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Hua TD et al. Orale Antikoagulation in der Hausarztpraxis Z Allg Med 2010; 86: 382–389

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Thanh Duc Hua

Leserbrief von Dr. med. Armin Mainz

Bitte überprüfen Sie die Aussage, dass bei Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko und einem hohen Thromboembolierisiko die orale Antikoagulation reduziert und niedrigdosiert heparinisiert werden soll. Für diese Behauptung wird als Quelle die „Hausärztliche Leitlinie Antikoagulation“ der Leitliniengruppe Hessen angegeben. Die dortige Empfehlung besitzt allerdings nur die Empfehlungsstärke C (Evidenzgrad 4), ohne dass ersichtlich wäre, wer dies mit welchen Argumenten empfiehlt. Das in diesem Zusammenhang dort angegebene Cochrane-Review dient nicht zur Beantwortung dieser Frage, da es sich einer ganz anderen Fragestellung widmet.

Antwort von Dr. med. Thanh Duc Hua

Unser Fortbildungsartikel ist ein narrativer Review und keine Leitlinie mit einer systematischen Angabe der Evidenzstärke für die Kernaussagen. Randomisierte Studien zum Thema perioperatives Management liegen leider nicht vor. Darauf wird in der hessischen Hausärztlichen Leitlinie „Antikoagulation mit Vit.-K-Antagonisten“ hingewiesen. Die Angabe einer besseren Quelle ist uns nicht möglich. Publikationen von Expertenkreisen stammen insbesondere aus dem angloamerikanischen Raum, in dem v. a. Warfarin verabreicht wird, das im Vergleich zu Phenprocoumon eine viel kürzere Halbwertszeit hat. Amerikanische Leitlinien, wie z. B. die ACCP-Guidelines können daher nicht einfach so übertragen werden. Die angegebenen Empfehlungen der Hessischen Hausärztlichen Leitlinie zum praktischen Vorgehen sind dem Arznei-Telegramm 9 / 2004 entnommen worden. Dies sind Empfehlungen von Experten und daher mit Evidenzgrad 4 gewichtet.

Eine Reduktion der oralen Antikoagulation sowie die gleichzeitige niedrigdosierte Heparinisierung bei Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko und einem hohen Thromboembolierisiko werden von der hessischen Hausärztlichen Leitlinie so nicht empfohlen.

Bei Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko werden zwei mögliche Vorgehensweisen empfohlen: Entweder keine Unterbrechung (vor allem bei Zahnextraktion vertretbar) oder eine Dosisreduktion der oralen Antikoagulation. Bei bestehendem hohen Thromboembolierisiko wird eine niedrigdosierte Heparinisierung bis zum Wiedererreichen der angestrebten INR-Werte erst nach dem Eingriff empfohlen.

Thanh Duc Hua

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Armin Mainz

Am Berndorfer Tor 5

34497 Korbach

dr.mainz@docduo.de

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Thanh Duc Hua

Abteilung Allgemeinmedizin

Universitätsmedizin Göttingen

Humboldt-Allee 38

37073 Göttingen

E-Mail:

thanhduc.hua@med.uni-goettingen.de


(Stand: 27.12.2010)

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