erfragen. Die vorliegende Erhebung erfasst die Vorstellungen der Mitglieder der DEGAM-Nachwuchsakademie (NWA) zum Studium und zur beruflichen Zukunft, sowie Gründe für und gegen eine Facharztwahl Allgemeinmedizin.

Methoden: Freiwillige und anonyme Fragebogenerhebung unter den NWA-Mitgliedern im Rahmen des Klausurwochenendes in Erfurt im Juni 2014.

Ergebnisse: An der Befragung nahmen 30 NWA-Mitglieder teil. 76 % waren Frauen, das mittlere Alter lag bei 25 Jahren. Am häufigsten (32 %) wurde der eigene Hausarzt als Inspirationsquelle dafür genannt, später einmal selbst diesen Beruf zu ergreifen. Obwohl es an der Heimatuniversität von 93 % der Befragten ein Institut für Allgemeinmedizin gibt, denkt nur knapp die Hälfte (47 %), dass das Fach dort auch ausreichend vertreten ist. 21 NWA-Mitglieder befürworten die Einführung eines Pflichtquartals Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr. Die Vereinbarkeit von Familie/Beruf und geregelte Arbeitszeiten haben eine besondere Bedeutung für die Befragten. 17 NWA-Mitglieder sind in einem Dorf oder einer Kleinstadt aufgewachsen und 18 Teilnehmer möchten in Zukunft auch dort arbeiten. Die meisten Befragten (45 %) streben eine Tätigkeit als Hausarzt in einer Einzelpraxis an.

Schlussfolgerungen: Die vorliegenden Ergebnisse können in Zeiten des Hausärztemangels bei der Entwicklung von Lösungsansätzen für das Nachwuchsproblem helfen. Die Stichprobe enthält mehr Frauen und mehr auf dem Land Aufgewachsene als das Vergleichskollektiv der Gesamtstudentenschaft. Hausärzte selbst sind wichtige Inspirationsquellen für die zukünftige Berufswahl ihrer jungen Patienten. Es scheint, dass die NWA deren Mitglieder im Berufswunsch Hausarzt bestärkt.

Hintergrund

Die Hausärzte Deutschlands haben ein Nachwuchsproblem. So betrafen laut Bundesärztekammer im Jahr 2013 nur knapp 10 % aller Facharztanerkennungen die Allgemeinmedizin, während sich 90 % der Ärzte in Weiterbildung für andere Disziplinen qualifizierten [1]. Gleichzeitig werden aber aufgrund steigender Teilzeittätigkeit drei junge Ärzte benötigt, um zwei „traditionell tätige“ Hausärzte abzulösen [2]. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Hausärzte bis zum Jahr 2020 um 13 % sinken [3]. Darüber hinaus hat sich in den letzten Jahren ein Ungleichgewicht aufgebaut: In strukturschwachen ländlichen Gegenden, aber auch sozial problematischen Stadtvierteln sind tendenziell zu wenige, in Innenstädten oder wohlhabenden Vierteln hingegen zu viele Hausärzte tätig [4].

Ungeachtet dieser in Ärzteschaft und Medien als düster beschriebenen Prognosen [5, 6] entscheiden sich immer wieder Studierende ganz bewusst für die Allgemeinmedizin. Ein Beispiel sind die Mitglieder der DEGAM-Nachwuchsakademie (NWA). Dieses Förderprogramm für an der Allgemeinmedizin interessierte Medizinstudierende wurde im Jahr 2012 gegründet. Jedes Jahr werden bis zu 15 Studierende aus ganz Deutschland aufgenommen, die dann für die Dauer von drei Jahren von den umfassenden Vorteilen der NWA profitieren. Die Mitglieder dürfen kostenfrei an den DEGAM-Kongressen und der Summerschool teilnehmen. Zudem treffen sich die Studierenden einmal im Jahr für ein Klausurwochenende. Hier werden mit Unterstützung von erfahrenen Dozenten Themenschwerpunkte, wie zum Beispiel aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen, Karrieremöglichkeiten oder Fragen der allgemeinmedizinischen Forschung, diskutiert. Außerdem besteht die Möglichkeit einen erfahrenen Allgemeinmediziner als Mentor an die Seite gestellt zu bekommen, der Fragen rund um die berufliche Entwicklung beantwortet, Praktikumsstellen vermittelt und ein individuelles Coaching anbietet. Weiterführende Informationen zur NWA können auf der Webseite der DEGAM eingesehen werden: www.degam.de/allgemeine-infos.html.

Die NWA-Teilnehmer unterscheiden sich von anderen Medizinstudierenden, da sie bereits differenzierte Informationen zum allgemeinmedizinischen Berufsbild erhalten haben. Die vorliegende Erhebung erfasst die Vorstellungen der NWA-Mitglieder zum Studium und zur beruflichen Zukunft, sowie Gründe für und gegen eine Facharztwahl Allgemeinmedizin.

Methoden

Seit dem Jahr 2014 laufen in der NWA das erste Mal drei Jahrgänge parallel, deren Teilnehmer vom 20. bis 22.06.2014 in Hayn bei Erfurt für das Klausurwochenende zusammen kamen. Bei diesem Treffen wurden die Mitglieder gebeten, an einer Fragebogenerhebung teilzunehmen. Der Fragebogen wurde von der Erstautorin in Anlehnung an andere Studierendenumfragen erstellt und beinhaltete 27 offene und 10 geschlossene Fragen. Die Teilnahme war freiwillig und gestaltete sich anonym. Die Auswertung erfolgte mithilfe der Statistiksoftware SPSS Statistics (Version 22).

Ergebnisse

Beschreibung der Stichprobe

Beim Klausurwochenende waren 30 der insgesamt 38 Mitglieder der NWA anwesend, die alle bereit waren, an der Umfrage teilzunehmen. 76 % der Befragten waren Frauen. Das durchschnittliche Alter lag bei 25 Jahren (zwischen 21 und 29 Jahren). Bei sieben Studierenden arbeitet mindestens ein Elternteil als Arzt. Bei weiteren sieben Teilnehmern hat weder Vater noch Mutter studiert.

Berufswunsch Hausarzt

Tabelle 1 zeigt die Personen, die die Studierenden inspiriert haben, einmal selbst Hausarzt zu werden. In der NWA sind sich schon 19 Mitglieder zu über 80 % sicher, einmal Hausarzt werden zu wollen. Acht Teilnehmer gaben Werte zwischen 60 und 80 % und drei Befragte Werte von unter 60 % Sicherheit für diesen Berufswunsch an. Die Mitglieder der ersten Kohorte mit schon drei Jahren Förderung nannten dabei ausschließlich Werte von über 80 % Sicherheit. In der zweiten Kohorte wurden dagegen auch Werte ab 60 % und in der neuen Kohorte ab 20 % angegeben. In Tabelle 2 sind die Argumente der Studierenden für bzw. gegen eine Facharztwahl Allgemeinmedizin dargestellt.

Das Fach Allgemeinmedizin im Medizinstudium

Obwohl es an der Heimatuniversität von 28 der 30 Studierenden ein Institut für Allgemeinmedizin gibt, denkt nur knapp die Hälfte der Befragten (47 %), dass das Fach dort auch ausreichend vertreten ist. Alle Teilnehmer bestätigten, dass ein Teil ihrer Kommilitonen ein negatives Bild vom hausärztlichen Beruf hat. Die Frage, ob sie schon einmal positiv auf ein solches Meinungsbild einwirken konnten, beantworteten 28 der 30 Befragten mit „Ja“. Dass solch negative Vorstellungen existieren, erklärt sich ein NWA-Mitglied wie folgt: „Oftmals vermittelt die Allgemeinmedizin ein etwas unkoordiniertes und weniger attraktives oder gar professionelles Bild als andere Fachrichtungen. Während man bei den meisten anderen Fachrichtungen schnell agieren und ,helfen‘ kann, ist in der Allgemeinmedizin auch mal reden oder abwarten angesagt, sowie ,hands on‘ anstatt Apparatemedizin. Wichtig wären ein professionelles und selbstbewusstes Auftreten der Allgemeinmedizin, sowie eine Einführung über die Möglichkeiten, den Verdienst und die Arbeitsbedingungen als Hausarzt.“

Die DEGAM kämpft für eine Veränderung der Struktur des Praktischen Jahres. Die bisherigen Tertiale Innere Medizin, Chirurgie und Wahlfach sollen von Quartalen, inklusive eines Pflichtteils in der Allgemeinmedizin, abgelöst werden [7]. 21 der 30 Befragten befürworten diesen Vorschlag. Zwei Studierende haben sich hierzu noch keine Meinung gebildet, während sieben Teilnehmer eine solche Neuregelung ablehnen. Tabelle 3 zeigt Argumente, die die Befragten für bzw. gegen ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin anführten.

Vorstellungen zu beruflichen Rahmenbedingungen

Als Wunscharbeitszeit im späteren Berufsleben gaben zwölf Studierende 20 bis 40 Stunden und 13 Befragte 40 bis 50 Stunden pro Woche an. Nur zwei Mitglieder der NWA wären bereit, über 50 Wochenstunden zu leisten. Tabelle 4 zeigt, wie die Befragten die Berufsbedingungen der Hausärzte einschätzten und welche beruflichen Rahmenbedingungen von ihnen als wichtig bis sehr wichtig beurteilt wurden.

17 Mitglieder der NWA sind in einem Dorf oder einer Kleinstadt ( 20.000 Einwohner) aufgewachsen und sogar 18 Teilnehmer möchten später auch dort arbeiten. Aus Städten oder Großstädten ( 20.000 Einwohner) stammen zwölf Studierende, wohingegen nur neun Befragte dort auch ihre berufliche Zukunft sehen. Zwei NWA-Mitglieder sind noch unentschlossen, in welcher Region sie einmal tätig sein wollen. Im Ausland zu arbeiten können sich 73 % der Befragten vorstellen. Die Frage nach der in Zukunft gewünschten Arbeitsform ergab neben vier sonstigen Angaben, dass fünf Teilnehmer am liebsten als Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis, sieben als Angestellte in einer Hausarztpraxis und 13 als Hausarzt in einer Einzelpraxis arbeiten möchten.

Diskussion

Die Befragung der Mitglieder der DEGAM-Nachwuchsakademie ergab interessante Einblicke in deren Vorstellungen zum Medizinstudium und zum Berufsalltag als Hausarzt. Die Vereinbarkeit von Familie/Beruf und geregelte Arbeitszeiten haben eine besondere Bedeutung für die Befragten. Des Weiteren zeigte sich, dass Hausärzte selbst wichtige Inspirationsquellen für die zukünftige Berufswahl ihrer jungen Patienten sind. Zudem scheint die NWA deren Mitglieder im Berufswunsch Hausarzt zu bestärken.

Beschreibung der Stichprobe

Die Berufsvorstellungen von Medizinstudierenden sind in der Vergangenheit schon mehrfach dokumentiert worden [8–10]. Die vorliegende Umfrage unterscheidet sich von den zitierten Erhebungen, da hier keine repräsentative Stichprobe, sondern eine Studierendengruppe mit einem besonders hohen Interesse an der Allgemeinmedizin befragt wurde. Da die Befragung anonym erfolgte, kann mit einer großen Offenheit der Befragten gerechnet werden. Des Weiteren hatten die NWA-Dozenten keinen Einfluss auf die Inhalte, den Zeitpunkt oder die Auswertung der Befragung.

Der Vergleich mit den Ergebnissen einer von der Universität Trier durchgeführten Befragung von über 12.500 Medizinstudierenden ergab keine Unterschiede in Bezug auf das Durchschnittsalter oder den Anteil ärztlich tätiger Eltern [10]. Während in der vorliegenden Erhebung 76 % der Befragten Frauen waren, bezifferte das Statistische Bundesamt den Anteil der weiblichen Medizinstudierenden im Wintersemester 12/13 mit 61 % [11]. Betrachtet man auch die NWA-Mitglieder, die nicht an der Umfrage teilnahmen, ergibt sich ein Gesamtfrauenanteil von 71 % – ein Wert, der immer noch deutlich über dem gesamtdeutschen Durchschnitt liegt. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit den Erkenntnissen einer Erhebung aus Bayern mit 940 Studierenden. Hier wurde das weibliche Geschlecht als einer der stärksten Determinanten für die Wahl des Facharztes Allgemeinmedizin ausgemacht [12].

Berufswunsch Hausarzt

Bisher existieren in Deutschland keine systematischen Untersuchungen zu der Frage, welche Personen Medizinstudierende animieren, später einmal den hausärztlichen Beruf zu ergreifen. In der vorliegenden Erhebung wurde am häufigsten der eigene Hausarzt als Inspirationsquelle genannt. Das unmittelbare Erleben und Erinnern des eigenen Hausarztes aus der Patientenrolle heraus scheint demnach wichtigen Einfluss auf die Berufsentscheidung mancher Studierender zu haben. Hausärzte sollten sich dieser Vorbildfunktion für ihre jungen Patienten bewusst sein.

Die Umfrage der Universität Trier zeigte, dass sich Studierende des klinischen Studienabschnitts noch nicht auf einen Facharzt festlegen, sondern durchschnittlich 2,8 verschiedene Weiterbildungsgänge favorisieren [10]. Es ist demnach nichts Ungewöhnliches, dass sich noch nicht alle Mitglieder der NWA endgültig für die Allgemeinmedizin entschieden haben. Insbesondere die Studierenden der neuesten Kohorte sind noch unentschlossen, während alle Mitglieder der ersten Kohorte aus dem Jahr 2012 Werte von über 80 % Sicherheit für den angestrebten Facharzt Allgemeinmedizin angaben. Nach dreijähriger Förderdauer scheint die DEGAM-Nachwuchsakademie deren Teilnehmer im Berufswunsch Hausarzt zu bestärken. Eine Verlaufsbeobachtung der weiteren Kohorten ist geplant.

Das Fach Allgemeinmedizin im Medizinstudium

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen kritisiert im diesjährigen Gutachten, dass das Fach Allgemeinmedizin in der Ausbildung von Medizinstudierenden zu wenig präsent, bedeutend und attraktiv sei [4]. Im Einklang mit dieser Feststellung denkt nur weniger als die Hälfte der NWA-Mitglieder, dass die Allgemeinmedizin an ihrer Universität ausreichend vertreten ist. Der Sachverständigenrat formuliert im genannten Gutachten eine Reihe von Maßnahmen, um eine Stärkung des Fachs zu bewirken, und befürwortet – genau wie die DEGAM – die Einführung eines Pflichtquartals Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr. Die vorliegende Umfrage zeigte, dass auch 70 % der Mitglieder der NWA für diesen Vorschlag stimmen würden. Vor dem Hintergrund jüngster Schlagzeilen, wie zum Beispiel „Keine weiteren Zwangsmaßnahmen – Medizinstudierende lehnen DEGAM-Vorstoß [...] ab“ [13], ist dies ein erfreuliches und von den DEGAM-Dozenten so erhofftes Ergebnis. Natürlich kann die Stichprobe der vorliegenden Untersuchung nicht als repräsentativ gelten. Dennoch bleibt zu bedenken, dass es 93 % der Befragten schon einmal möglich war, die negative Einstellung eines Kommilitonen zur Allgemeinmedizin zu relativieren. Möglicherweise kann dies den NWA-Mitgliedern auch in Bezug auf das Pflichtquartal Allgemeinmedizin gelingen.

Vorstellungen zu beruflichen Rahmenbedingungen

Verschiedene Studien zeigten, dass die Verbesserung von beruflichen Rahmenbedingungen für angehende Ärzte zunehmend an Bedeutung gewinnt. In der Erhebung der Universität Trier war 95,5 % der Befragten ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Familienleben wichtig [10]. Eine Umfrage des Hartmannbunds mit fast 4.400 Medizinstudierenden erfragte, welche Maßnahmen den Arztberuf attraktiver gestalten könnten. Am häufigsten wurden dabei die Punkte Unterstützung bei der Vereinbarkeit Familie/Beruf und geregelte Arbeitszeiten genannt [8]. Auch für die Mitglieder der NWA haben diese zwei Punkte zentrale Bedeutung, während ein gutes Einkommen und Karrieremöglichkeiten im Vergleich weniger wichtig waren.

Die Medizinstudierenden der genannten Umfrage stammten zu 38 % aus einem Dorf oder einer Kleinstadt, wobei sich dort aber nur 24 % auch niederlassen würden. Für drei von vier Befragten stellte also die Stadt oder Großstadt den attraktiveren Arbeitsort dar [8]. Die hier vorliegende Untersuchung ergab hingegen ein abweichendes Ergebnis. So wuchsen im Vergleich weitaus mehr Studierende in einem Dorf oder einer Kleinstadt auf und sogar zwei Drittel der NWA-Mitglieder möchten dort auch einmal arbeiten. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen der Erhebung aus Bayern, die zeigte, dass Studierende aus dem ländlichen Raum eine höhere Neigung haben, den allgemeinärztlichen Beruf zu ergreifen [12].

Laut den Ergebnissen der Bundesärztekammer war bei den Ärzten im Jahr 2013 die Zahl der Zuzüge aus dem Ausland größer als die Zahl der Auswanderungen [1, 14]. Allerdings gab es auch Jahre, in denen Deutschland mehr Ärzte verlor als es neue hinzugewann [15]. Vor diesem Hintergrund erscheint es bedenklich, dass sich mehr als zwei Drittel der NWA-Mitglieder eine berufliche Tätigkeit im Ausland vorstellen können. Da auch in der Erhebung des Hartmannbunds eine ähnlich hohe Zahl ermittelt wurde (79 %) [8], sollten in Zukunft Strategien entwickelt werden mit dem Ziel, die Auswanderung großer Anteile der Studentenschaft zu verhindern.

Die Mehrzahl der vom Hartmannbund befragten Medizinstudierenden möchte im Falle einer Niederlassung in einer Gemeinschaftspraxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten. Die Tätigkeit in einer Einzelpraxis wurde nur von 10 % der Befragten angestrebt [8]. Im Vergleich dazu zeigte die vorliegende Untersuchung, dass 45 % der NWA-Mitglieder in Zukunft als Hausarzt in einer eigenen Praxis arbeiten möchten. Es kann vermutet werden, dass die im Rahmen des Förderprogramms angebotenen Informationen Ängste vor der Niederlassung und der großen Verantwortung in einer Einzelpraxis zerstreuen konnten.

Fazit

Eine frühe und intensive Betreuung durch hausärztliche Mentoren und eine Anbindung an eine feste Gruppe von ähnlich interessierten Studierenden könnte – trotz großem Aufwand – bei der Entwicklung von Lösungsansätzen für das Nachwuchsproblem in der Allgemeinmedizin helfen.

Danksagung

Unser besonderer Dank gilt Antje Bergmann und Jean-François Chenot für die Unterstützung beim Verfassen des Artikels, Stephanie Heinemann für die Hilfestellungen bei der Übersetzung ins Englische und den Mitgliedern der Nachwuchsakademie für die Teilnahme an der Befragung.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Bernadett Hilbert

Institut für Allgemeinmedizin

Technische Universität München

Orleansstraße 47

81667 München

bernadett.hilbert@gmail.com

Literatur

1. Bundesärztekammer. Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31. Dezember 2013. www.bundesaerztekammer.de/page.asp (letzter Zugriff am 08.10.2014)

2. Köhler S, Trittmacher S, Kaiser R. Der Arztberuf wird zum „Frauenberuf“ – wohin führt das? Hess Ärztebl 2007; 7: 423–425

3. Kopetsch T. Dem deutschen Gesundheitswesen gehen die Ärzte aus!: Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlentwicklung. Köln: Bundesärztekammer, 2010

4. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und ausgewählte Leistungsbereiche. Köln: Bundesanzeiger Verlag, 2014

5. Dürr I. Bei Hausärzten sieht es düster aus. Allgemeinarzt 2014; 36: 96–98

6. Osterloh F. Versorgungsstrukturgesetz: Gegen den Ärztemangel. Dtsch Arztebl Interntl 2014; 111: A-1394

7. Präsidium und Sektion Studium und Hochschule der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Pflichtquartal Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr: Warum alle Studierenden von einer Ausbildung in der allgemeinmedizinischen Praxis profitieren. www.degam.de files/Inhalte/Degam-Inhalte/Ueber_uns/ Positionspapiere/Pflichtquartal_Allge meinmedizin_im_PJ.pdf (letzter Zugriff am 08.10.2014)

8. Hartmannbund. Der Arztberuf von morgen – Erwartungen und Perspektiven einer Generation: Umfrage unter den Medizinstudierenden des Hartmannbundes „Wie sehen Sie Ihre Zukunft als Arzt oder Ärztin?“.http:// www.hartmannbund.de/uploads/2012_ Umfrage-Medizinstudierende.pdf (letzter Zugriff am 08.10.2014)

9. Kiolbassa K, Miksch A, Hermann K, et al. Becoming a general practitioner – Which factors have most impact on career choice of medical students? BMC Fam Pract 2011; 12: 25

10. Gibis B, Heinz A, Jacob R, Müller C. The career expectations of medical students: findings of a nationwide survey in Germany. Dtsch Arztebl Int 2012; 109: 327–332

11. Statistisches Bundesamt. Bildung und Kultur: Studierende an deutschen Hochschulen Wintersemester 2012/2013. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt, 2013

12. Schneider A, Karsch-Völk M, Rupp A, et al. Predictors of a positive attitude of medical students towards general practice – a survey of three Bavarian medical faculties. GMS Z Med Ausbild 2013; 30: Doc45

13. Uden T. Keine weiteren Zwangsmaßnahmen! Medizinstudierende lehnen DEGAM-Vorstoß für PJ-Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin ab. http:// www.hartmannbund.de/enews/2749/ 144/Medizinstudierende-lehnen-DE GAM-Vorstoss-fuer-PJ-Pflichtquartal-in-der-Allgemeinmedizin-ab/ (letzter Zugriff am 08.10.2014)

14. Bundesärztekammer: Abwanderung von Ärzten ins Ausland. www.bundesaerztekammer.de/page.asp. 12002.12012 (letzter Zugriff am 08.10.2014)

15. Kopetsch T: Ärztewanderung: Das Ausland lockt. Dtsch Arztebl Interntl 2008; 105: A-716

Abbildungen:

Tabelle 1 Inspirationsquellen für die Facharztwahl

Tabelle 2 Argumente für und gegen den Berufswunsch Hausarzt

Tabelle 3 Argumente für und gegen ein Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin

Tabelle 4 Vorstellungen zu den beruflichen Rahmenbedingungen

Institut für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München

Peer reviewed article eingereicht: 22.09.2014, akzeptiert: 10.10.2014

DOI 10.3238/zfa.2014.0440–0444


(Stand: 17.11.2014)

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