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Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM): Neuausrichtung mit Schwerpunkt Nachwuchsförderung

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Gegründet wurde die Stiftung bereits im Jahr 1973, und zwar mit der Bezeichnung „Deutsches Institut für Allgemeinmedizin“. Heute, 45 Jahre später, ist die Allgemeinmedizin an fast allen medizinischen Fakultäten in Deutschland institutionalisiert. Der Stiftungszweck ist aber unverändert: „Auf dem Gebiet der Allgemeinmedizin Forschung, Aus-, Weiter- und Fortbildung zu fördern“.

Über die Jahre war es still geworden um die Stiftung, denn die positive Entwicklung des Fachs Allgemeinmedizin, insbesondere auch an den Universitäten, hatte dem Stiftungszweck mehr oder minder entsprochen. Unter dem Vorsitz von Prof. Ulrich Schwantes konnte jedoch in Kooperation mit der Dr.-Lothar-Beyer-Familienstiftung seit 2008 der Deutsche Forschungspreis für Allgemeinmedizin etabliert werden.

Im Jahr 2016 entschloss sich die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) als Stifterin die Nachwuchsförderung unter dem Dach ihrer Stiftung zu bündeln und ihr so eine neue Ausrichtung und Strategie unter dem Namen Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) zu geben. Das war nicht nur eine kluge, sondern auch eine notwendige Entscheidung, um die Auflagen von Stiftungsaufsicht und Finanzbehörden zu erfüllen. Im Zuge dieser Entwicklung wurde im Frühjahr 2016 eine Website erstellt (www.desam.de) und gegen Ende des Jahres eine erste feste Mitarbeiterin eingestellt. Es folgte der Druck von Informationsmaterialien.

Seit Beginn des Jahres 2017 verwaltet und organisiert die DESAM unter dem Vorsitz von Prof. Wilhelm Niebling die bereits vor mehreren Jahren erfolgreich von der DEGAM ins Leben gerufenen Nachwuchsförderprogramme Summerschool Allgemeinmedizin und Nachwuchsakademie Allgemeinmedizin. Ziel dieser Programme ist es, die Breite und Vielfalt des Hausarztberufes aufzuzeigen und dessen Attraktivität zu verdeutlichen. Fachkundige Hausärztinnen und Hausärzte teilen ihre Erfahrungen aus dem Praxisalltag mit den teilnehmenden Studierenden. Der auf Augenhöhe stattfindende Austausch im Kleingruppenformat eröffnet Raum für persönliche Fragen und das Einbringen und Erarbeiten von eigenen Inhalten. Zudem profitieren die Programmteilnehmer durch den Austausch und die Vernetzung mit Gleichgesinnten aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die DEGAM-Präsidentin Prof. Erika Baum beschreibt Inhalte und Wirkung der Förderprogramme folgendermaßen: „In Nachwuchsakademie und Summerschool lernen Studierende eine moderne Allgemeinmedizin und Familienmedizin kennen, die ein interessantes, reflektierendes und patientennahes Berufsfeld mit vielen Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen für das Fach begeistert werden, aber auch als Multiplikatoren in ihrem Umfeld wirken.“

Summerschool Allgemeinmedizin

Eine Summerschool ist ein international verbreitetes Konzept zur Nachwuchs­förderung. Sie ermöglicht Studierenden, sich über mehrere Tage in ihr Fach zu vertiefen. In praktischen Übungen und interaktiven Diskussionsrunden erweitern die Teilnehmer allgemeinmedizinische Fähigkeiten und Kenntnisse. Vanessa Wenzel, Summerschool-Teilnehmerin 2017, bestätigt: „Die Summerschool ermöglicht praktisches Arbeiten nach höchsten wissenschaftlichen Standards sowie intensiven Austausch mit engagierten Lehrenden und gleichgesinnten Studierenden aus ganz Deutschland.“

Jedes Jahr ermöglicht die Stiftung ca. 25 Studierenden eine Summerschool-Teilnahme. Im August 2018 fand die achte Summerschool Allgemeinmedizin in enger Abstimmung mit dem Institut für Allgemeinmedizin der Charité-Universitätsmedizin in Berlin statt. Unter dem Motto „Hausarzt in der Großstadt“ beleuchteten und diskutierten die Teilnehmer verschiedene Aspekte der hausärztlichen Tätigkeit und Versorgung in einer Metropole wie Berlin.

Nachwuchsakademie Allgemeinmedizin

Anders als die jährlich unter einem Motto stattfindende Summerschool ist die Nachwuchsakademie als Langzeitförderung konzipiert. Dieses bundesweit einmalige Programm begleitet die Teilnehmer über drei Jahre. Bewusst hat man sich für diese mehrjährige Förderperiode entschieden, die bereits frühzeitig im Medizinstudium ansetzt: So wird eine kontinuierliche Begleitung durch die zweite Phase des Medizinstudiums gewährleistet, in der sich die angehenden Ärzte im Hinblick auf den künftigen Berufsschwerpunkt orientieren. Eventuelle Bedenken oder Hürden können frühzeitig abgebaut werden.

Bereits 2012 wurden die ersten zwölf Studierenden in das Programm aufgenommen. Aktuell fördert die DESAM 44 Studierende in drei parallelen Jahrgängen. Die Programmteilnehmer treffen sich zweimal im Jahr über mehrere Tage. Beim jährlichen Klausurwochenende stehen der hausärztliche Arbeitsalltag, das Kennenlernen allgemeinmedizinscher Arbeitsweisen sowie evidenzbasierte Medizin und Karrierewege in der Allgemeinmedizin im Vordergrund. Zudem wird den Teilnehmern der Besuch des DEGAM-Jahreskongress ermöglicht.

Nora Schilke, Teilnehmerin der Nachwuchsakademie von 2015 bis 2017, beschreibt die Einzigartigkeit des Förderprogramms so: „Wo sonst hat man die Möglichkeit, die geballte Ladung Allgemeinmediziner, Lehrende, praktizierende Hausärzte, Ärzte in Weiterbildung und andere Medizinstudenten aus ganz Deutschland mit Fragen zu löchern?“

Angesichts begeisterter Teilnehmer sowie kompetenter und erfahrener Dozenten wundert es nicht, dass die Nachfrage nach einem Platz steigt. Die Ausschreibung für den neuen, nunmehr achten Jahrgang der Nachwuchsakademie endet am 15. Januar 2019. Bis dahin können sich wieder Medizinstudierende vom vierten bis achten Semester, die in besonderem Maße an der Allgemeinmedizin interessiert sind und die Begeisterung für die hausärztliche Versorgung mitbringen, um einen der 15 Plätze bewerben.

Auch das Wissen der Teilnehmer, die das Programm bereits durchlaufen haben, bleibt erhalten. Seit einigen Jahren findet parallel zum Klausurwochenende ein in den Ablauf integriertes Alumni-Treffen statt. In den Pausen und während des Freizeitprogramms können sich Neue und Ehemalige direkt austauschen und dabei von den Erfahrungen der anderen profitieren. Einige der Absolventen unterstützen die Dozenten zudem bei der Konzipierung und Durchführung der verschiedenen Einheiten.

Die Nachwuchsakademie hat sich in den letzten sieben Jahren als Förderprogramm etabliert, was auch in der Fachwelt positiv wahrgenommen wird. Auf dem KBV-Sicherstellungskongress Ende Juni 2017 in Berlin präsentierte die Stiftung ihre Nachwuchsakademie zahlreichen Multiplikatoren und Entscheidungsträgern der Gesundheitsbranche. Deutlich wurde, dass mit dem Förderprogramm ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des hausärztlichen Nachwuchses geleistet wird. Bei der von der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“ ausgerichteten Veranstaltung „Ausgezeichnete Gesundheit 2018 – Exzellente Beispiele ambulanter Versorgung“ wurde die Nachwuchsakademie als eines von fünf innovativen Beispielen für den Bereich Nachwuchs vorgestellt.

Dinah Josten, die das Förderprogramm bereits durchlaufen hat, beschreibt den Effekt sowie die Wirkung der Teilnahme wie folgt: „Die Nachwuchsakademie hat mich in einer wichtigen und prägenden Phase begleitet und dazu beigetragen, dass ich den Abschnitt nach dem Studium mit klareren Vorstellungen und weniger Unsicherheit beginne. Ich habe das Gefühl, meine Nische in der Medizin gefunden zu haben.“

Nach acht Summerschools mit mehr als 200 Teilnehmern sowie sieben Nachwuchsakademie-Jahrgängen mit ca. 100 Geförderten ist festzustellen: Viele Teilnehmer werden an ihrer Heimat-Universität „Keimzelle“ für das Fach Allgemeinmedizin bei den Studierenden. Sie setzen sich weiterhin engagiert, motiviert und leidenschaftlich dafür ein und fungieren so als Multiplikatoren, die weitere Studierende begeistern und für das Fach interessieren. In diesem Sinne arbeiten wir Tag für Tag an dem primären Anliegen der Stiftungsarbeit, die Förderung und damit auch die Sicherstellung des hausärztlichen Nachwuchses.

Jetzt geht es darum, den Schwung des Neubeginns zu erhalten und die Finanzierung der gemeinnützigen Arbeit für den allgemeinmedizinischen Nachwuchs in den nächsten Jahren auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen.

Mehr über die Arbeit der Stiftung bzw. weitere Informationen zu den Förderprogrammen finden Sie im aktuellen Tätigkeitsbericht 2017, der unter www.desam.de/bilanz-2017.html online einsehbar ist.

Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende: www.desam.de/spenden.html

Kontaktadresse

Anke Schmid

Referentin Nachwuchsförderung

Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Friedrichstraße 88

10117 Berlin

Stipendiatinnen beim jährlichen Klausurwochenende

Foto: DEGAM


(Stand: 19.11.2018)

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