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Hausärztliche Patienteninformationen – ein neuer Standard der DEGAM

Vorbemerkung zum DEGAM-Manual Patientenratgeber

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Günther Egidi

Lange Zeit herrschten in deutschen Hausarztpraxen von pharmazeutischen Firmen oder von Interessengruppen herausgegebene Patienteninformationen vor. Mittlerweile tut sich jedoch etwas auf dem Gebiet evidenzbasierter Patienteninformationen. Insbesondere die Vorgaben des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) (21), des IQWIG (22) sowie ein von einer Arbeitsgruppe des Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) erarbeitetes Papier (24) formulieren inzwischen klare Kriterien für Patienteninformationen.

Alle DEGAM-Leitlinien enthalten, neben Lang- und Kurzversion der Leitlinien, Patientenratgeber. Als Besonderheit entschied sich die Arbeitsgruppe „Leitlinie kardiovaskuläre Prävention“ im damaligen Arbeitskreis Leitlinien der DEGAM, aus pragmatischen Gründen Patienteninformationen zum Thema zu erstellen, auch ohne dass die eigentliche Leitlinie fertig geworden war. Man sah den Bedarf an pharmaunabhängigen Informationen zu Gerinnungshemmung, Blutdrucksenkung, Statinbehandlung etc., war aber noch nicht in der Lage, die entsprechenden riesigen Wissensgebiete in der notwendigen Vollständigkeit zu recherchieren.

In diesem Zusammenhang entstanden 10 Patienteninformationen [1], von denen 8 in einem Praxistest [2] hinsichtlich ihrer Verständlichkeit und Akzeptanz evaluiert wurden. Ein weiteres DEGAM-Patienteninfo zur Krebsvorsorgeuntersuchung am Gebärmutterhals [3], basierend auf einer im Arzneitelegramm veröffentlichten Arbeit von Ingrid Mühlhauser [4] wurde ebenfalls nach Durchlaufen einer Patientinnenbefragung veröffentlicht, ohne dass es hierzu eine DEGAM-Leitlinie gab.

Für die Erstellung von DEGAM-Leitlinien selbst gibt es seit der Veröffentlichung der ersten DEGAM-Leitlinie „Brennen beim Wasserlassen“ ein definiertes, auf der DEGAM-Homepage veröffentlichtes und inzwischen überarbeitetes Konzept [5].

Ein solches Konzept lag bislang weder für im Rahmen von Leitlinien noch unabhängig davon erstellte Patienteninformationen vor. Zu berücksichtigen war für ein solches Konzept vor allem das Erfordernis, den Besonderheiten einer für Hausarztpraxen typischen, nicht belesenem Patientenklientel, deren Lesefähigkeit nicht selten eingeschränkt ist, gerecht zu werden.

Den entsprechenden Produkten wurde unlängst der Status evidenzbasierter Patienteninformationen abgesprochen [6] – es handele sich lediglich um „narrative Zusammenfassungen der besten Evidenz in einem einfachen Sprachmodus“. In einem begleitenden Editorial [7] wurde der „normative Duktus“ der Arbeit von Mühlhauser und Kolleginnen bereits kritisch hinterfragt. In den Arbeiten vieler auf dem Feld der Entwicklung evidenzbasierter Patientenratgeber Tätiger findet sich ein Ansatz, Patienten weitest möglich zu qualifizieren („Patienten-Universität Hannover“, Professionalisierung von Patientenvertretern für Gremien der Selbstverwaltung), die sich durch den Grad ihrer medizinischen Bildung wieder erheblich von durchschnittlichen hausärztlichen Patienten unterscheiden. Ein, für solche „Durchschnittspatienten“, taugliches Konzept wurde im Rahmen des DEGAM-Kongresses 2009 in Heidelberg in einem Workshop entwickelt und von der Ständigen Leitlinien-Kommission der DEGAM am 14.9.2010 verabschiedet.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Günther Egidi

Huchtinger Heerstr. 41

28259 Bremen

Tel.: 04 21 / 5 79 76 75

E-Mail: familie-egidi@nord-com.net

Literatur

1. Egidi G, Hensler S et al. Patienteninformationen zur LL kardiovaskuläre Prävention; leitlinien.degam.de/index.php

2. Egidi G Evaluation von Patienten-Informationsblättern zur kardiovaskulären Prävention. Z Allg Med. 2009; 85: 345–351

3. Egidi GH, Niemann D et al. Patienteninformation – Früherkennung von Krebs am Gebärmutterhals; http:// leitlinien.degam.de/index.php?id=257

4. Mühlauser I, Filz M. Screening auf Zervixkarzinom. Informationen zur Beratung von Frauen. Arznei-telegramm 2008; 39: 29–38

5. Gerlach FM, Abholz H-H et al. Konzept zur Entwicklung, Verbreitung Implementierung und Evaluation von Leitlinien für die hausärztliche Praxis; leitlinien.degam.de/index.php (12.1.2011)

6. Mühlhauser I, Meyer G, Steckelberg A. Patientenwollen mitentscheiden, doch Informationsbasis und Struktur fehlen. ZAllg Med 2010; 86: 412–417

7. Koschack J. Die Forderung nach informierten und teilhabenden Patienten verkennt die Komplexität menschlicher Entscheidungsfindung. ZAllg Med 2010; 86: 418–419

1 Arzt für Allgemeinmedizin Bremen-Huchting, Vertreter der DEGAM bei der Nationalen Versorgungs-Leitlinie Diabetes


(Stand: 07.02.2011)

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