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Die Wahrheit – nur eine Tochter der Zeit?

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Susanne Rabady

Die Sorge, kein guter Arzt zu sein, begleitet uns alle. Was ein guter Arzt ist, ist nicht besonders klar, was die Sorge zur berufslebenslangen Begleiterin macht. Die Suche nach dem, was den guten Arzt ausmacht, ist Gegenstand ärztlicher Selbstreflexion, auf individueller Ebene in der einen oder anderen schlaflosen Nacht, und als Berufsgruppe in peer groups wie Qualitätszirkeln oder in publizistischer und wissenschaftlicher Aktivität. Darüber hinaus hält das Bestreben, ärztliche Qualität festzumachen und verlässlich Wahres aus der Fülle von Daten und Meinungen herauszufiltern, eine ganze Reihe weiterer Berufsgruppen in guter Beschäftigung.

Das Streben nach dem guten Arzt-Sein ist der Motor von DEGAM und ÖGAM, und Gegenstand der vorliegenden wie aller anderen Ausgaben der ZFA. Sie finden auch diesmal wieder unterschiedliche Zugänge: gesichertes und aufbereitetes Wissen in Form der EbM-Splitter, konkrete Fakten zur praktischen Anwendung (Fallbericht aus dem Listserver, Fortbildung Anaphylaxie), Überlegungen zur Beziehungsgestaltung, den Versuch, über die Erfassung patientenseitiger Krankheitskonzepte gemeinsam guter Behandlung näherzukommen, und Überlegungen zur Ausbildung guter Hausärzte.

Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit – Erkenntnisse ändern sich rasch und oft gründlich –, aber auch eine der Blickwinkel und Interessenslagen. Das betrifft sowohl die Evidenz begründenden Studien als auch die Ableitung von Empfehlungen. Weil davon auch die Wahrheitsfindung in Form der Erstellung von Leitlinien betroffen ist, wurden und werden hohe Anforderung an Datengewinnung und Erstellungsprozess entwickelt. Die Leitlinienerstellung nach S3-Kriterien ist ein ungeheuer komplexer, aufwendiger Prozess geworden, der sehr viel Geld und sehr viel Zeit verschlingt; ein träger Apparat, der lange braucht, um auf Veränderungen zu reagieren – und die komplexe Wirklichkeit hausärztlicher Praxis nicht ausreichend gut erfassen kann. Ein relevanter Teil der praxisrelevanten Fragestellungen ist bekanntermaßen nicht mit belastbarer Evidenz abgedeckt, oder sie entstehen aus einem individuellen Kontext, der die unmittelbare Übertragung harter Leitlinien-empfehlungen nicht sinnvoll erscheinen lässt. Antworten und Entscheidungshilfen benötigt der gute Hausarzt trotzdem.

In diesem Heft finden Sie drei Leitlinien der DEGAM, aber nicht solche, wie Sie sie gewöhnt sind. Die DEGAM hat sich entschlossen, sich der Erstellung von kurzen, in der Praxis schnell erfassbaren S1-Leitlinien, also Handlungsempfehlungen, zu widmen, die flexibler sind und den Erfordernissen der Praxis eher gerecht werden können.

Ein Kompendium, das evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für alle gängigen Fragestellungen der hausärztlichen Praxis erfasst, wird seit Jahren in der deutschsprachigen Version von der ÖGAM adaptiert und verantwortet: die EbM-Guidelines. Es ist sowohl als Buch als auch online verfügbar, und es bietet zudem über eine Reihe von Kurzvideos, interaktive Programme und eine umfassende Bilddatei.

Seit kurzem erscheint es in einer mit allen mobilen Endgeräten kompatiblen Form, wie Smartphone oder Tablet. Das Kompendium ist derzeit über die ZFA-Homepage kostenfrei zugänglich.

Zu wünschen wäre, dass die Projekte der Schwestergesellschaften sich zukünftig gegenseitig beeinflussen und ergänzen.


(Stand: 17.12.2013)

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