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Auf dem Prüfstand – die 24 DEGAM-Zukunftspositionen aus der Sicht von niedergelassenen Hausärzten

DOI: 10.3238/zfa.2017.0486–0492

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Wolfgang A. Blank, Hannes Blankenfeld, Anna-Maria Frangoulis, Reinhold Klein, Ute Lachner-Eitzenberger, Claudia Levin, Martin Liebl, Michael Rinecker, Dagmar Schneider, Mirjam Schrön, Birgitt Weinhold, Anton J. Beck

Schlüsselwörter: Schlüsselwörter: DEGAM-Zukunftspositionen Hausarzt Evaluation Primärarztsystem Gesundheitsversorgung


Zusammenfassung: Zwölf niedergelassene Hausärzte haben die 24 Zukunftspositionen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vor dem Hintergrund ihrer täglichen Praxis diskutiert. Sie bewerteten sie als ein enorm hilfreiches Instrument für die Positionierung der Allgemeinmedizin im Gesundheitswesen und die Stärkung des beruflichen Selbstverständnisses. Aus ihrer Sicht sind jedoch Veränderungen und Präzisierungen notwendig. Eine konstruktive Diskussion der Vorschläge soll eine größtmögliche Relevanz und Akzeptanz der Forderungen für die Rahmenbedingungen und Zukunftsoptionen des Fachgebietes erreichen.

Einführung

Mit den Zukunftspositionen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) erfolgte 2012 der längst überfällige Schritt, die Tätigkeit von Hausärzten allgemein und im Kontext der gesundheitspolitischen Landschaft zu beschreiben und einzuordnen. Sie sollen helfen, allen Beteiligten im Gesundheitssystem die weitreichenden und wichtigen Aufgaben der Allgemeinmedizin zu vermitteln. Das Präsidium der DEGAM hat die Zukunftspositionen während einer Klausurtagung entworfen und in einem mehrstufigen Diskussionsprozess zusammen mit den Mitgliedern weiterentwickelt [1].

Inwieweit diese Positionen außerhalb der Hochschul- und Gesundheitspolitik von Hausärzten wahrgenommen und bewertet wurden, ist nicht bekannt. In den „DEGAM-Infos“ wurden die einzelnen Positionen vorgestellt und eine kritische Diskussion angeregt [2]. Eine Gruppe von niedergelassenen Hausärzten hat die Thesen auf den Prüfstand gestellt und präsentiert ihr Ergebnis am Beispiel der ersten vier Zukunftspositionen als Diskussionsgrundlage.

Methoden

Zwölf niedergelassene Hausärzte (sechs weiblich, sechs männlich) haben sich seit Oktober 2013 in regelmäßigen Abständen zu sechs zweitägigen Seminaren getroffen. Alle Ärzte kennen sich durch die gemeinsame Lehrtätigkeit am Institut für Allgemeinmedizin der TU München. Der Altersschnitt lag bei 53 Jahren (39–66) und die durchschnittliche Niederlassungsdauer bei 17 Jahren (5–30; Stichtag 1. Juli 2017). Bei den Treffen wurden jeweils vier der DEGAM-Zukunftspositionen diskutiert und so die eigene berufliche Tätigkeit reflektiert. Jedes Gruppenmitglied wurde Pate für zwei Positionen. In gemeinsamer moderierter Gruppendiskussion und im Konsensusverfahren [4] wurden diese vor dem Hintergrund der persönlich erlebten Versorgungsrealität überarbeitet und in der hier vorliegenden Form zusammengefasst.

Ergebnisse

Für alle 24 Zukunftspositionen wurden formale und inhaltliche Veränderungsvorschläge erstellt. Den ursprünglichen Formulierungen wurde ein kommentierter, alternativer Text gegenübergestellt. Die ersten vier Zukunftspositionen werden in diesem Artikel vorgestellt, die weiteren sind in Vorbereitung.

Diskussion

Primär diente die Diskussion der Positionen den Seminarteilnehmern dazu, sich gemeinsam über die verschiedenen Aspekte der eigenen Tätigkeit nachhaltig Gedanken zu machen und die eigene hausärztliche Tätigkeit intensiv zu reflektieren. Die Beteiligten fanden in diesem Prozess viele offene und veränderungswürdige Punkte und wollten diese einer breiteren interessierten Öffentlichkeit vorstellen.

Alle 24 Zukunftspositionen wurden übereinstimmend als wichtig wahrgenommen. Auffallend waren zum einen die wissenschaftslastige Formulierung, zum anderen erschienen einzelne Forderungen der Praxisrealität und dem subjektiv wahrgenommenen Versorgungsauftrag in der Hausarztpraxis nicht angemessen. Genereller Widerspruch zu einzelnen Positionen war selten. Detailliert wird hierauf bei der Diskussion der einzelnen Positionen eingegangen.

Wir wünschen uns, dass die erarbeiteten Vorschläge zu einer konstruktiven Diskussion sowohl in unserer Fachgesellschaft als auch in der Hausärzteschaft anregen und dazu beitragen, die Aufgaben und Rahmenbedingungen der Allgemeinmedizin in den Zukunftspositionen genauer und praxisnäher zu formulieren.

Zukunftsposition 1

Zukunftsposition 2

Zukunftsposition 3

Zukunftsposition 4

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Wolfgang Blank

Facharzt für Allgemeinmedizin

Regener Straße 13

94259 Kirchberg

Tel.: 09927 441

Literatur

1. Scherer M. Mit konkreten Antworten für Aufbruchsstimmung sorgen: Die 24 Zukunftspositionen der DEGAM. Z Allg Med 2012; 88: 452–453

2. DEGAM Infos. Der Hausarzt 5/2013: 26. www.degam.de/files/Inhalte/Degam-Inhalte/Presse/DEGAM_in_den_Medien/?2013/HA1305_DEGAM_final.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

3. www.statistikdaten.bayern.de/genesis/online/data?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=2&levelid=149?6240631518&downloadname=12411–?001 (letzter Zugriff am 31.05.2017)

4. Lamnek S. Gruppendiskussion. In: Lamnek S. Qualitative Sozialforschung, 5. Aufl. Weinheim, Basel: Beltz, 2010: 372–434

5. Gerlach FM, Scherer M. 48. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin 2014. www.egms.de/dynamic/de/meetings/degam2014/index.htm (letzter Zugriff am 31.05.2017

6. Existenzgründungsanalyse Ärzte 2014/ 2015, September 2016: 1–8. www.apobank.de/content/dam/g8008–00/ueber_?uns/presse/160926/existenzgruendungs?analyse-aerzte-2015.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

7. Gesundheitsdaten KBV 2015. http://ge?sundheitsdaten.kbv.de/cms/html/170?20.php (letzter Zugriff am 31.05.2017)

8. Das Gründerfieber ist verflogen. Ärzte Zeitung online, 21.04.2014. www.aerzte?zeitung.de/praxis_wirtschaft/praxisma?nagement/praxisfuehrung/article/853?500/praxisgruendung-gruenderfieber-verflogen.html?sh=1&h=595517402 (letzter Zugriff am 31.05.2017)

9. Gensichen J, von Korff M, Peitz M, et al. Case management for depression by health care assistants in small primary care practices: a cluster randomized trial. Ann Intern Med. 2009; 151: 369–378

10. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Koordination und Integration ? Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009 Kurzfassung. www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2009/Kurzfassung-2009.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

11. Existenzgründungsanalyse Ärzte 2014/ 2015 – Geschlechter im Vergleich. Oktober 2017: 1–7. www.apobank.de/content/dam/g8008–0/ueber_uns/presse/?161017/Existenzgründung%20Ärzte%?202015_Gender.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

12. Weltärztebund: Deklaration von Genf. www.bundesaerztekammer.de/filead?min/user_upload/downloads/Genf.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

13. Starfield B. Primary care: balancing health needs, services and technology. New York: Oxford University Press, 1998: 448

14. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Gesundheit in Deutschland. Berlin: RKI 2015; Kapitel 5.1: Ambulante Versorgung: 302–309. www.gbe-bund.de/pdf/GESBER2015.pdf (letzter Zugriff am 31.05.2017)

15. Herrmann M, Braun V, Schwantes U. Stärkung der hausärztlichen Versorgung durch ein Primärarztsystem. Jahrbuch für kritische Medizin; 2013; 32: 41. www.med.uni-magdeburg.de/jkmg/?wp-content/uploads/2013/03/JKM_?Band32_Kapitel06_Herrmann_Braun_?Schwantes.pdf (letzter Zugriff am 31.05. 2017)

Abbildungen:

Tabelle 1 Gruppenteilnehmer

1 Facharzt für Allgemeinmedizin, Kirchberg im Wald; 2 Facharzt für Allgemeinmedizin, München; 3 Fachärztin für Allgemeinmedizin, Gilching; 4 Facharzt für Allgemeinmedizin, Pfaffenhofen a.d. Glonn; 5 Fachärztin für Allgemeinmedizin, Peißenberg; 6 Fachärztin für Allgemeinmedizin, München; 7 Facharzt für Allgemeinmedizin, Niederaichbach; 8 Facharzt für Allgemeinmedizin, Feldkirchen; 9 Fachärztin für Allgemeinmedizin, Warngau; 10 Fachärztin für Allgemeinmedizin, Miesbach; 11 Fachärztin für Allgemeinmedizin, Tiefenbach; 12 Facharzt für Allgemeinmedizin, Rottenburg a. d. Laaber Peer reviewed article eingereicht: 11.05.2017, akzeptiert: 30.06.2017 DOI 10.3238/zfa.2017.0486–0492


(Stand: 15.12.2017)

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