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Interdisziplinäre Lehre am Beispiel einer theoretisch-praktischen Lehreinheit zum Thema EKG

DOI: 10.1055/s-2005-918180

Interdisziplinäre Lehre am Beispiel einer theoretisch-praktischen Lehreinheit zum Thema EKG

K. Böhme1 I. Streitlein-Böhme2 M. Klock1 K. Funke3 H. Rusche1 Interdisziplinäre Lehre am Beispiel einer theoretisch-praktischen Lehreinheit zum Thema EKG A Theoretical-Practical ECG-Course as an Example of Interdisciplinary Teaching Ausbildung Zusammenfassung Ausgehend von den Vorgaben der neuen ÄAppO und den Anforderungen des Curriculums für den im WS 2003/2004 an der Ruhruniversität Bochum neu eingeführten Modellstudiengang Medizin wurde von den Physiologen und Allgemeinmedizinern der Fakultät eine Unterrichtseinheit zu den theoretischen Grundlagen, der praktischen Durchführung und der Beurteilung des nicht-pathologischen Elektrokardiogramms entwickelt. 42 Studierende des Modellstudiengangs absolvieren im 2. vorklinischen Semester den Block Herz-Kreislauf, der innerhalb von 4 Wochen verschiedene Unterrichtseinheiten, wie z. B. POLSitzungen, Seminare und Praktika umfasst. In dieses Konzept eingebettet werden sollte eine umfassende Unterrichtseinheit, die die Studierenden am Ende in die Lage versetzt, ein EKG abzuleiten und es zumindest hinsichtlich der Entscheidung Normalbefund bzw. pathologischer Befund bewerten zu können. Zu diesem Zweck wurde von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe der oben genannten Abteilungen eine Unterrichtseinheit ausgearbeitet, die den Studierenden einleitend prüfungsrelevantes Basiswissen zur allgemeinen und speziellen Elektrophysiologie des Herzens vermittelt, sie dann befähigt, selbständig die Standardableitungen eines EKGs abzuleiten, um ihnen abschließend sowohl das Grundwissen als auch die praktische Fähigkeit zur Beurteilung eines normalen EKGs näher zu bringen. Durchgeführt wurde die Veranstaltung ebenfalls von einer interdisziplinären Gruppe von Lehrkräften der angeführten Abteilungen, die den in 6 Kleingruppen aufgeteilten Studierenden interaktiv bei der Vermittlung der Lehrinhalte zur Verfügung standen. Bei der insgesamt 5 Zeitstunden umfassenden Veranstaltung wurde Abstract Following the requirements of the new ÄAppO and the new medical curriculum at the Ruhr-University of Bochum in winter term 2003/2004, the physiologists and general practioners of the faculty of medicine developed a teaching unit on the theoretical basics, applicatory accomplishment and assessment of the nonpathological electrocardiogram. Forty-two students of the model-program complete the cardiovascular teaching block during the second pre-clinical semester, which consists of different teaching units (for example PBL-sessions, seminars and practical courses) over 4 weeks. A broad teaching unit, which enables students to deduce an ECG and to assess it according to the decision between normal or pathological findings, was to be embedded into this concept. For this purpose, a teaching unit was developed by the interdisciplinary working group of the departments named above, which communicates introductory basic knowledge, relevant to the examination, as well as basic knowledge on general and special electrophysiology of the heart. This is meant to enable them to deduce the standard deductions of an ECG autonomously and finally communicate to them the basic knowledge and applicatory competency to assess a standard ECG. This course was likewise conducted by an interdisciplinary working group of teachers belonging to the already mentioned departments, being interactively available to the students, split into 6 small groups, during the delivery of the contents of teaching. During this course, which comprised 5 hours overall, there was great emphasis on the depiction of similarities and differences within the theoretical-scientific and the clinical-applied approach of the contents of teaching. The concluding evaluation 571 Institutsangaben Abteilung Allgemeinmedizin, Ruhr-Universität Bochum 2 Studiendekanat der Medizinischen Fakultät, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 3 Abteilung Physiologie, Ruhr-Universität Bochum 1 Korrespondenzadresse Dr. med. Klaus Böhme · Abteilung Allgemeinmedizin, Ruhr-Universität · Friedrichsburg 24 · 44803 Bochum · E-mail: klaus.boehme@rub.de Bibliografie Z Allg Med 2005; 81: 571–575 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York DOI 10.1055/s-2005-918180 ISSN 0014-336251 Wert gelegt auf die Darstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der theoretisch-wissenschaftlichen und klinischpraktischen Betrachtungsweise der Lehrinhalte. Die abschließend, von den Studierenden durchgeführte Evaluation, zeigte eine hohe Akzeptanz eines solchen interdisziplinären Unterrichtskonzeptes. Schlüsselwörter Medizinische Ausbildung · interdisziplinäre Lehre · Modellstudiengang Medizin · EKG by the students displayed a great acceptance of such an interdisciplinary teaching concept. Key words Medical education · interdisciplinary teaching · model course of studies in medicine · ECG 572 Ausbildung Einleitung Publikationen zur fächerübergreifenden Lehre sind in der medizindidaktischen Literatur äußerst selten abgebildet. Die wenigen bisher durchgeführten Untersuchungen weisen allerdings darauf hin, dass interdisziplinäre Lehrveranstaltungen äußerst erfolgreiche Unterrichtsformen darstellen können [1]. Überaus positive Ergebnisse bei der Implementierung interdisziplinärer Lehransätze konnten vor wenigen Jahren von amerikanischen Autoren beschrieben werden [2 – 4]. Hierbei zeigte sich vor allem, dass das Verständnis für allgemeinmedizinische Fragestellungen einerseits und fächerübergreifende Zusammenarbeit andererseits durch derartige Lehrangebote nachhaltig verbessert werden konnten. Im WS 2003/2004 wurde an der Ruhr-Universität Bochum der Modellstudiengang Medizin (MSM) nach dem Vorbild der Charité in Berlin eingeführt. Für diesen Modellstudiengang wurde ein völlig neues Curriculum entwickelt, das sich nicht mehr an der aufeinander aufbauenden Vermittlung der klassischen vorklinischen und klinischen Fächer orientiert, sondern während des gesamten Studiums das Ziel verfolgt, das medizinische Wissen und dessen Grundlagen den Studierenden in fächerübergreifenden Themenblöcken näher zu bringen (Abb. 1). Das grundlegende didaktische Instrument des MSM stellte in diesem Zusammenhang das Problemorientierte Lernen (POL) dar. Im Rahmen der Entwicklungsarbeit bot es sich aber auch an, interdisziplinäre Seminare, Praktika und praktische Übungen neu zu konzipieren und umzusetzen. Dies erforderte verständlicherweise ein Umdenken aller beteiligten Disziplinen. Die Bereitschaft, alte, bewährte Lehrformen aufzugeben und neue, aufwändig konstruierte Lehreinheiten gemeinsam mit anderen vorklinischen oder klinischen Fächern auf den Weg zu bringen, stieß anfangs nicht auf die uneingeschränkte Zustimmung aller Abteilungen. Letztlich aber war es die konstruktive, überaus fruchtbare Zusammenarbeit in den interdisziplinär besetzten Blockkonstruktionsgruppen, die in Bochum zu neuen, positiven Ansätzen des kollegialen Miteinanders und natürlich auch der fächerübergreifenden Lehre geführt hat, ganz im Sinne der Anforderungen nach der neuen ÄAppO. Ein weiteres wichtiges Anliegen bei der Einführung des MSM war die stärkere Einbeziehung der Studierenden in die Lehrveranstaltungen, was für die Lehrenden bedeutete, sich von der Lehrform der Vorlesung weitestgehend zu trennen und mehr interaktive Veranstaltungen zu konzipieren. Interdisziplinäre Blockkonstruktionsgruppen, zusammengesetzt aus Vertretern der vorklinischen und klinischen Fächer, die frühzeitig für die ersten Semester die Curriculumsentwicklung übernahmen, einigten sich auf die zuvor von allen Abteilungen und Fächern in einem Gesamtlernzielkatalog gelisteten Lerninhalte. Diese Lerninhalte bildeten die Grundlage für die einzelnen zu Abb. 1 Curriculum des Modellstudiengangs Medizin in Bochum. Böhme K et al. Interdisziplinäre Lehre am … Z Allg Med 2005; 81: 571 – 575 konstruierenden Seminare und Praktika sowie praktischen Übungen. Die konkrete Umsetzung in entsprechende blockbezogene Unterrichtseinheiten vollzog sich in ebenfalls interdisziplinär besetzten Arbeitsgruppen, so auch im Rahmen des Blockes Herz-Kreislauf im 2. vorklinischen Semester. EKG-Ableitung zu vermitteln. Aufgeteilt in 6 Kleingruppen zu je 7 Studierenden, denen jeweils ein/e Dozent/in, entweder aus der Abteilung für Physiologie oder der Allgemeinmedizin zur Seite stand, sollte abschließend jede/r Teilnehmer/in sowohl ein Standard- als auch ein Vektor-EKG sicher selbständig ableiten und mögliche Fehlerquellen bei der Ableitung erkennen können (Abb. 2). Der letzte, ebenfalls zwei Unterrichtseinheiten umfassende Praktikumsteil war dem Erlernen einer praxisgerechten Auswertung von Standard-EKGs vorbehalten. Als anwendungsbezogenes Lernziel war die Beurteilung eines nicht pathologischen Ruhe-EKGs hinsichtlich vorher definierter, auf einfachem Niveau gehaltener Kriterien (Ausmessen der Phasen einer Herzaktion, Bestimmung der Herzfrequenz, Lagetyp usw.) festgelegt (Abb. 3). Hierzu stand den Studierenden ein eigens zu diesem Zweck entworfener EKG-Befundbogen zur Verfügung (Abb. 4). Zudem bekamen die Studierenden zum Vergleich ausgesuchte pathologische EKGs (z. B. Arrhythmie, Extrasystolen, Blockbilder) zur Beurteilung vorgelegt. Bei diesem Unterrichtsteil standen für jeweils 21 Studierende 2–3 Dozenten/innen der Abteilung für Allgemeinmedizin zur Verfügung. Methoden Zielsetzung bei der Entwicklung des EKG-Praktikums für insgesamt 42 Studierende im 2. vorklinischen Semester des Modellstudiengangs Medizin war die Konstruktion einer interdisziplinären Lehrveranstaltung zur Vermittlung von theoretisch-wissenschaftlichen und klinisch-praktischen Lehrinhalten, sowie die Verbindung der Lehrinhalte von Klinik und Vorklinik. Darüber hinaus sollte es sich bei dem EKG-Praktikum um eine weitgehend interaktive Lehrform handeln. Wichtig erschien es allen Lehrenden, die Fertigkeit der EKG-Auswertung frühzeitig in der medizinischen Ausbildung zu etablieren. So war es auch einleuchtend, dass diese Fähigkeit zeitgleich mit den physiologischen Grundlagen des EKGs vermittelt werden sollte, um eine sinnvolle Vernetzung von Theorie und Praxis herzustellen, eine Vernetzung, die bislang häufig erst im Praktischen Jahr erfolgt. Die Grundlage für die Konstruktion des EKG-Praktikums waren die folgenden, vorher festgelegten Lernziele (Tab. 1). Für die Durchführung des Praktikums war ein Zeitrahmen von insgesamt 5 Unterrichtseinheiten vorgesehen. Am Anfang der Veranstaltung stand ein theoretischer Input von der Dauer 1 Unterichtseinheit, durchgeführt von einem Dozierenden der physiologischen Abteilung. In der methodischen Form einer Vorlesung wurde den 42 Studierenden das Basiswissen zur Funktion des Herzens, zur allgemeinen und speziellen Elektrophysiologie sowie zu möglichen Messmethoden vermittelt [5]. Um auch hier zumindest einen Ansatz von Interaktion sicherzustellen, waren Zwischenfragen durch die Studierenden ausdrücklich erwünscht. Der zweite Teil des Praktikums, Dauer 2 Unterrichtseinheiten, hatte zum Ziel, den Studierenden die praktische Fertigkeit der Abb. 2 EKG-Ableitung 573 Ausbildung Tab. 1 Lernziele des EKG-Praktikums Vorwiegend kognitive Lernziele Physiologie: Grundlagen der Mechanik der Herzaktion, der Erregungsbildung und -ausbreitung erklären können Physiologie/Allgemeinmedizin: Das Ableiten eines EKGs erklären und mögliche Fehlerquellen in den Ableitungen erkennen können Vorwiegend anwendungsbezogene Ziele Allgemeinmedizin: Ein EKG eigenständig ableiten können Ein nicht-pathologisches EKG befunden können Ein pathologisches EKG als solches erkennen können Abb. 3 EKG-Auswertung Böhme K et al. Interdisziplinäre Lehre am … Z Allg Med 2005; 81: 571 – 575 Tab. 2 Evaluationsergebnisse des EKG-Praktikums, 1. und 2. Jahrgang MSM Auswertung: EKG-Praktikum (MSM) Frage SS 2004 n = 40 Durchschnittsnote SS 2005 n = 32 Durchschnittsnote Wie intensiv haben Sie sich selbst auf das Praktikum vorbereitet? Wie empfanden Sie den Schwierigkeitsgrad der Praktikumsaufgaben? Wie empfanden Sie den theoretischen Input für das Praktikum? Wie war die Betreuung/Hilfe bei der Durchführung der EKG-Ableitungen? Wie war die Betreuung bei den EKG-Auswertungen? Wie schätzen Sie den Lernerfolg durch das Praktikum insgesamt ein? Wie beurteilen Sie die Gliederung/Reihenfolge der Themen? Wie beurteilen Sie das Begleitmaterial? Wie beurteilen Sie das Konzept einer solchen interdisziplinären Veranstaltung? 2,66 2,89 2,38 2,13 1,74 1,87 1,84 1,70 1,64 1,88 1,85 2,84 3,06 2,22 1,91 1,69 2,06 2,00 2,00 1,63 2,09 1,97 574 Ausbildung Abb. 4 EKG-Befundbogen Wie beurteilen Sie die Bedeutung des Seminars für den POL-Fall der Woche? Wie beurteilen Sie die Veranstaltung insgesamt? Ergebnisse der Evaluation Die gesamte Unterrichtsveranstaltung wurde jeweils am Ende durch die Studierenden (in der ersten Kohorte n = 40, in der zweiten Kohorte n = 32) evaluiert. Die Ergebnisse (Tab. 2) veranschaulichen nicht nur sehr deutlich die Akzeptanz eines derartigen interdisziplinären Konzeptes, auch der Lernerfolg dieser vorklinisch/klinischen Unterrichtseinheit wurde von studentischer Seite hoch eingeschätzt. Ein Eindruck, der von den beteiligten Dozenten/innen voll und ganz bestätigt werden konnte. Gliederung und Reihenfolge der Themen wurden mit „gut“ bewertet, ebenso die Veranstaltung insgesamt. Die Tatsache, dass der Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben als relativ hoch bewertet wurde, hat die grundsätzliche Meinung der Studierenden jedoch nicht dahingehend beeinflusst, das Gesamtkonzept dieser fachübergreifenden Unterrichtseinheit negativ zu evaluieren. Im Gegenteil findet sich in Bezug auf die Frage nach der Akzeptanz der interdisziplinären Lehre in beiden Kohorten die beste Benotung. die Fähigkeit zur Integration Grundlage des täglichen Denkens und Handelns der Lehrenden ist, ein Umstand, der für die Arbeit in einer allgemeinmedizinischen Praxis nahezu unabdingbar ist und dieses Fach für derartige Aufgaben prädestiniert. Der Lerneffekt einer wirklichen interdisziplinären Lehre beschränkt sich für die Studierenden nach Auffassung der Verfasser nicht nur auf die aufbereiteten Lernziele selbst, vielmehr kann in der interdisziplinären Lehre auch die Chance gesehen werden, den angehenden Ärzten/innen ein Gefühl für die zwingende Notwendigkeit kollegialer Zusammenarbeit bei ihrer späteren praktischen Arbeit am und mit dem Patienten zu vermitteln. Kritisch anzumerken bleibt, dass diese Form der Lehre, so befriedigend sie sich für alle Beteiligten auch darstellen mag, einen hohen personellen Aufwand erfordert. Ein durchaus realistischer Ausweg kann hier im Einsatz von Studierenden höherer Semester für die Betreuung der praktischen Übungen gesehen werden. Eine Lösung, die es ermöglichen könnte, derartige Lehrkonzepte ihren Einzug auch in den Regelstudiengang finden zu lassen. Aus Sicht der Lehrenden bereitet das beschriebene interdisziplinäre Lehrkonzept die Studierenden auf die im Modellstudiengang Medizin der Ruhr-Universität Bochum implementierten praxisorientierten Prüfungsformen (MEQ und OSCE) adäquat vor. Aus allgemeinmedizinischer Sicht mag noch angemerkt werden, dass interdisziplinäre Lehre eine wichtige Vorbildfunktion ha- Diskussion Die Notwendigkeit der Weiterentwicklung interdisziplinärer Veranstaltungen ergibt sich aus den bisherigen Ausführungen. Sowohl Studierende als auch Lehrende waren von dieser Lehrform überzeugt. Voraussetzung für den Erfolg dieser Praktikumsform ist es, nicht einzelne Fächer „nebeneinander“ zu lehren, wie in vielen Ansätzen „interdisziplinärer Veranstaltungen“ zzt. noch zu beobachten, sondern zu Konzepten wirklich integrativer Wissensvermittlung zu finden. Dazu ist es hilfreich, dass Böhme K et al. Interdisziplinäre Lehre am … Z Allg Med 2005; 81: 571 – 575 ben kann: angehenden Ärzten und Ärztinnen wird durch fächerübergreifende Lehrveranstaltungen in einem frühen Stadium ihrer Ausbildung Teamfähigkeit demonstriert, eine Kompetenz, die für eine optimale Patientenbetreuung unabdingbar erscheint. Interessenkonflikte: keine angegeben. 2 Muller J, Shore W, Martin P, et al. What did we learn about interdisciplinary collaboration in institutions? Acad Med 2001; 76 (Suppl 4): S55 – S60 3 Kahn N, Davis A, Wilson M, et al. The Interdisciplinary Generalist Curriculum (IGC) Project: An overview of its experience and outcomes. Acad Med 2001; 76 (Suppl 4): S9 – S12 4 Veitia M, McCarty S, Kelly P, et al. The Interdisciplinary Generalist Curriculum Project at Joan C. Edwards School of Medicine at Marshall University. Acad Med 2001; 76 (Suppl 4): S97 – S99 5 www.neurop.ruhr-uni-bochum.de/lehre/Praktikum Literatur 1 Müller T, Witt C. Geschichte, Konzepte und aktuelle Anwendung psychotherapeutischer Verfahren, Evaluation eines Wahlpflichtfaches. GMS Z Med Ausbild 2005; 22 (1): (20050128) Zur Person Dr. med. Klaus Böhme geb. 1958 in Bochum, Medizinstudium in Bochum, Approbation 1986, Promotion 1987, Facharzt für Allgemeinmedizin und Niederlassung in hausärztlicher allgemeinmedizinischer Gemeinschaftspraxis mit Ehefrau in Bochum seit 1991, Lehrpraxis der Ruhruniversität Bochum. Seit 2003 Lehrbeauftragter der Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum. Lehrveranstaltungen im Modell- und Regelstudiengang Medizin, POL-Tutor im vorklinischen Studienabschnitt. Seit 2003 Vorsitzender des Qualitätsnetzes Diabetes (QND) in Bochum – Qualitätsnetz mit Integration aller drei Versorgungsebenen (klinische, fachärztliche und hausärztliche Versorgung). 575 Ausbildung Lendenwirbelsäule Jan Hildebrandt, Gerd Müller, Michael Pfingsten (Hrsg.) 718 S., 99,95 Euro, Urban & Fischer, ISBN 3-43732-50-9 Es handelt sich um eine umfassende interdisziplinäre Darstellung der lumbalen Rückenschmerzen, wie sie im deutschen Schrifttum bisher nicht zur Verfügung stand. Das Buch umfasst sowohl anatomische, physiologische und psychologische Grundlagen, als auch klinische Aspekte, die in 10 Kapiteln von ausgewiesenen Experten gut lesbar vorgestellt werden. Am Schluss werden bestehende nationale und internationale Leitlinien dargestellt und eine Zusammenschau durchgeführt. Im letzten Kapitel „Die Sprechstunde“ werden Hinweise zur Patientenedukation und Antworten auf häufige Fragen von Patienten gegeben. Die zweifarbige Textgestaltung und das Layout sind angenehm. Die Bebilderung (565 Abbildungen) ist exzellent, allerdings lässt die Beschriftung z. T. zu wünschen übrig. Leider kommt es bedingt durch die Vielzahl der Autoren (59) zu häufigen Wiederholungen, gelegentlich zu Widersprüchen und einigen terminologischen Abweichungen. Die Gestaltung der Kapitel ist etwas uneinheitlich. Während einige Autoren umrahmte Kästchen zur Zusammenfassung der prägnanten Punkte verwenden, verzichten etwa die Hälfte auf diese leserfreundliche Erinnerungsstütze. Die kritische Bewertung und klare Stellungnahme zu Wertigkeit und Indikation einiger diagnostischer und therapeutischer Verfahren schwankt in ihrer Qualität und Prägnanz. So hätte ich mir z. B. bei den radiologischen Untersuchungsmethoden klarere Aussagen gewünscht. Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung psychologischer Faktoren bei der Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen und die Beschreibung der psychologischen Behandlungsverfahren. Prof. Wilhelm Niebling stellt in einem Kapitel Rückenschmerzen aus hausärztlicher Sicht anhand der DEGAM-Leitlinie dar. Trotz der vorherigen Einschränkungen ist das Buch hausärztlichen Kollegen, die einen ihrer Praxisschwerpunkte bei Rückenschmerzen oder in der Schmerztherapie sehen, zu empfehlen. Dr. Jean-François Chenot, Göttingen Böhme K et al. Interdisziplinäre Lehre am … Z Allg Med 2005; 81: 571 – 575


(Stand: 12.12.2005)

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