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Das Leistungsbild der Allgemeinmedizin

DOI: 10.1055/s-2007-1022563

Das Leistungsbild der Allgemeinmedizin

Editorial 43 Das Leistungsbild der Allgemeinmedizin Prof. Dr. H.-H. Abholz Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2007-1022563 Z Allg Med 2008; 84: 43 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Prof. Dr. H.-H. Abholz Facharzt für Allgemeinmedizin Universitatsklinikum Düsseldorf Abteilung für Allgemeinmedizin Moorenstr. 5 40225 Düsseldorf abholz@med.uni-duesseldorf. de Die Leistung eines Faches bildet sich unterschiedlich ab. Es kann das Bild in der Medien-Öffentlichkeit sein, was ein Medienkonstrukt ist. Hier ist jedes spezialisierte Fach, was meist spektakuläre Erfolge oder vorgebliche Erfolge hat, gegenüber der Allgemeinmedizin deutlich bevorzugt. Die Allgemeinmedizin kommt in der Medien-Öffentlichkeit, wenn überhaupt, nur in „Serien“ über den „Alten Hausarzt“ vor. Das Bild nähert sich hier dann dem, das die Bevölkerung, die Patienten „im Herzen“ haben und was sich z. B. darin ausdrückt, dass zwischen 80 und 90 Prozent der Patienten einen Hausarzt haben. In der Regel ist dies der Allgemeinmediziner oder der hausärztliche Internist. Dieses Ergebnis der „Abstimmung mit den Füßen“ ist eher erstaunlich angesichts des seit Jahrzehnten genährten Bildes „Moderner Medizin“ in der Öffentlichkeit der Medien. Die Leistung der Allgemeinmedizin scheint sich also anhaltend bei denen, die Versorgung brauchen, durchzusetzen. Erklärend hierzu wäre – so wissen wir aus Umfragen –, dass der Hausarzt „immer da“ ist, gut abwägt und erklärt sowie die interpersonellen Dimension hausärztlicher Betreuung. Dann gibt es noch die Leistung der Allgemeinmedizin aus inner-professioneller Sicht: Wie sehen die verschiedenen Arztgruppen sich untereinander, gespeist aus Erlebnissen und Vorurteilen mit und gegenüber dem Anderen. Hier dürfte die Allgemeinmedizin nur innerhalb des ambulanten Bereiches eine gewisse Leistungs-Akzeptanz haben. Aus dem Blick des Krankenhauses, was heute mehr denn vor 30 Jahren eine völlig andere Welt im Vergleich zum ambulanten Raum darstellt, erscheint das Leistungsgeschehen des Faches sehr nachgeordnet in seiner Bedeutung. Und dies prägt wahrscheinlich weitaus mehr als jede Approbationsordnung das Bild von Studenten auf die Leistungen des Faches. Es gehört weiterhin zu den großen Auftritten von Klinikern, vorgestellte Fälle gerade an den real ja wenigen Fehldiagnosen und therapeutischen Fehlentscheidungen des Hausarztes festzumachen, um dann zu zeigen, dass die „Gute Medizin“ in der Klinik gemacht wird. Und schließlich gibt es das Leistungsbild innerhalb des Faches selbst, was sich – nicht ganz unvermutet – zwischen Medien-öffentlichem Leistungsbild respektive dem der Krankenhausmedizin einerseits und Leistungsbild des Patienten andererseits de?niert. Ein Teil der Allgemeinärzte lebt eher in der Sicht des Einen, fühlt sich „nachrangig“, ein anderer Teil eher in der Sicht des Anderen und sieht sich als der Halbgott. Ein hoher Grad von identischer Professioneller Identität, wie wir ihn in angelsächsischen Medizinkulturen erleben, hat sich in Deutschland bis heute nicht entwickelt. Dies erklart sich nicht zuletzt aufgrund unseres Versorgungssystems im ambulanten Sektor (mit hälftig Spezialisten) sowie aufgrund unserer Aus- und Weiterbildungssituation (mehr gelitten als gewünscht). Die Arbeit von Borgers in diesem Heft fügt ein weiteres Leistungsbild hinzu: Das der Allgemeinmedizin im Spiegel ihrer publizierten Literatur. Bezieht man das „nachweislich“ wissenschaftlich Publizierte auf „die Allgemeinmedizin“, dann ist es lächerlich wenig. Bezieht man es eher auf die wenigen forschenden Abteilungen – unter einem halben bis zu einem Dutzend im Untersuchungszeitraum der Arbeit von Borgers – dann ist es fast gigantisch viel. Schaut man sich aber die meistzitierten Arbeiten deutscher Allgemeinmedizin an, dann merkt man, dass das Fach nicht um seine Kernthemen, seine Spezi?ka zu diskutieren begonnen hat, sondern sich – zumindest in der publizierten und zitierten Literatur – über Themen der Spezialisten noch pro?lieren will und/ oder muss. Und dies gibt wiederum einen Eindruck vom Leistungsbild des Faches in der Sicht seiner Wissenschaftler. Dabei muss man aber immer im Auge behalten: Die Spiegelung des Faches in seinen Publikationen kann nur bei Kenntnis der Gesetze und Anreizsysteme des Publikations-Betriebs verständlich und interpretierbar sein: Das, was abgebildet wird, ist – wie Borgers mehrfach deutlich macht – (nur) verzerrte Wirklichkeit der akademischen Allgemeinmedizin. Aber diese Bedingungen könnten und werden zum Teil auch die Wirklichkeit des Faches verzerren, es von dem praktizierten Fach wegzerren. Ihr Harald Abholz Z Allg Med 2008; 84: 43


(Stand: 02.02.2008)

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