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Was kann mein Student?

DOI: 10.1055/s-2007-1004607

Was kann mein Student?

Ausbildung 67 Was kann mein Student? Frage der Beurteilung im Hausarztpraktikum/PJ What can my Student do? Question of Assessment in General Practitioner Practical Course/PJ Autor Institut N. Donner-Banzhoff Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Philipps-Universität Marburg Es ist sicher ein großer Mangel unseres Medizinstudiums, dass Studierende nur selten eine präzise Rückmeldung über ihr Können und Tun bekommen. Die Multiple-Choice-Prüfungen des IMPP fragen lediglich Wissen ab; bei den mündlichen Prüfungen (Staatsexamen) ist es so spät, dass eigentlich keine Konsequenzen mehr gezogen werden können. Mit den Blockpraktika der neuen AO haben wir jedoch eine Möglichkeit, individuelles und praxisnahes Feedback zu geben, an dem die Studierenden ihr weiteres Lernen orientieren können. Allerdings ist dies für uns eine ungewohnte Herausforderung, da wir während unseres eigenen Studiums praktisch nie eine solche Beurteilung erfahren haben. Vielleicht können die folgenden Überlegungen Lehrärzten und Studierenden helfen, das Beste aus der Benotung des Blockpraktikums zu machen. Befunden, dem Wissen um relevante Erkrankungen (Differenzialdiagnosen) und Therapien sowie der Fähigkeit zur Informationssynthese. Beobachtung Wenn wir Studenten direkt beobachten, können wir uns ein Urteil bilden über den Umgang mit dem Patienten, die Gesprächsführung und die Beherrschung von Untersuchungstechniken. Wir können zum Einen die Anamnese, körperliche Untersuchung und das Patientengespräch vollständig beobachten. Dies wird von den Patienten übrigens erfahrungsgemäß recht positiv aufgenommen, ist für uns allerdings recht zeitaufwändig. Zum Anderen können wir dies auch „häppchenweise“ leisten, wenn uns die Studenten begleiten. Wenn beispielsweise ein Patient mir gegenüber Bauchschmerzen erwähnt, bitte ich die Studentin, dazu sofort die Anamnese zu erheben (Lokalisation, Ausstrahlung, Charakter, Beziehung zur Nahrungsaufnahme, usw.). Ich beobachte, nutze vielleicht parallel die Zeit zur Durchsicht alter Befunde oder Dokumentationen (Kleinhirn!) und übernehme danach gleich wieder das Gespräch. Fehlende Fragen stelle ich selbst dem Patienten, und gebe der Studentin nachher eine kleine Rückmeldung. Das Prinzip der „Häppchen-Beobachtung“ lässt sich auch sehr gut für die Untersuchungstechnik einzelner Organsysteme nutzen. Ein Bild machen & Peer reviewed article eingereicht: 10.12.2007 akzeptiert: 18.12.2007 Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2007-1004607 Online-Publikation: 2008 Z Allg Med 2008; 84: 67–68 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. N. DonnerBanzhoff, MHSc Abteilung für Allgemeinmedizin Präventive und Rehabilitative Medizin Philipps-Universität Marburg 35032 Marburg Norbert@med.uni-marburg.de Ein Bild über Wissen, Fertigkeiten und das Tun eines Studenten können wir uns nur machen, wenn wir ihm oder ihr Gelegenheit geben, sich zu äußern. Solange wir unsere Studenten im passiven Modus der überlieferten Famulatur lediglich mitlaufen lassen, haben wir für eine Beurteilung nichts in der Hand. Der Fallbericht, die Beobachtung, Fragen, Hausaufgaben sowie Äußerungen von Patienten und Personal geben uns Auskunft darüber, „was unsere Studenten können“. Fragen Dies ist die klassische Methode, um Überlegungen in eine bestimmte Richtung zu lenken, und einen Eindruck vom Wissensstand zu bekommen. Aber man kann damit auch eine unerfreuliche Prüfungsatmosphäre provozieren. Dies passiert vor allem dann, wenn wir faktische oder Ja/Nein-Fragen stellen („Ab wie viel Ml Blut färbt sich der Stuhl schwarz?“). Stattdessen sollten unsere Fragen eine echte Herausforderung sein, wo Wissen und Können zusammenspielen, Schwie- Fallbericht Nachdem der Student einen Patienten befragt und untersucht hat, lassen wir uns die erhobenen Informationen, diagnostische Schlussfolgerungen und Management-Vorschläge berichten. Damit haben wir uns schon einen ganz guten Eindruck verschafft: Von der Struktur und Tiefe der Anamnese, der Interpretation von Beschwerden und Donner-Banzhoff N. Was kann mein Student do? … Z Allg Med 2008; 84: 67–68 68 Ausbildung rigkeiten und Dilemmata gelöst werden müssen („Würden Sie dieser 82-jährigen Patientin mit Blut im Stuhl eine Koloskopie empfehlen? Was spricht dafür, was spricht dagegen?“). Entsprechend sind hier meist mehrere Antworten möglich, aber diese Differenzen machen das kollegiale Gespräch nur noch ergiebiger. Tab. 1 Konstruktives Feedback… beschreibt, aber wertet nicht ist spezi?sch, nicht verallgemeinernd bezieht sich auf Dinge, die der Student beein?ussen kann ist wohldosiert „Sie haben im Gespräch kaum Augenkontakt mit Frau M. gehabt.“ „Sie haben Frau M. sehr schön erklärt, warum Sie so müde ist.“ „Sie sollten langsamer sprechen und ab und zu mit einer Rückfrage prüfen, ob die Patienten Sie verstanden haben.“ wird zur Regel, ist auf wenige Aspekte konzentriert („verdaulich“) „Sie interessieren sich wohl nicht für diese Patienten.“ „Sie sind einfach Spitze.“ „Unsere Patienten verstehen Ihren bayrischen Akzent einfach nicht.“ ausschließlich am Schluss des Praktikums, bezieht sich auf eine überwältigende Zahl von Punkten Positiv-Beispiel Negativ-Beispiel Hausaufgaben Für das Blockpraktikum sicher eine zunächst ungewohnte Form. Aber wenn ich den Eindruck habe, dass einem Studenten auf einem wichtigen Gebiet die Grundlagen fehlen, bitte ich ihn, das Thema z. B. bis zum übernächsten Tag durch Lektüre zu bearbeiten. Natürlich muss ich dann vieles aus hausärztlicher Sicht zurecht rücken; aber auf diese Weise erspare ich mir (und dem Studenten) einen Solo-Vortrag über die Grundlagen, und bekomme einen Eindruck über die Bereitschaft und Fähigkeit zum selbständigen Bearbeiten eines Themas. Rückmeldung von Personal und Patienten Ob sich Patienten von der Studentin gut angenommen und verstanden gefühlt haben, erfahren Sie gleich nach dem Gespräch (u. U. non-verbal), oder ein paar Tage später. Gerade ein Lob sollten Sie an die Studentin weiter leiten. Aber auch ein negatives Echo sollte Anlass für ein Gespräch und Hinweise zur Verbesserung sein. Dass die Zeit des Blockpraktikums nur kurz ist und unsere Studenten mit unzureichenden Vorerfahrungen kommen, erschwert unsere Aufgabe. Wir sollten aber versuchen, jedem unserer Studenten eine nachvollziehbare und von der Sache her nützliche Rückmeldung zu geben. Die of?zielle Benotung hat – abgesehen von einer Fünf – keine weiteren Folgen, da sie in keine Gesamtnote eingeht. Wir sollten deshalb das persönliche Feedback in den Vordergrund stellen. Dazu ein paar Tipps. In Anlehnung an Alguire et al. Teaching in Your Of?ce; 2001 Das Ganze ist natürlich eine Gratwanderung: auf der einen Seite wollen wir unsere Studierenden im Blockpraktikum für die Allgemeinmedizin begeistern; auf der anderen Seite ist uns mit der P?icht zur Benotung ein potenziell kränkendes Instrument in die Hand gegeben. Die „billige“ Benotung (jeder bekommt eine Zwei; und wer nett lächelt, kriegt seine Eins) kann jedoch nicht die Lösung sein. Vielmehr sollten wir durch aktive Einbeziehung der Studierenden, eine fundierte Beurteilung ihres Wissens, Könnens und Handelns sowie eine konstruktive Rückmeldung einen Beitrag zur Ausbildung von Arzt-Persönlichkeiten leisten. Interessenkon?ikte: keine angegeben. Konsequenzen ziehen & Die Grundform ist die Sandwich-Reihenfolge: zunächst was gut gelaufen ist, dann was schlecht gelaufen ist, und schließlich was beim nächsten Mal besser zu machen ist. Darüber hinaus ist bei „konstruktivem Feedback“ zu beachten ( Tab. 1). Wenn immer möglich, beziehen Sie sich auf die Lernziele und Problemfelder, die Sie zu Beginn des Praktikums mit dem Studenten überlegt haben. Zur Person Prof. Dr. med. N. Donner-Banzhoff, 1991 Arzt für Allgemeinmedizin, 1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg, 1993 Niederlassung in Gemeinschaftspraxis. 1994 –1995 Gastdozent und Academic Fellow am Department of Family and Community Medicine, University of Toronto (Kanada), Master Program in Community Health. Seit 1997 Leiter des Postgraduierten-Programms „Klinische Evaluation“ am Fachbereich Medizin der Universität Marburg, 1999 Habilitation im Fach Allgemeinmedizin, 2003 Ernennung zum Professor für Allgemeinmedizin. Arbeitsschwerpunkte: Kardiovaskuläre Erkrankungen und deren Prävention, Klinische Epidemiologie und deren Anwendung in der Versorgung, ArztPatient-Beziehung, Weiter- und Fortbildung, allgemeinärztliche Entscheidungs?ndung. Zum Schluss & Natürlich haben Sie außerdem einen allgemeinen Eindruck: ist die Studentin pünktlich? Bleibt sie auch einmal zwei Stunden länger, um mich beim Hausbesuch zu einer schwer Kranken zu begleiten? Interessiert sie sich für die Arbeit der Arzthelferinnen? Stellt sie selbst Fragen und demonstriert dabei Interesse und Mitdenken? Diese Dinge sollten Sie ebenfalls berücksichtigen. Donner-Banzhoff N. Was kann mein Student do? … Z Allg Med 2008; 84: 67–68


(Stand: 02.02.2008)

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