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Leserbrief zur ZFA 1/2009<br/>Leserbriefe Martin Zingel, Uwe Popert, Thomas Lichte

Am 16. Januar erreichte mich die neu aufgelegte ZFA. Etwas verwundert über das neue grüne Design, aber doch gespannt nahm ich die neue ZFA aus dem Briefkasten.

Ich war begeistert: Es ging sofort zur Sache. Zunächst goutierte ich den Leserbrief von Herrn Zingel aus Bergen. Die sehr emotional gehaltene Replik auf die Arbeit von Ose et al traf meinen Geschmack. Wenn auch nicht so sehr in der Form, so doch dem Inhalte nach. Science meets reality – mit einem Knall. Ich teile die Erfahrungen von Herrn Zingel. Leider. Die Überweisung ist vom Informationsträger zur Freikarte verkommen. In sogenannten Versorgerpraxen kann das Begehren des Patienten nach einer Überweisung kaum noch evaluiert werden, geschweige denn, die zu Grunde liegende Besorgnis im empathischen Gespräch ausgeräumt werden. Vor diesem Hintergrund hilft die Arbeit von Ose nicht weiter. Aber in der dargestellten Auseinandersetzung hat sie ihre kritische Würdigung erfahren.

Die gegenwärtigen Probleme, wie sie auch von Herrn Zingel geschildert werden, finden sich im Brief von Herrn Popert wieder. Seine Aufstellung der Angriffe auf das Selbstverständnis des Faches Allgemeinmedizin verrät Kenntnis und Erfahrung. Dem wäre nichts hinzuzufügen, wäre er mit seinen Thesen etwas mutiger gewesen. So wäre zu diskutieren, ob eine primärmedizinische Grundversorgung ohne „Kassengebühr“ in einem freiberuflich-unternehmerischen Setting möglich und sinnvoll ist. Im Grunde aber hat der Brief von Popert (und vor allem seine Veröffentlichung!) die ZFA und hoffentlich auch die DEGAM weiter gebracht: Von der Wissenschaft, die sich ihrem sozialen und politischen Kontext scheinbar verweigert hin zu einer Wissenschaft, die diesen Kontext wenigstens reflektiert. Ohne Bezug zum gesellschaftlichen Umfeld gerät die Wissenschaft in den Elfenbeinturm.

Ich wünsche mir für die Zukunft der ZFA und der DEGAM eine Fortsetzung dieser Diskussion. Sie geht über die bloße Berufspolitik hinaus und darf schon deshalb nicht den Funktionären des HÄV überlassen werden, die schon längst keine Vision mehr außer der einen oder anderen kosmetischen Korrektur des bestehenden Systemes zu bieten haben. Interessant wäre es z.B., zu klären, ob und inwieweit ein emanzipatorisches Konzept der Arzt-Patienten-Beziehung wie z.B. die Salutogenese von Antonovsky in einem paternalistisch geprägten sozialrechtlichen Rahmen möglich ist.

Ich freue mich auf eine neue ZFA, in der sich die Realität unserer Praxen mit der Hochschulwissenschaft zum Disput trifft und einen Weg aus dem Hamsterrad diskutiert.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Ilja Karl

Allgemeinmedizin

Bahnhofstrasse 23

39619 Arendsee / Altmark

www.hausarzt-arendsee.de


(Stand: 08.06.2011)

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