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Familienmedizin zwischen Praxis, Wissenschaft und Kunst

Erfahrungen von der 17. Konferenz der WONCA Europe in Warschau 2011

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Marcus Schmidt, Tobias Freund

Mehr als 2000 Hausärztinnen und Hausärzte aus über 50 Nationen nahmen vom 8. bis 11. September am 17. Kongress der WONCA Europe in Warschau, Polen teil. 92 Workshops, 270 Vorträge und 485 Poster widmeten sich dem Spannungsfeld von Familienmedizin zwischen Praxis, Wissenschaft und (ärztlicher) Kunst. Dabei wurden unter anderem Themen wie die Herausforderungen bei der Behandlung nicht-übertragbarer chronischer Krankheiten in der Primärversorgung oder die Folgen der ökonomischen Krise für die Medizin diskutiert. Auch die zahlreichen Arbeitsgruppen der WONCA-Familie wie etwa das European General Practice Research Network (EGPRN), die European Academy of Teachers in General Practice (EURACT) oder die Nachwuchsorganisation Vasco da Gama Movement (VdGM) brachten sich mit Workshops und Vorträgen in die Diskussion um die Zukunft der Familienmedizin im Europa des 21. Jahrhunderts mit ein.

Erstmalig wurde in diesem Jahr der Nachwuchswissenschaftlerpreis von WONCA Europe und VdGM in Höhe von 2000 Euro vergeben. Es gewann die belgische Allgemeinmedizinerin Gretel van Esch (Brüssel). Sie hatte im Rahmen ihrer Weiterbildung eine Pilotstudie zur Behandlung depressiver Patienten mit Hilfe eines feedbackgestützten körperlichen Trainingsprogramms in der Hausarztpraxis erfolgreich durchgeführt. Auch im kommenden Jahr wird der Nachwuchspreis im Rahmen des 18. WONCA Kongresses in Wien vergeben. Bewerben können sich Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Fachärztinnen und Fachärzte bis zum 5. Jahr nach ihrer Facharztanerkennung. Weitere Informationen sind unter www.vdgm.eu zu finden. Eine weitere Premiere ist die Einrichtung einer nationalen Kontaktperson des VdGM für akademisch interessierte Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Tobias Freund wird diese Funktion ab 2012 erfüllen und steht unter anderem als Ansprechpartner für interessierte Bewerber für den Nachwuchspreis zur Verfügung.

Zwar war die Zahl der deutschen Teilnehmer im Vergleich zu anderen Nationen verhältnismäßig gering (12 Teilnehmer), doch die Zahl der Beiträge deutscher Teilnehmer erreichte mit 15 Beiträgen den fünften Platz. Im kommenden Jahr wird die 17. WONCA Konferenz in der Zeit vom 4. bis 7. Juli in Wien unter dem Thema „The Art and Science of General Practice“ stattfinden. Abstracts können ab sofort bis zum 15. Dezember 2011 unter www.woncaeurope2012.org eingereicht werden.

Bereits anderthalb Tage vor der WONCA-Konferenz fand die VdGM-Vorkonferenz statt. Diese bestand wie immer aus zwei Teilen, der Sitzung des European Council (EC) und der Vorkonferenz für erstmalige Teilnehmer. In den EC kann jedes europäische Land einen Vertreter senden, wovon dieses Jahr 22 Nationen Gebrauch machten. Hier werden alle relevanten Entscheidungen getroffen und das fünfköpfige Leitungsgremium (Executive Group) gewählt. Die aktuelle VDGM-Vorsitzende ist Andrea Poppelier aus Frankreich, der deutsche VdGM-Vertreter ist seit letztem Jahr Marcus Schmidt. Schwerpunkte der Arbeit waren diesmal unter anderem das Hippokrates-Programm, welches jungen und angehenden Hausärzten/-innen zweiwöchige Hospitationen in Praxen auf dem ganzen Kontinent ermöglicht. Neu ist der Claudio Carosini-Preis, der nach einem im vergangenen Jahr von einem Patienten ermordeten italienischen Landarzt benannt wurde und Hospitationen in ländlichen Regionen unterstützen soll. Zudem gibt es eine neue Arbeitsgruppe „Beyond Europe“ die den Kontakt zu den in immer mehr Weltregionen entstehenden Organisationen junger Hausärzte pflegt (z.B. Moviemiento Waynakay in Lateinamerika und Rajakumar Movement in Südostasien/Australien). An der Vorkonferenz für erstmalige VdGM-Teilnehmer nahm Anna Klimiuk aus Berlin teil. Hier wurden im Rahmen von Workshops die Perspektiven der einzelnen Länder zu dem Thema „Bedeutung der Allgemeinmedizin für die globale Gesundheit“ zusammengetragen. Die nächste VdGM-Vorkonferenz wird vom 3. bis 4. Juli 2012 in Wien stattfinden, die Ankündigung erfolgt ab Januar 2012 im Forum der JADE (www.jungeallgemeinmedizin.de).

Korrespondenzadresse

Dr. med. Tobias Freund

Abteilung Allgemeinmedizin und <br/>Versorgungsforschung

Universitätsklinikum Heidelberg

Voßstraße 2

69115 Heidelberg

E-Mail: <br/>tobias.freund@med.uni-heidelberg.de

1 Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg

2 Hausarztpraxis Allef/Schmidt, Bad Homburg


(Stand: 15.12.2011)

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