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Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien: Gesicht in kaltes Wasser tauchen?

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Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien (PSVT) gelten zwar als harmlos, weil sie praktisch nie in maligne Herzrhythmusstörungen übergehen. Für die Betroffenen aber sind PSVT in aller Regel äußerst unangenehm und werden als bedrohlich empfunden. Was kann man tun, wenn man als Hausarzt mit dieser Situation konfrontiert wird?

Australische Wissenschaftler haben sich die (englischsprachige) Literatur der letzten 40 Jahre gründlich angesehen und 21 relevante, meist nicht-randomisierte Arbeiten zum Thema „human dive reflex“ gefunden. Darunter versteht man einen kardiovaskulären Reflex, der über einen erhöhten vagalen Tonus zu einer verminderten Herzfrequenz bei unveränderter cerebralen Perfusion führt. Er tritt ein, wenn man das Gesicht möglichst vollständig in kaltes Wasser (10° C), Schnee oder Eis taucht. Dieses Vorgehen wird für eine Zeitdauer von mindestens 30 Sekunden empfohlen, während der ein Patient die Luft anhalten soll.

Die Autoren raten allerdings dazu, diese Prozedur nur durchzuführen, wenn

  • Intubationsbereitschaft besteht,
  • bei Verfügbarkeit eines kardialen Monitors,
  • eines Defibrillators,
  • von Sauerstoff und
  • Antiarrhythmika.

Sieht man sich die Studien an, wird schnell klar, dass diese Empfehlungen – ebenso wie die Vorsichtsmaßnahmen – nicht evidenzbasiert sind. In „freier Wildbahn“ und ohne jede medizinische Ausrüstung würde ich aber an diese Maßnahme zumindest denken (z.B. Handtuch mit kaltem Leitungswasser), bevor ich mit einer einseitigen Carotismassage beginne. Deren Gefährlichkeit ist m.W. bislang ebenso wenig untersucht worden wie andere Maßnahmen.

Eine Übersicht über das Thema (Colucci RA, et al. Common types of supraventricular tachycardia: diagnosis and management. Am Fam Physician 2010; 82: 942–952) können Sie frei herunterladen unter www.aafp.org/afp/2010/ 1015/p942.html

Foto: fotolia/Eisenhans


(Stand: 15.02.2013)

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