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Weiterentwicklung des Kompetenzbasierten Curriculums Allgemeinmedizin: Ergebnisse aus dem Praxistest

DOI: 10.3238/zfa.2015.0446-0450

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Jean-François Chenot, Jost Steinhäuser, Marco Roos, Cornelia Jäger, Elisabeth Flum, Julia Magez

Schlüsselwörter: Weiterbildung Kompetenz Curriculum Hausarzt Primärmedizin

Hintergrund: Die zukünftige Musterweiterbildung in Deutschland soll kompetenzbasiert sein, die Facharztweiterbildung ist es bisher jedoch nicht. Von internationalen Experten wurde 2009 unter anderem ein Curriculum mit kompetenzbasierter, präziser Definition der zu erreichenden Inhalte für Deutschland empfohlen, um an das europäische „best-practice“-Niveau anzuschließen. In einem mehrstufigen Prozess wurde das Kompetenzbasierte Curriculum Allgemeinmedizin (KCA) auf Grundlage der kanadischen CanMEDS-Rollen nach internationalen Vorbildern erarbeitet. Die erste Version des KCA wurde zwei Jahre in der praktischen Umsetzung geprüft. Der vorliegende Bericht präsentiert die Ergebnisse des Praxistests und stellt das entsprechend überarbeitete KCA vor.

Methoden: Der Praxistest wurde von März 2012 bis März 2014 durchgeführt; das KCA war frei zugänglich auf der Internetpräsenz des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg. Im Oktober 2014 wurden alle Personen, die das KCA heruntergeladen hatten, online befragt. Die Daten wurden anschließend deskriptiv analysiert; Freitextangaben wurden von einem Panel bewertet, das KCA wurde gegebenenfalls entsprechend angepasst.

Ergebnisse: Insgesamt wurde das KCA 730 Mal heruntergeladen, 699 Personen konnten bei valider E-Mail-Adresse befragt werden. Von diesen nahmen 138 Personen an der Befragung teil (Rücklaufquote 20 %). Die Hälfte gab an, das KCA in den letzten Monaten verwendet zu haben. Mit 49 % wurde der Teil „Medizinische Expertise“ am häufigsten verwendet, 42 % berichteten, das KCA in den Arbeitsalltag integriert zu haben. Die Freitexte wurden überwiegend genutzt, um auf eine Reduktion des Umfangs, fehlende Inhalte oder Ungenauigkeiten in der Formulierung hinzuweisen. In einem Panel wurden alle Rückmeldungen eingehend diskutiert und das KCA entsprechend revidiert und angepasst.

Schlussfolgerungen: Das überarbeitete KCA beschreibt erstmalig für Deutschland standardisiert Basis-Kompetenzen für den Erwerb der Facharztbezeichnung Allgemeinmedizin. Es leitet als roter Faden sowohl Ärzte in Weiterbildung als auch deren Weiterbildungsbefugte durch die Weiterbildung und kann, basierend auf Selbst- und Fremdeinschätzung, Weiterbildungsgespräche unterstützen und damit eine individuelle, zielgerichtete und maßgeschneiderte Weiterbildung ermöglichen. Nächster Schritt ist es, das KCA deutschlandweit als didaktische Hilfe für die Weiterbildungszeit zu implementieren.

Hintergrund

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) beauftragte 2009 europäische Weiterbildungsexperten aus primärärztlich orientierten und in puncto Weiterbildung beispielhaften Gesundheitssystemen wie Dänemark (DK), Großbritannien (GB) und den Niederlanden (NL), die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin in Deutschland mit der europäischen „best practice“ zu vergleichen. Dabei wurden unter anderem Ansehen und Stellung der Allgemeinmedizin im jeweiligen Gesundheitssystem, die Vergütung der Ärzte und Ärztinnen in Weiterbildung (ÄiW), deren Arbeitsbedingungen sowie die Durchführung der Weiterbildung im Ländervergleich untersucht. Als Ergebnis der Untersuchung wurde eine 10-Punkte-Liste an Optimierungsmöglichkeiten für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin im deutschen Gesundheitssystem vorgestellt [1]. Ein Aspekt, der kritisiert wurde, bezog sich auf das in Deutschland nicht vorhandene, strukturierte Curriculum. Die Weiterbildungsordnung hingegen betone nach Einschätzung der Experten zu sehr Untersuchungstechniken (z.B. Anzahl der Ultraschalluntersuchungen) und sei nicht kompetenzbasiert. Dieses würde damit dem ganzheitlichen Arbeitsauftrag der Allgemeinmedizin nicht gerecht und sei damit ungeeignet für eine angemessene Beurteilung der ÄiW. Die Empfehlung der Experten lautete: „The curriculum for FP training is not standardized: the end-stage competencies for a fully trained FP should be well described and well-known to trainees and trainers alike.” Der Bedarf nach einer präziseren Definition der Inhalte, die ein Facharzt für Allgemeinmedizin erwerben sollte, wurde zu dieser Zeit auch in nationalen Studien unter ÄiW und Weiterbildungsbefugten deutlich [2, 3]. Von 2010 bis 2012 wurde daraufhin in einem mehrstufigen Prozess das „Kompetenzbasierte Curriculum Allgemeinmedizin“ (KCA) nach damaligen internationalen Vorbildern erarbeitet [4]. Ziel war es, eine didaktisch gut aufbereitete Darstellung der relevanten Weiterbildungsinhalte für ÄiW und Weiterbildungsbefugte zu erstellen; die Vorgaben und Richtlinien der Ärztekammern sollten dadurch ergänzt werden. Dieses vom Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Baden-Württemberg initiierte Projekt wurde von der DEGAM, der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) und dem Hausärzteverband (HÄV) unterstützt. Eingeflossen sind dabei verschiedene Curricula, wie z.B. das dänische Curriculum, das von der DEGAM gemeinsam mit der Bundesärztekammer herausgegebene „Kursprogramm Allgemeinmedizin“, das „Bildungsprogramm und Kommentar zur Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin“ der ehemaligen DDR und der „Kanon Allgemeinmedizin“ [5–7]. Einige dieser Curricula, wie z.B. das dänische, waren an den CanMEDS-Rollen orientiert. Die CanMEDS-Rollen wurden Ende der 1990er Jahre in Kanada erarbeitet [8]; sie definieren neben der im Zentrum stehenden „medizinischen Expertise“ sechs weitere, sich überlappende Kompetenzbereiche, die ein Arzt im Laufe seiner Weiterbildung erwerben sollte. Die CanMEDS-Rollen gehören zu den international am weitverbreitetsten Rahmenwerken für eine kompetenzbasierte Aus- und Weiterbildung. Aufgrund ihrer Kompetenzorientierung scheinen sie besonders geeignet, ÄiW bestmöglich auf den Praxisalltag vorzubereiten und spezifische Lernfelder für ÄiW zu identifizieren [9, 10].

Mit einer eigens entwickelten Methodik wurde eine Praxistestversion des KCA entwickelt, das den CanMEDS-Rollen folgend aus zwei Teilen bestand: In Teil I wurden Lernziele zur medizinischen Expertise, untergliedert nach Organsystemen, aufgeführt. Teil II beschrieb Lernziele auf der Ebene der Kompetenzfelder Kommunikation, Zusammenarbeit, Management, Vertretung des Patienten (Versorgungslenkung und Gesundheitsförderung), Lernen und Lehren sowie Professionalität [4].

Insgesamt listete das KCA in der Praxistestversion über 1.000 Aspekte, die als Grundlage für eine Selbsteinschätzung des ÄiW mittels eines Ampelschemas dienten. Grün bedeutete „Ich fühle mich in diesem Bereich kompetent und beherrsche das Themenfeld sicher“; gelb stand für „Ich habe in diesem Bereich einige Kompetenzen erworben, muss mich hier aber noch weiter entwickeln, um sicherer zu werden“; rot verdeutlichte „Ich verfüge in diesem Bereich noch über keine oder wenig Kompetenz und bin daher noch unsicher“. Auf Grundlage dieser Selbsteinschätzung sollte dann das Gespräch mit dem Weiterbildungsbefugten gesucht werden, um sowohl ein Feedback mit Abgleich der Selbst- und Fremdeinschätzung einzuholen, als auch die Weiterbildungsziele für den folgenden definierten Zeitraum gemeinsam festzulegen. Diese erste Version des KCA wurde in den vergangenen zwei Jahren in der praktischen Umsetzung getestet.

Der vorliegende Bericht stellt die Ergebnisse des Praxistests und das aktuelle, überarbeitete KCA nach Abschluss dieses Praxistests vor.

Methoden

Während der Praxistestzeit von März 2012 bis März 2014 konnte das KCA frei auf der Internetpräsenz des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg heruntergeladen werden. Dabei wurden einige Angaben des Interessenten, z.B. E-Mail-Adresse und berufliche Situation (z.B. Arzt in Weiterbildung oder Weiterbildungsbefugter) erhoben. Zudem wurde angekündigt, dass der Koordinator dieses Projekts nach zwei Jahren ein Feedback über das KCA einholen würde.

Im Oktober 2014 wurden daraufhin alle Personen, die das KCA zwischen März 2012 und März 2014 heruntergeladen hatten, per E-Mail kontaktiert und gebeten, einen Online-Fragebogen mit zehn Fragen auszufüllen (einsehbar über die Website der ZFA: www.online-zfa.de). Die Befragung wurde über den Online-Dienst „Surveymonkey“ durchgeführt. Es wurde, neben der Einladung zur Beteiligung am Praxistest, eine Erinnerung nach zehn Tagen versendet.

Die Daten wurden deskriptiv analysiert. Alle Freitextangaben, insbesondere zu den Fragen „Was sollte Ihrer Meinung nach an der jetzigen Fassung des KCA ergänzt werden?“ und „Was sollte Ihrer Meinung nach aus der jetzigen Fassung des KCA gestrichen werden?“, wurden von einem Panel bestehend aus zwei Ärzten in Weiterbildung und zwei Fachärzten für Allgemeinmedizin (jeweils eine Frau und ein Mann) bewertet und gegebenenfalls in die finale Version des KCA eingepflegt. Diese Version wurde von zwei weiteren ÄiW und zwei weiteren Fachärzten für Allgemeinmedizin (ebenfalls jeweils eine Frau und ein Mann) abschließend auf Eindeutigkeit und Verständlichkeit durchgearbeitet und angepasst.

Ergebnisse

Insgesamt wurde das KCA 730 Mal heruntergeladen, mitunter auch aus dem Ausland (Österreich, skandinavische Länder und Südafrika). In 31 Fällen wurde eine nicht existierende E-Mail-Adresse angegeben. Von den verbleibenden 699 Personen nahmen 138 an der Befragung teil und füllten den Fragebogen aus (Rücklaufquote 20 %). Tabelle 1 zeigt die soziodemografischen Daten der Teilnehmer.

Von den Teilnehmern hatten 49 % (n = 68) das KCA in den letzten Monaten verwendet, und zwar davon 23 % (n = 18) (bis zu) monatlich, 25 % (n = 19) quartalsweise, 21 % (n = 16) halbjährlich und 31 % (n = 24) seltener als halbjährlich. Am häufigsten wurden die Teile „Medizinische Expertise“ (49 %, n = 37), „Lehren und Lernen“ (36 %, n = 27) und „Kommunikation“ (30 %, n = 23) verwendet. Das Ampelschema wurde von 45 % (n = 42) nie genutzt, von 40 % (n = 37) „gelegentlich“, von 5 % (n = 5) „oft“ und von 10 % (n = 9) „immer“. 42 % (n = 45) gaben an, das KCA in den Arbeitsalltag integriert zu haben. Die Teilnehmer, die das KCA nicht verwendet hatten, verwiesen überwiegend darauf, dass sie während der Praxistestzeit keinen ÄiW betreut und aus diesem Grund das KCA nicht verwendet hatten.

Die Freitextangaben ergaben in einem Fall einen Hinweis auf fehlende Inhalte (akute Niereninsuffizienz). In einem weiteren Fall wurde der Vorschlag unterbreitet, einen weiteren Begriff („Wissensmanagement“) in das KCA unter „Lernen und Lehren“ aufzunehmen. Ansonsten wurde überwiegend angemerkt, dass das KCA zu umfangreich sei und gekürzt werden müsse. Dabei bezogen sich diese Kommentare nicht spezifisch auf bestimmte aufgeführte Beratungsanlässe oder Diagnosen, sondern waren allgemein gehalten. Eine globale Kritik an Teil II des KCA war, dass er eher Forderungen denn Kompetenzen formulierte.

Alle Kommentare der Befragung wurden eingehend in dem Panel diskutiert. Die Kommentare bezüglich der Kürzungswünsche wurden vom Panel derart umgesetzt, dass die Zahl der Kategorien für die Selbsteinschätzung um ein Drittel reduziert wurde. Zudem wurde das Ampelschema für die Selbsteinschätzung durch ein binäres System ausgetauscht. Abbildung 1 zeigt die Anleitung zum Gebrauch des revidierten KCA.

Weitere Ergebnisse des Panels waren, dass eine zusätzliche Diagnose, „akute Niereninsuffizienz“, ergänzt wurde und der Beratungsanlass „Thoraxschmerz“ entsprechend der DEGAM-Leitlinie in „Brustschmerz“ umformuliert wurde. Teil II des KCA wurde sprachlich komplett überarbeitet. Der dritte Teil des KCA wurde um weitere Prozeduren in der Allgemeinmedizin ergänzt. Dabei wurden sämtliche zu erfüllende Prozeduren der Muster-Weiterbildungsordnung sowie Ergebnisse einer deutschlandweiten Studie über die häufigsten Prozeduren in der Allgemeinmedizin berücksichtigt [11]. Darüber hinaus wurden einige Formulierungen der Praxistestversion redaktionell durch die Panelmitglieder bearbeitet.

Diskussion

Das KCA liegt nach dem Praxistest in einer überarbeiteten und konsentierten Form vor. Sowohl ÄiW als auch Weiterbildungsbefugte aus Kliniken und Praxen können es zur Selbst- bzw. Fremdeinschätzung und als Grundlage für Feedbackgespräche auch im Rahmen der Weiterbildungsgespräche verwenden und so einen kontinuierlichen Lernprozess in der Weiterbildung unterstützen. Mit dem KCA wurde für Deutschland ein Instrument entwickelt, das die Empfehlungen des Berichts der europäischen Weiterbildungsexperten von 2009 [1] umsetzt: Basis-Kompetenzen für den Erwerb der Facharztbezeichnung Allgemeinmedizin wurden für Deutschland standardisiert beschrieben. Am häufigsten wurde dabei von den Teilnehmern des Praxistests angegeben, den Teil „Medizinische Expertise“ zu verwenden, aber auch nicht-medizinische Kompetenzen wie „Lehren und Lernen“ bzw. „Kommunikation“ wurden genutzt, was den Ansatz der CanMEDS-Rollen unterstreicht.

Die Hälfte der Teilnehmer hatte das KCA in den letzten Monaten verwendet, viele konnten es in ihren Arbeitsalltag integrieren. Entsprechend internationalem Vorbild gilt es nun, die Verwendung des KCA während der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu fördern und flächendeckend zu implementieren. In unseren Nachbarländern DK, GB oder in den NL ist eine fortwährende Erfassung der Kompetenzen und des Kompetenzzuwachses der ÄiW verpflichtend. Dabei ist die Kompetenzerfassung jeweils unterschiedlich gestaltet. Es kommen verschiedene Elemente wie zum Beispiel die kontinuierliche Selbsteinschätzung der ÄiW in einem persönlichen Lernplan bzw. Logbuch sowie verschiedene, longitudinal die Weiterbildungszeit begleitende Prüfungsmethoden (Überprüfung der praktischen Fähigkeiten, Videobeobachtungen, Feedback durch Kollegen, Befragung zur Patientenzufriedenheit etc.) zur Anwendung [12].

In der nach dem Praxistest überarbeiteten Version wurden der Bearbeitungsaufwand und der Vorgang der Kompetenzeinschätzung deutlich reduziert. Das spiegelt Entwicklungen internationaler Curricula beispielsweise in DK und den NL wider, wo Erfahrungen mit kompetenzbasierten Curricula seit vielen Jahrzehnten vorliegen. Auch in DK wurde im Verlauf die Anzahl der während der Weiterbildung zu erreichenden Kompetenzen reduziert. In Deutschland, wo das Abbilden möglichst vieler detaillierter Punkte als berufspolitisch und abrechnungstechnisch günstig gilt, muss sich dieser Gedanke erst noch durchsetzen.

In den NL wurde der kompetenzbasierte Ansatz durch die Einführung von zehn „Entrustable Professional Activities“ (EPAs) weiterentwickelt. Eine EPA vereint mehrere Kompetenzen in sich. Sie sind aus der erlebten Differenz zwischen der Theorie des kompetenzbasierten Ansatzes und der patientenzentrierten praktischen Tätigkeit sowie fachlichen Expertise entstanden [13]. Jede EPA definiert dabei eine zentrale professionelle Aktivität einer medizinischen Fachrichtung mit all ihren dazugehörigen Aspekten, aufgeschlüsselt nach den CanMEDS-Rollen. Im Gegensatz zu reinen Kompetenzen werden dazu klar beobachtbare Fähigkeiten bzw. Aktivitäten definiert, was die Überprüfbarkeit erleichtert [12, 14].

Hierzulande gibt es ebenfalls Ansätze, EPAs zu implementieren. So wurden in der zweiten Überarbeitung des Musterlogbuchs für das Praktische Jahr (PJ) Allgemeinmedizin EPAs in die Ausbildung eingeführt. Inwieweit dieser Trend fortschreitet und demnach EPAs auch in ein überarbeitetes KCA einfließen werden, ist aus heutiger Sicht noch nicht eindeutig abschätzbar. Da aktuell nicht jeder AiW vorher sein PJ in der Allgemeinmedizin absolviert hat, ist es auch schwierig, eine enge Verzahnung zwischen dem Musterlogbuch für das PJ und dem KCA zu definieren.

Um die Anwendung und Akzeptanz des KCA weiter zu fördern, könnte es sinnvoll sein, zusätzlich eine webbasierte Version anzubieten [15]. Dabei müssten Anforderungen wie eine intuitive Benutzeroberfläche, standortunabhängige Verfügbarkeit des KCA, abschnittsweise Bearbeitung der einzelnen Kompetenzen sowie Verknüpfung zu weiterführendem Schulungsmaterial bzw. Verlinkung zu aktuellen Leitlinien berücksichtigt werden.

In Analogie zu den DEGAM-Leitlinien ist im Sinne eines fortlaufenden Verbesserungsprozesses geplant, das KCA regelmäßig an Veränderungen der Weiterbildungssituation (z.B. Musterweiterbildungsordnung) und neueste Forschungserkenntnisse anzupassen.

Eine Überarbeitung und Aktualisierung des KCA ist daher in spätestens fünf Jahren vorgesehen. Das KCA ist auf der Seite der Sektion Weiterbildung verfügbar: www.degam.de/weiterbildung.html.

Stärken des Praxistests sind, dass die Zahl von 730 nationalen und internationalen Downloads des KCA das vorhandene Interesse an diesem Curriculum unterstreicht. Zum ersten Mal wurde für Deutschland ein KCA entwickelt und in einem Praxistest an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst. Limitationen dieses Praxistestes waren die mit 20 % niedrige Rücklaufquote in der Online-Befragung. Ein Selektionsbias ist daher nicht auszuschließen.

Das Verwenden des KCA ist jedem AiW freigestellt. Es soll als didaktische Hilfe frühzeitig den Blick für die Kompetenzen, die es zu erwerben gilt, öffnen. Es ersetzt weder das Lehrbuch, noch die Notwendigkeit sich über die lokale Weiterbildungsordnung zu informieren und das Logbuch bzw. den Katalog der Landesärztekammer zu pflegen. Die Integration des KCA in den Weiterbildungsalltag ist dennoch möglich und lohnend. Auch für Weiterbildungsbefugte gibt das KCA einen Überblick über das zu vermittelnde medizinische Wissen, ärztliche Fähigkeiten und Kompetenzen, die in der Weiterbildung vermittelt werden sollten. Inwieweit Elemente dieses Curriculums in die Novelle der Muster-Weiterbildungsordnung einfließen können, ist noch ungewiss. Die Selbst- und Fremdeinschätzung des Kompetenzniveaus der ÄiW sollen durch das KCA bestmöglich unterstützt werden, um regelmäßige Weiterbildungsgespräche zu fördern und eine im Alltag gelebte Feedbackkultur zu etablieren.

Interessenkonflikte: JS, MR, JFC waren an der Entwicklung der ersten Version des Kompetenzbasierten Curriculums Allgemeinmedizin beteiligt. JFC gibt an, Gelder für eine Beratungstätigkeit von AOK, WidO und Elsevier Health Care Consulting sowie für Aussagen als Experte vom MDK und verschiedenen Gerichten erhalten zu haben. Die anderen Autoren geben keine Interessenkonflikte an.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Elisabeth Flum

Abteilung Allgemeinmedizin und<br/> Versorgungsforschung

Universitätsklinikum Heidelberg

Voßstraße 2, Geb. 37, 69115 Heidelberg

Tel.: 06221 56-8295

elisabeth.flum@med.uni-heidelberg.de

Literatur

1. Pawlikowska T, van Berkestijn L, Maagaard R. Speciality training for general practice in Germany. 2009. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Sektionen_und_Arbeitsgruppen/Sektion_Weiterbildung/Report%20German %20GP%20Vocl%20Training%20 Commission%20July%20final-amalgamated%20not%20confidential.pdf (letzter Zugriff am 14.07.2015)

2. Steinhaeuser J, Paulus J, Peters-Klimm F, Ledig Th, Szecsenyi J, Joos S. „Allgemeinmedizin ist trotzdem ein schönes Fach“ – eine qualitative Studie mit Ärzten in Weiterbildung. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011; 105: 89–96

3. Joos S, Roos M, Ledig Th, Bilger S, Szecsenyi J, Steinhaeuser J. Perspektiven und Erfahrungen weiterbildungsbefugter Ärzte für Allgemeinmedizin – eine Umfrage in Baden-Württemberg. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011; 105: 97–104

4. Steinhaeuser J, Chenot JF, Roos M, Ledig T, Joos S. Competence-based curriculum development for general practice in Germany: a stepwise peer-based approach instead of reinventing the wheel. BMC Res Notes 2013; 6: 314

5. Specialist training in general practice: statement of aims. www.dsam.dk/flx/english (letzter Zugriff am 14.07.2015)

6. Akademie für ärztliche Fortbildung der DDR. Bildungsprogramm und Kommentar zur Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin. Berlin, Gesundheitsministerium (DDR 1986)

7. Kanon Allgemeinmedizin. www.allgemeinmedizin.uni-wuerzburg.de/fileadmin/medizin/_temp_/Kanon_der_ Allgemeinmedizin.pdf (letzter Zugriff am 14.07.2015)

8. Frank JR, Danoff D. The CanMEDS initiative: implementing an outcomes-based framework of physician competencies. Med Teacher 2007; 29: 642–647

9. Iobst WF, Sherbino J, Cate OT, et al. Competency-based medical education in postgraduate medical education. Med Teacher 2010; 32: 651–656

10. Iglar K, Whitehead C, Takahashi SG: Competency-based education in family medicine. Med Teacher 2013; 35: 115–119

11. Jäkel K, Götz K, Ledig T, Joos S, Szecsenyi J, Steinhäuser J. Prozeduren in der Allgemeinmedizin (PIA) in Deutschland – eine Querschnittstudie. 47. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin 2013, München, Veranstalter DEGAM. Abstractband, 89

12. Flum E, Maasgaard R, Godycki-Cwirko M, et al. Facharztprüfung Allgemeinmedizin – was können wir von den europäischen Nachbarn lernen? Z Med Ausbild 2015; 32: Doc 21

13. ten Cate O, Scheele F. Competency-based postgraduate training: can we bridge the gap between theory and clinical practice? Acad Med 2007; 82: 542–547

14. Tromp F1, Vernooij-Dassen M, Grol R, Kramer A, Bottema B. Assessment of CanMEDS roles in postgraduate training: the validation of the Compass. Pat EducCouns 2012; 89: 199–204

15. Baden-Württemberg. Online-Weiterbildung für angehende Hausärzte. Dtsch Arztebl 2013; 50: A2435

Abbildungen:

Tabelle 1 Soziodemografie der Teilnehmer am Praxistest*

Abbildung 1 Anleitung zum Gebrauch des KCA (AiW = Arzt in Weiterbildung)

1 Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg 2 Allgemeinmedizinisches Institut, Universitätsklinikum Erlangen 3 Abteilung Allgemeinmedizin, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald 4 Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck Peer reviewed article eingereicht: 16.07.2015, akzeptiert: 24.07.2015 DOI 10.3238/zfa.2015.0446–0450


(Stand: 18.11.2015)

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