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Seminar Didaktik und Lehre der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin

DOI: 10.1055/s-2004-44934

Seminar Didaktik und Lehre der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin

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ZfA 2004 \"036\", 23.2.04/dk köthen GmbH Seminar Didaktik und Lehre der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin Seminar Didactics and Teaching of the Society of University Teachers for General Practice Lehre 82 J.-F. Chenot1 A. Altiner2 M. Erhardt3 M. Gulich4 L. Schmittdiel5 Zusammenfassung Die neue Approbationsordnung schreibt die Benotung aller Fächer vor. Um dieser Herausforderung zu begegnen fand ein Workshop zu verschiedenen Prüfungsformaten für allgemeinmedizinische Hochschullehrer statt. In Kleingruppen wurden Beispiele für OSCE (Objective structured clinical examination), MEQ (Modified essay questions), MCQ (Multiple choice questions) und SMP (Strukturierte mündliche Prüfung) erarbeitet und im Plenum vorgeführt. Jedes Testformat hat spezifische Vor- und Nachteile; welches Format eingesetzt wird, hängt von den zur Verfügung stehenden Ressourcen und persönlichen Präferenzen ab. Schlüsselwörter Allgemeinmedizin ´ Evaluation ´ medizinische Ausbildung Abstract New federal regulations for medical education require marking in all subjects. In order to meet this challenge a workshop on testing formats to teachers in General Practice was held. Small groups developed sample examination), MEQ (Modified essay questions), MCQ (Multiple choice questions) and SOE (Structured oral examination) and demonstrated the results. Each testing format has it specific advantages and disadvantages, which one will be implemented, depends largely on available resources and personal preferences. Key words General practice ´ evaluation ´ medical education Die im Herbst 2003 in Kraft getretene neue Approbationsordnung stellt eine groûe Herausforderung für alle Fächer dar [2]. Bisher erschien auf dem Abschlusszeugnis nur eine Gesamtnote, die sich aus einer Kombination der Prüfung durch das IMPP (Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen) und der mündliche Prüfung zusammensetzte. In Zukunft müssen für jedes Fach im Zeugnis Noten vergeben werden. Die Allgemeinmedizin ist zum Hauptfach aufgestiegen und wird zwei Noten für das Blockpraktikum und das Seminar vergeben müssen. Diese Anforderung wertet das Lehrangebot der Universität auf und belohnt engagierte und aktive Studierende. Die Herausforderung für die Lehre besteht nun darin eine sowohl faire als auch praktikable Prüfung durchzuführen. Am 22.10.2003 fand in Köln im Anschluss an die Jahreshauptversammlung der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin ein Seminar ¹Didaktik und Lehreª mit Workshops zum Thema Prüfungsformen statt. Institutsangaben 1 Abteilung Allgemeinmedizin, Universität Göttingen 2 Abteilung für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf 3 Institut für Allgemeinmedizin, Universität Hamburg 4 Abteilung Allgemeinmedizin, Universität Ulm 5 Lehrauftrag Allgemeinmedizin, Technische Universität München Korrespondenzadresse Dr. med. Jean-Francois Chenot, MPH ´ Abteilung Allgemeinmedizin ´ Universität Göttingen ´ Humboldtallee 38 ´ Ë 37073 Göttingen ´ E-mail: jchenot@gwdg.de Bibliografie Z Allg Med 2004; 80: 82±84  Georg Thieme Verlag Stuttgart ´ New York ´ ISSN 0014-336251 ´ DOI 10.1055/s-2004-44934 ZfA 2004 \"036\", 23.2.04/dk köthen GmbH Lehrziele Vor der Prüfung steht die Lehre, denn geprüft werden kann nur was vorher auch vorher gelehrt wurde. So ist die Prüfung auch ein Überprüfung der Qualität der Lehre. Eine genaue Festlegung der Lernziele ist hierzu notwendig. Dabei hat sich die hier bereits vorgestellte Taxonomie von Bloom bewährt, die Lernzielen drei Domänen eingeteilt [4]: ± Kenntnisse, Wissen ± Professionalität, Einstellungen ± psychomotorische und intellektuelle Fertigkeiten Den einzelnen Gruppen kann wiederum eine Kompetenzhierarchie zugeordnet werden. Ein Lernziel kann gleichzeitig in mehrere Domänen abdecken. So erfordert beispielsweise das Lernziel: Der Student soll eine Impfaufklärung durchführen können erfordert Kenntnisse über Indikationen und Kontraindikationen, Einstellungen zur Impfung und kommunikative Fähigkeiten. Jede der in den Workshops vorgestellte Prüfungsform hat Vor- und Nachteile bei der Prüfung bestimmter Bereiche und Lerntiefen. der MEQs. Auûerdem kann es schwierig sein, unerwartete Antworten im Lösungshorizont zu berücksichtigen. Im Workshop entwickelte Beispielaufgaben wurden im Plenum präsentiert. Multiple Choice Dr. Markus Gulich, Ulm, übernahm die schwierige Aufgabe die gut bekannte, aber nicht sehr beliebte Multiple Choice Prüfung (MCQ) vorzustellen und zu verteidigen. Vorteile der MCQ sind, dass ein groûer Teil der Lernziele aus dem Lernzielkatalog erfasst werden kann und die Prüfung eine hohe Reliabilität besitzt. Der gröûte Vorteil liegt aber im vergleichsweise geringen Zeitaufwand für Durchführung und Auswertung der Prüfung. Im Workshop wurden verschiedene Formen von MC-Fragen und typische Probleme bei der Frageentwicklung besprochen. Die entwickelten Fragen wurden im Plenum vorgestellt und kritisch diskutiert. Lehre Strukturierte mündliche Prüfung Dr. Lothar Schmittdiel, München, stellte die traditionelle unstrukturierte mündliche Prüfung der strukturierten mündlichen Prüfung gegenüber. Die unstrukturierte mündliche Prüfung ist eine weitverbreitete Prüfungsform in Deutschland, die bisher aber schlecht evaluiert worden ist. Ihr Vorteil liegt in der spontanen Tiefe, der Nachteil ist die schlechte Reliabilität und Objektivität und somit Validität, wenn der Kandidat benotet werden muss. Diese Qualitätskriterien erfüllt eine strukturierte mündliche Prüfung sicher, jedoch benötigt sie einen hohen organisatorischen Aufwand. Hierbei werden die Fragen für alle Prüflinge vorgegeben und die Antworten vorher festgelegt. In dem Workshop wurden beide mündlichen Prüfungsformen praktiziert und ihre Vor- und Nachteile dargestellt. OSCE Dres. Maren Ehrhardt und Jean-Francois Chenot, Hamburg und Ë Göttingen, stellten den OSCE (objective structured clinical examination) vor [3]. Es handelt sich um eine Art ¹medizinisches Zirkeltrainingª. An Prüfungsstationen werden praktische Fähigkeiten geprüft, wie z. B. die Erhebung einer Impfanamnese. Hierzu benötigt der Student eine klare Anleitung. Der Simulationspatient muss auf diese Aufgabe durch eine Anleitung und Training vorbereitet werden. Die Bewertung der Leistung des Studierenden erfolgt durch ein strukturiertes Bewertungsschema. Die Bewerter müssen ebenfalls ein Training durchlaufen um die Reliabilität der Wertung zu gewährleisten. Zwei Stationen wurden in Kleingruppen entwickelt und im Plenum vorgestellt. Hierbei zeigte sich, wie sorgfältig diese aufwendige Prüfungsform vorbereitet werden muss. 83 Fazit Eine faire Prüfung, bedeutet viel Arbeit und ist mit allen der genannten Prüfungsformen durchzuführen. Die im Plenum vorgestellten Ergebnisse der Workshops zeigten, wie aufwendig es ist eine objektive und reliable Prüfung durchzuführen. Jede Prüfungsform hat ihre spezifischen Vor und Nachteile (Tab. 1). Welche Prüfungsform sich an den einzelnen Fakultäten durchsetzen wird, hängt von den zur Verfügung stehenden Mitteln und personellen Kapazitäten ab. Interessenkonflikte: keine angegeben. Modiefied Essay Questions Dres. Attila Altiner (Düsseldorf) und Lothar Rudolph (Bochum), präsentierten die dort bereits erfolgreich implementierte Prüfung mittels Modified Essay Questions (MEQ) [1]. Die MEQs beschreiben ein allgemeinmedizinisches Szenario gefolgt von kurzen, die Antwort strukturierenden Fragen. Die Beantwortung der Fragen verlangt aktives und passives Wissen und erfordert auch Reflexion und Kreativität. Die Fragen werden von den Studierenden mittels frei formulierter Kurzantworten gelöst. Querbezüge unterschiedlicher Fragen zueinander sind möglich. Die Korrektur der Antworten orientiert sich an einem ± idealer Weise im Team entwickelten ± vorgegebenen Lösungshorizont. Der problemorientierte Ansatz der Fragen, der auf das Denken in Zusammenhängen abzielt ± ein zentrales Anliegen in der Allgemeinmedizin ± ist ein Vorteil der MEQ. Nach den bisherigen Erfahrungen haben Studenten mit eingeschränkten deutschen Sprachkenntnissen gelegentlich Schwierigkeiten mit dem Verständnis der teilweise komplexen Syntax Tab. 1 Aufwand für die Durchführung der Prüfung Aufwand für¼ OSCE* Entwicklung Durchführung Auswertung ++++ +++ ++ MEQ** +++ + ++ MCQ*** ++ + + SMP*** +++ +++ + * OSCE (objective structured clinical examination), ** MEQ (modified essay questions), *** MCQ (multiple choice questions), **** SMP (strukturierte mündliche Prüfung) Chenot J-F et al. Seminar Didaktik und ¼ Z Allg Med 2004; 80: 82 ± 84 ZfA 2004 \"036\", 23.2.04/dk köthen GmbH Literatur 1 Zur Person Dr. med. Jean-Francois Chenot, MPH, Jahrgang 1969, Facharzt für AllgeË meinmedizin, American Board certified Primary Care/Internal Medicine. Während der Weiterbildungszeit in Boston/Carney Hospital, Tufts University 1998±2001 Vertreter der Weiterbildungsassistenten im Weiterbildungskomitee und Teilnahme an einer Inspektion durch das ACGME. Auszeichnung mit mehreren Preisen als Teaching Resident und für Forschungsprojekte. Berufsbegleitende Absolvierung eines Public Health Studiums an der Boston University. Seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Allgemeinmedizin der Universität Göttingen; ab 2004 Job-sharing Partner in einer Landarztpraxis. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist die praktische Umsetzung der neuen Approbationsordnung. Altiner A, Wilm S, Sielk M. Allgemeinmedizinische Inhalte im Medizinstudium. Implementation einer Klausur. ZFA 2002; 78: 425 ± 430 2 Bundesgesetzblatt. Jahrg. 2002 Teil I, Nr. 44 Bonn 3. Juli 2002, Approbationsordnung für ¾rzte vom 27. Juni 2002 3 Chenot JF, Ehrhardt E. Objective structured clinical examination (OSCE) in der medizinischen Ausbildung: Eine alternative zur Klausur. ZFA 2003; 79: 437 ± 442 4 Gulich M. Prüfung zur Beurteilung komplexer Lehrziele. ZFA 2003; 79: 507 ± 511 Lehre 84 Buchbesprechung Disease-Management-Programme ± Erwartungen und Bedenken von Hausärzten und Patienten Hanna Kaduszkiewicz, Hendrik van den Bussche 117 S., Asgard-Verlag, Sankt Augustin, 2003 ISBN 3-537-25016-9 Es gibt zahlreiche Beurteilungen der DMPs im Allgemeinen als auch im Speziellen auf die bei uns gültigen bzw. vorbereiteten bezogen. Sie beziehen sich bisher immer auf eine rein konzeptionelle oder system-analytische Ebene. Für mich ist dies hier die erste und bisher einzige Untersuchung, die die Sicht von Betroffenen, hier Vertragsärzten und Patienten, zur Thematik untersucht haben. Hierzu ist die Form eines qualitativen Forschungsprojektes mit Fokusgruppen gewählt worden. Für die DMPs Asthma, Diabetes und KHK wurde jeweils eine Patienten- und eine Vertragsarzt-Fokusgruppe gebildet, die mittels vorgegebener Fragen zu Vorstellungen, Hoffnungen und ¾ngsten die Thematik in Form einer auf Tonträger aufgezeichneten Diskussion bearbeitet haben. Die Texte wurden von der Forschergruppe auf thematische Schwerpunkte analysiert. Chenot J-F et al. Seminar Didaktik und ¼ Z Allg Med 2004; 80: 82 ± 84 Ergebnis der Studie ± kurz zusammengefasst ± ist, dass in den ärztlichen als auch den Patienten-Fokusgruppen sowohl eine positive als auch eine negative Erwartungshaltung deutlich wurde. DMPs werden als Hilfestellung für Klarheit in einem Bereich, als Hilfe für Behandlungsentscheidungen und darüber als Hintergrundsmotor für Qualitätsverbesserung im jeweils betroffenen Versorgungsbereich angesehen. Sie böten die Möglichkeit für Transparenz ärztlichen Handelns ± auch für Patienten. Man sieht in ihnen aber auch die Bedrohung ärztlicher Handlungsfreiheit und einer Standardisierung der Medizin, die dem Patienten nicht gut tun wird. Ohne eine ¹Mitbestimmungª von Seiten der Patienten und der ¾rzte-vor-Ort seien sie aber auch als Gefahr im Sinne der ¹sparsamen Medizinª, der Rationierung im Gesundheitssystem. Spannend zu lesen, mich hat die durchgehend ambivalente Position in den Gruppen erstaunt. Univ.-Prof. Dr. H.-H. Abholz Direktor der Abteilung für Allgemeinmedizin Universität Düsseldorf


(Stand: 02.02.2004)

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