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Über Wert und Bedeutung hausarztspezifischer Fortbildungen

Hans-Michael Mühlenfeld

Das vorrangige Ziel der Fortbildungspflicht, wie sie von der Politik im § 95d SGB V vorgesehen wurde, ist schnell genannt: Ärztinnen und Ärzte sollen regelmäßig ihr fachliches Wissen auf den neusten Stand bringen. So weit, so gut und verständlich! Wer allerdings nur auf die 250 CME-Punkte blickt, übersieht leicht die vielen anderen Gründe, die es so lohnenswert machen, gute hausarztspezifische Fortbildungen zu besuchen.

Wert guter Fortbildungen

Was aber ist eine „gute Fortbildung“? Mit dieser Frage muss man sich nicht nur bei der Planung von Fortbildungsveranstaltungen beschäftigen, sondern auch als Teilnehmerin oder Teilnehmer eines Seminars. Natürlich hängt die Beantwortung dann erst einmal davon ab, wo man Auffrischungsbedarf sieht beziehungsweise in welchem Bereich es wohlmöglich Innovationen gab. Genauso spielen eigene Schwerpunkte und Interessen eine nicht unwesentliche Rolle. In die eigene Überlegung sollten aber unbedingt auch Aspekte wie Evidenzbasierung und Produktneutralität mit einbezogen werden. Was nützt mir ein Seminar, wenn ich mich danach fragen muss, inwieweit ich dem Erlernten Glauben schenken darf oder ob mir hier nur eine besondere Therapieform schmackhaft gemacht werden sollte? Eine Fortbildung soll in erster Linie ein Wissen vermitteln und ist kein Marktplatz für neue Präparate der Pharmaindustrie. Zudem ist es unerlässlich, dass die Basis des Seminars die tagtägliche Arbeit in der Hausarztpraxis ist. Fortbildungen müssen also sowohl in die Tiefe gehen als auch die Breite unseres Faches berücksichtigen.

Dabei ist Wissensvermittlung die eine Sache, aber durchaus nicht der einzige Mehrwert, den ein Seminar seinen Teilnehmern mitgeben sollte. Fortbildungen ermöglichen uns Hausärzten und unseren Praxismitarbeitern auch, miteinander in Kontakt zu treten, zu diskutieren und dabei über den eigenen Tellerrand zu blicken. Ob fachlich oder berufspolitisch, der gemeinsame Austausch ist von entscheidender Bedeutung, auch im Blick auf Gemeinschaftsgefühl und Solidarität. Und mehr noch: Eine gute Fortbildung bestärkt ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer in deren Kompetenzen und in ihrem Selbstbewusstsein. Und das ist gerade in Zeiten, in denen von allen Seiten an den Hausarztkompetenzen gekratzt wird, von entscheidender Bedeutung. Ich erinnere hier nur kurz an das KBV-Konzept, das vorschlägt, ureigene Hausarztkompetenzen in die Hände von „geriatrischen Schwerpunktpraxen“ zu legen. Als Generalisten können wir über 80 Prozent der Behandlungsfälle in unseren Praxen abschließend versorgen. Diese Arbeit und diese Breite unseres Faches muss ein Seminar unterstützen und fördern – und das muss sich auch im Spektrum der angebotenen Fortbildungen widerspiegeln!

Gewinn für ganze Praxis

Dabei erweist sich der gemeinsame Besuch von Hausärzten und Praxisteam als besonders fruchtbar – dies wird mir jedes Jahr aufs Neue bei der Planung und Durchführung der practica, als Europas größtem Seminarkongress für Hausärzte und nichtärztliche Mitarbeiter, deutlich. Die Möglichkeit, sich als Team gemeinsam fortzubilden, stärkt und verbessert auch die Zusammenarbeit in der Praxis. Zugleich bieten gut ausgebildete Praxismitarbeiter uns Hausärzten die Möglichkeit, uns durch Delegation nichtärztlicher Tätigkeiten bei der täglichen Arbeit entlasten zu lassen – ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Fortbildung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH®).

Bei Fortbildungen geht es also um mehr, als nur darum, das fachliche Wissen auf dem neusten Stand zu halten: Es geht dabei um unsere Kompetenzen und um die Identität unseres Faches.

Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF)


(Stand: 05.01.2017)

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